In OWL sinkt die Erwerbslosenzahl erstmals in der Corona-Krise
Zuversicht am Arbeitsmarkt

Nürnberg/Bielefeld (WB/dpa). Der Arbeitsmarkt hat sich nach dem Corona-Schock gefangen. Das gilt besonders für Ostwestfalen-Lippe. In der Region ist gegen den Bundestrend die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber dem Vormonat sogar gesunken. Deutschlandweit registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 2,955 Millionen Menschen ohne Job – rund 45.000 mehr als im Juli. Der Anstieg sei jedoch, wie bereits im Vormonat, keine Folge der Corona-Krise, sondern gehe auf die Sommerpause zurück. Experten sind vorsichtig optimistisch, sehen aber Risiken.

Mittwoch, 02.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 12:58 Uhr
Antragsformulare in einer Arbeitsagentur. In OWL liegt die Arbeitslosenzahl im August zwar deutlich über den Vorjahreswerten. Sie ist aber gegen den Bundestrend zum Vormonat gesunken – und war so erstmals seit Beginn der Corona-Krise im März rückläufig. Foto: dpa

Im August erhöht sich normalerweise die Arbeitslosigkeit, weil Unternehmen vor den Sommerferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. So sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 9000. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.

In OWL ist die Arbeitslosenzahl indes erstmalig seit dem Lockdown gesunken: 74.343 Personen waren zum Stichtag arbeitslos gemeldet – 456 weniger als im Juli. Gegenüber August 2019 sind aber 22,4 Prozent oder 13.630 Arbeitslose mehr in der Region registriert. Zugleich liegt die Zahl der offenen Stellen mit 16.864 um 4045 Stellen unter der des Vorjahres. Aktuell weist OWL eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent auf – vor Jahresfrist lag der Wert nur bei 5,4.

Arbeitsmarkt stabilisiert sich

Bundesweit machten die Zahlen deutlich, dass sich der Arbeitsmarkt langsam stabilisiere, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Dies allerdings auf Krisen-Niveau: Vor einem Jahr lag die Zahl der Arbeitslosen noch um 636.000 niedriger. Ohne den massiven Einsatz der Kurzarbeit wäre der Anstieg noch deutlicher ausgefallen, sagte BA-Vorstandschef Detlef Scheele. Das habe im Juni 2,1 Millionen Jobs gesichert.

Im Juni waren nach vorläufigen Zahlen bundesweit 5,36 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im Mai hatte die Zahl noch bei 5,82 Millionen gelegen. Im April war sie auf den Rekordwert von 5,98 Millionen hoch geschnellt. Zum Vergleich: Während der Wirtschaftskrise 2008/09 hatte der Höchstwert 1,44 Millionen betragen.

In der Spitze mehr als 150.000 Kurzarbeiter in OWL

Zum Höhepunkt der Corona-Krise im April sind in OWL nach ersten Hochrechnungen der Arbeitsagentur 154.239 Beschäftigte in Kurzarbeit gewesen. 14.659 Unternehmen nutzten demnach das Arbeitsmarktinstrument. In welchem Umfang die Arbeitszeit reduziert wurde, ist nicht bekannt.

Damit blieb die Inanspruchnahme aber unter den maximal möglichen Zahlen. Denn vorsorglich hatten 19.000 Unternehmen für rund 300.000 der insgesamt etwa 850.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region eine Verringerung der regulären Arbeitszeit angezeigt. Im März, als die Krise hierzulande ihren Anfang nahm, schickten in OWL 7853 Betriebe insgesamt 57.966 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

In den Monaten März bis einschließlich Juli zahlte die Arbeitsagentur in OWL 290 Millionen Euro an Kurzarbeitergeld aus, alleine im Mai waren es rund 90 Millionen.

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Eine Prognose zur weiteren Entwicklung geben die Arbeitsmarktexperten nicht. „Aber die Tendenz geht nach unten, wenn nichts mehr passiert“, sagte Scheele. Das bestätigt auch eine Umfrage des Ifo-Instituts. Demnach gab es im August in 37 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit, im Juli waren es noch 42 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den Anzeigen für Kurzarbeit. Vom 1. bis 26. August meldeten Firmen für 170.000 Menschen konjunkturelle Kurzarbeit neu an, nach 254.000 im Juli und 387.000 im Juni. Im März und ­April waren zusammen noch Kurzarbeit-Anzeigen für 10,7 Millionen Beschäftigte eingegangen.

„Die Krise ist noch nicht vorbei“

Minister Heil warnte jedoch vor Risiken, die die nächsten Monate bringen könnten. „Die Krise ist noch nicht vorbei.“ Volkswirte erwarten, dass sich die konjunkturelle Erholung ab Herbst wieder verlangsamen könnte.

Seit Beginn der Corona-Krise sind laut BA 637.000 Menschen entlassen worden oder konnten weder eine neue Arbeitsstelle antreten noch an einer Weiterbildung teilnehmen. Besonders betroffen seien Menschen ohne Berufsausbildung und Ausländer. Die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger erhöhte sich zum Vorjahr um 397.000 auf 1,14 Millionen, die der Hartz-IV-Empfänger um 188.000 auf 4,04 Millionen.

Die Ausgaben für Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld lassen die Rücklagen der BA schmelzen. Für dieses Jahr erwartet sie ein Defizit von 27 Milliarden Euro, in der Rücklage liegen 26 Milliarden.

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