„Grundsteinlegung“ für ein Projekt, das schon fast 20 Jahre währt
Die Lutter taucht auf

Bielefeld (WB). Martin Enderle vom Verein „Pro Lutter“ hat eine historische Ansicht mitgebracht. 120 Jahre ist sie alt und zeigt, wie in der Ravensberger Straße die Lutter unter die Erde gebracht wurde. „Sie stank wie die Pest“, erzählt Enderle. Die Menschen waren froh, dass sie in einem Kanal verschwand.

Mittwoch, 09.09.2020, 06:10 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 08:45 Uhr
Das Gerinne-Element schwebt ein: Es ist die symbolische „Grundsteinlegung“ für die Lutter-Freilegung. Foto: Thomas F. Starke

„Grünes“ Fließgewässer

An diesem Dienstag sind viele gekommen, die heute in der Straße wohnen. Und sie sind froh, dass die Lutter wieder auftaucht. Ein Bagger hievt ein Gerinne-Element heran. So heißen die trogartigen Beton-Fertigteile, durch die das Flüsschen bald wieder oberirdisch fließen soll. Es ist so etwas wie die symbolträchtige „Grundsteinlegung“ für die Freilegung der Lutter in diesem Bereich.

Die Gerinne-Elemente, die jetzt im ersten Bauabschnitt zwischen Teutoburger und August-Bebel-Straße verlegt werden, werden nicht so grau bleiben. Sie werden vielmehr ausgekleidet und begrünt. Hinzu kommen für ein solches Fließgewässer typische Moose, Seggen, Schwertlilien, Blutweiderich und Bachbungen. Zusammen mit einem Straßenpflasterbelag in changierenden Grautönen soll die Ravensberger Straße eine ganz neue Aufenthaltsqualität erhalten.

Erste Überlegungen 2002

Für Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) ist es einer seiner letzten offiziellen Termine. Nach der Kommunalwahl am Sonntag wird er nicht in die Bezirksvertretung zurückkehren. Umso mehr freut er sich, dass er noch „im Amt“ dabei sein kann, wenn die Lutter-Freilegung weiter Gestalt annimmt.

2002 war es, als Martin Enderle seine Idee einer freigelegten Lutter öffentlich machte. Viele kontroverse Diskussionen in den politischen Gremien folgten. Schnell stellte sich heraus, dass zunächst Kanäle aufwendig saniert werden müssten, bevor mit der eigentlichen Freilegung begonnen werden könnte. So blieb das 2004 eröffnete Teilstück am Gymnasium am Waldhof lange Zeit der einzige wirklich sichtbare Beleg des ambitionierten Projekts.

Ende des Jahres sollen die Arbeiten im Abschnitt zwischen Teutoburger und August-Bebel-Straße abgeschlossen sein. In einem zweiten Bauabschnitt folgt der Bereich zwischen August-Bebel- und Turnerstraße von November bis Mai kommenden Jahres. Daran schließt sich von April bis September 2021 der dritte Abschnitt zwischen Turnerstraße und Niederwall an.

Drei Millionen Baukosten

Ein technische Herausforderung wird die Unterquerung des Niederwalls. Um die Stadtbahn nicht zu unterbrechen, wird dort die Leitung durch das Erdreich gepresst. In der Straße Am Bach im Altstadt-Hufeisen arbeiten noch bis November die Stadtwerke an Fernwärmeleitungen. Dann gibt es eine Pause, um das Weihnachtsgeschäft in der Altstadt nicht mit einer Baustelle zu stören. Im Frühjahr 2021, startet „Am Bach“ der Bau einer so genannten Freispiegelleitung, durch die die Lutter dort unterirdisch geleitet wird. Eine solche Leitung nutzt Gefälle aus, das Wasser muss nicht gepumpt werden.

Die Baukosten, so Constantin Vollmer vom Amt für Verkehr, werden rund drei Millionen Euro betragen. 80 Prozent davon übernimmt das Land, zehn Prozent kommen aus der Stadtkasse, und weitere zehn Prozent stellt der Verein Pro Lutter bereit, der wiederum auf Sponsoren wie den Verkehrsverein und Umweltstiftungen setzen kann.

Ende 2021 soll die Lutter dann tatsächlich oberirdisch durch die Ravensberger Straße fließen. Mit Hochwasser muss übrigens niemand rechnen. Die Fließgeschwindigkeit ist so hoch, dass nichts über die Ufer treten kann. „Überschüssiges Wasser“ wird vom Kanal aufgefangen.

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