Johannes Delius und Peter von Möller sorgen sich um den wirtschaftlichen Sachverstand im Rathaus
„Bock aufs Geld ausgeben reicht nicht“

Bielefeld (WB). Johannes De­lius bittet in sein Elternhaus am Albrecht-Delius-Weg. Vom weitläufigen Garten aus hat man einen prächtigen Blick über die Stadt. Und um die geht es dem Spross einer uralten Bielefelder Unternehmer-Dynastie. „Die großen Probleme müssen wir gemeinsam in den Griff bekommen“, sagt De­lius. Vor sechs Jahren war er selbst als Oberbürgermeister-Kandidat der Bürgergemeinschaft angetreten, hatte im ersten Wahlgang mit 16 Prozent der Stimmen mehr als einen Achtungserfolg errungen.

Samstag, 05.09.2020, 06:10 Uhr
Peter von Möller und Jan Maik Schlifter teilen mit Johannes Delius (von links) die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft der Stadt. Zu häufig dominiere Ideologie, sei zu wenig ökonomischer Sachverstand vorhanden. Foto: Bernhard Pierel

Die Plattform-Idee

Damals hatte er auch für seine Plattform-Idee geworben. Keine festen Koalitionen, sondern ein gemeinsames Vorgehen des Rates bei den wichtigen Fragen der Stadt. Seine Bürgergemeinschaft machte das nicht mit, er stieg aus. Seine Idee hält er immer noch für richtig. „Es kann doch nicht sein, dass die einen den Umbau des Jahnplatzes beschließen und die anderen das wieder zurücknehmen wollen, wenn sie an den Drücker kommen“, gibt Delius ein Beispiel dafür, was aktuell falsch läuft.

Delius hat Gäste an diesem Freitag Mittag. Der FDP-OB-Kandidat Jan Maik Schlifter ist gekommen und Peter von Möller. Auch er entstammt einer traditionsreichen Unternehmerfamilie, deren Anfänge sich auf das Jahr 1730 zurückdatieren lassen. Und im hohen Alter von 85 Jahren kandidiert er für die Liberalen bei der Kommunalwahl .

„Die Sorge um die Wirtschaft treibt mich um“, sagt von Möller. Bielefeld sei nie Residenzstadt, aber immer Handels- und Industriestadt gewesen. „Die wirtschaftliche Kompetenz im Rathaus nimmt jedoch immer mehr ab“, ist von Möller überzeugt. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) habe daran offenbar wenig Interesse. Dabei solle sich ein Oberbürgermeister besser die Zeit nehmen und einmal im Monat mit Unternehmern sprechen, ganz gleich ob Handwerker oder Industrieller. „Das schärft den Blick.“

Parteipolitisch unabhängig

Auch Delius geht mit Clausen hart ins Gericht. Der habe den Ernst der Lage gar nicht erkannt, wenn er so leicht dahin sage, er habe Bock aufs Geld ausgeben. „Nur Bock aufs Geld ausgeben haben reicht nicht. Es muss auch irgendwo herkommen.“ Die aktuellen Umfrageergebnisse, die Clausen fast schon wieder auf dem Rathaus-Chefsessel sehen, und die Aussicht auf einen erneut polarisierten Rat haben Delius zum Gespräch mit den Liberalen bewogen. Parteipolitisch unabhängig sei er weiterhin, betont der langjährige Kommunalpolitiker.

„Wir wollen mehr wirtschaftspolitische Kompetenz ins Rathaus bringen“, betont der FDP-OB-Kandidat Jan Maik Schlifter. Das unterstützt auch Delius. Einen eigenen Wirtschaftsdezernenten bräuchte es. Er hat das Organigramm der Stadtverwaltung vor sich liegen. Das Digitalisierungsbüro ist beim Planungsdezernenten angesiedelt, die Rathaus-IT ganz woanders. „Das passt alles nicht zusammen“, gerade so eine Zukunftsfrage gehöre gebündelt in das Ressort eines Wirtschafts-Fachmanns.

Ein bisschen FDP-Wahlkampf

Am Machbaren müsse man sich orientieren, ergänzt von Möller, alles einem Faktencheck unterziehen. „Was ist wirtschaftlich tragbar, wenn wir uns mit den Klimaschutzproblemen beschäftigen.“ Da sind sich die beiden Familienunternehmer einig. Sich am Machbaren orientieren – das hat ihre Firmen schließlich durch die Jahrhunderte gebracht.

Und obwohl er ja parteipolitisch unabhängig sein will, mischt Johannes Delius dann doch noch ein bisschen mit im Wahlkampf. Mit seinem Unimog fährt er am Nachmittag zu einem Wahlkampfstand der FDP in der Altstadt. Den hat er erst kürzlich in der Kfz-Zulassungsstelle angemeldet und dort all die Erfahrungen gemacht, über die so viele Bürger aktuell klagen. Vor allem hat ihn gewurmt, dass er das kleinformatige Kennzeichne, das er für das Fahrzeug benötigt, zunächst nicht bekommen sollte. Was er den Leuten am Wahlkampfstand sagen will? „Das ist die Form von Bürokratie, die wir nicht länger brauchen.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7567951?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Ein rabenschwarzer Tag für Bielefeld“
Die Bahnhofstraße am Samstagnachmittag: Viele Menschen waren unterwegs, aber deutlich weniger als am „Black Friday“, dem Tag der Schnäppchenjäger.
Nachrichten-Ticker