Hotspotgefahr in Bielefeld: 300 Schüler und Lehrer müssen zum Massentest – Viele in Quarantäne
Coronafälle an fünf Schulen und einer Kita

Bielefeld (WB/wie/abe). 300 Schüler und Lehrer müssen an diesem Freitag zum Corona-Massentest, weitere Abstriche sind in den kommenden Tagen erforderlich, mehrere hundert Menschen befinden sich bereits in Quarantäne: An zwei Grundschulen, drei Berufskollegs und einer Kita gibt es Coronafälle.

Donnerstag, 03.09.2020, 21:39 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 09:00 Uhr
Betroffen sind Schüler und Lehrer aus Bielefeld – und weitere aus ganz OWL. Auch eine Handballmannschaft befindet sich wegen eines Infizierten in Quarantäne. Foto: dpa

Betroffen sind die Diesterweg-Grundschule und die Grundschule Windflöte. Außerdem das Rudolf-Rempel-Berufskolleg, das Carl-Severing-Berufskolleg, das Berufskolleg am Tor 6 und die Evangelische Kita am Rosenhag in Hillegossen. Hotspot-Gefahr!

Hotspot verhindern

Die Aufregung unter den Lehrern, Schülern und Eltern ist groß. Bei der Stadt tagte der Krisenstab, ordnete Schnelltests an und überlegte, wie es weiter geht. Gleichzeitig begann die Kontaktverfolgung von mehr als 100 Menschen. Ziel: weitere Fälle aufspüren und Infektionsketten unterbrechen. Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger: „Wir müssen alles dafür tun, einen Hotspot zu verhindern.“

Diesterwegschule

Vergleichsweise gravierend ist die Situation an der Diesterwegschule. Hier hat sich eine Lehrerin infiziert. Sie erschien noch ein paar Tage zur Arbeit und erfuhr erst später, dass sie infiziert ist. Sie hat offenbar stärkere Symptome. Auch andere Lehrer könnten sich angesteckt haben, einige sollen bereits Symptome festgestellt haben. Die 242 Kinder und 21 Lehrer unter Leitung von Martina Schmidt-Schlierf müssen an diesem Freitag zu Hause bleiben, möglicherweise auch darüber hinaus. Erst wenn die Testergebnisse vorliegen, wird entschieden, ob und wann der Schulbetrieb dort fortgesetzt wird.

Schule geschlossen

Die Lehrerin hatte zahlreiche Kontakte zu Schülern und Lehrern. Sie hat drei Klassen unterrichtet. Das Lehrerzimmer ist vergleichsweise klein, dort wurden auch Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Da die Ansteckungsgefahr unter Erwachsenen meist größer ist als bei Kindern und sich bereits andere Lehrer infiziert haben könnten, geht die Stadt auf Nummer sicher. Das bedeutet: Die Schule bleibt vorerst geschlossen.

Für die Testungen wird die Drive-In-Station auf dem städtischen Gelände der ehemaligen Firma Kahmann und Ellerbrock wieder in Betrieb genommen. Mit ersten Ergebnissen wird frühstens am Wochenende gerechnet. Tests können derzeit aber bis zu fünf Tage dauern, da sehr viel getestet wird. Für die Kinder ist der Test freiwillig, für die Pädagogen nicht.

Fälle an Berufskollegs

Bestätigte Tests gibt es auch an drei Berufsschulen. Am Rudolf-Rempel-Berufskolleg ist eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) aus Paderborn infiziert. Sie nahm an einer Klausur teil. Somit müssen vier Bielefelder und 16 weitere Schüler aus dem Umland plus die Lehrerin der Bezirksfachklasse getestet werden und je nach Entscheidung der betroffenen Gesundheitsämter in Quarantäne. Eine weitere Schülerin aus dem Bereich Groß- und Außenhandel wurde ebenso positiv getestet. Sie hatte aber keine relevanten Kontakte.

Am Carl-Severing-Berufskolleg müssen 25 Schüler und fünf Lehrer aufgrund eines postiven Tests einer jungen Frau getestet werden und in Quarantäne.

Am Berufskolleg am Tor 6 gibt es einen infizierten Schüler. Schüler und Lehrer haben Mund-Nasen-Schutz getragen. Aufgrund dieses Hygienekonzepts müssen dort „nur“ etwa fünf Kontaktpersonen getestet werden.

Test noch offen

Einen weiteren Fall gibt es an der Grundschule Windflöte. Hier hat sich ein Schüler möglicherweise angesteckt. Er wurde erst positiv, anschließend negativ getestet. Ein endgültiges Ergebnis steht noch aus. Die Schulklasse muss heute zu Hause bleiben. Ähnlich ist es an der Kita am Rosenhag. Hier ist eine Mitarbeiterin zunächst positiv, später negativ getestet worden.

Handballer in Quarantäne

Auch eine Handballmannschaft aus Bielefeld befindet sich seit Mittwoch in Quarantäne. Ein Spieler der zweiten Herrenmannschaft des TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck (Landesliga) ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er hatte sich bei einem Freund angesteckt. Daraufhin musste der Spieler am Mittwochmorgen dem Bielefelder Gesundheitsamt seine Kontaktdaten nennen – darunter auch seine Handballmannschaft. „Jeder von uns ist dann vom Gesundheitsamt angerufen und für 14 Tage in häusliche Quarantäne geschickt worden“, berichtet der Bielefelder Stephan Neitzel, Trainer des Teams. 14 Personen würde das auf Jöllenbecker Seite betreffen. Da die Mannschaft am Sonntag noch ein Testspiel gegen den Verbandsligisten HSG Werther/Borgholzhausen absolviert hatte, ist auch für dieses Team aus dem Nachbarkreis Quarantäne angeordnet worden.

Folgen in OWL

Einige der Jöllenbecker Handballer, die nicht nur in Bielefeld, sondern auch in den Kreisen Gütersloh und Herford wohnen, hätten sich mittlerweile auf Covid-19 testen lassen – ein Spieler sei negativ getestet worden, die anderen Ergebnisse würden noch ausstehen. So auch das von Stephan Neitzel. „Kurios finde ich, dass das Bielefelder Gesundheitsamt uns mitgeteilt hat, dass wir selbst bei zwei negativen Tests nicht vorzeitig aus der Quarantäne dürften“, berichtet der Lehrer des Berufskollegs Halle.

Corona und die möglichen Folgen: Hier lesen Sie mehr.

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