Landgericht Bielefeld verurteilt vier Angehörige einer Großfamilie
Langjährige Haftstrafen für Drogenclan

Bielefeld (WB). Wenn jemand im Verdacht steht, regelmäßig und in größeren Mengen mit Drogen Geschäfte zu machen, dann spricht die Staatsanwaltschaft gerne von „schwunghaftem Handel“. In diesem Fall aber geht es nicht mehr um den Verdacht: Gestern hat das Landgericht Bielefeld vier Angehörige einer kurdisch-jesidischen Großfamilie wegen Drogenhandels zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Dienstag, 01.09.2020, 10:13 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 10:16 Uhr
Symboldbild. Foto: dpa

Zehn Monate hat die 3. Große Strafkammer gebraucht , um die Vorwürfe gegen Adil M. (54) und seine Söhne Cihan (34), Özgür (33) und Diyar Jack (20) aufzuklären. „Ein sehr langes und sehr schwieriges Verfahren“, sagte Vorsitzender Richter Thorsten Bolte, der auch feststellte: „An dem Wort Clan führt hier kein Weg vorbei.“ Familie M. habe die Bielefelder Justiz seit 20 Jahren immer wieder beschäftigt. Diesmal waren es an die 80 Kilogramm Marihuana und Haschisch, mit denen die drei Söhne nach Überzeugung der Kammer über einen Zeitraum von fast vier Jahren gehandelt hatten. Ihre Feststellungen stützte die Strafkammer überwiegend auf die Auswertung von Überwachungsmaßnahmen: Handy-Chats, Telefonabhörungen, GPS-Ortungen und Observierungen – und die Aussage eines Kronzeugen, der selbst an den Geschäften maßgeblich beteiligt war und der in seinem eigenen Verfahren umfassend ausgepackt und die Brüder M. belastet hatte. Der 32-Jährige ist bereits zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden, der Prozess muss jedoch nach erfolgreicher Revision vor dem Bundesgerichtshof neu aufgerollt werden.

Auch die Strafen für die vier Angeklagten in diesem Mammut-prozess sind nicht von Pappe: Özgür M. muss für neun Jahre hinter Gitter, soll aber auch eine Langzeittherapie in einer Entziehungsanstalt machen. Cihan M. muss fünfeinhalb Jahre „sitzen“, Diyar Jack dreieinhalb Jahre – alle drei wurden des Drogenhandels in unterschiedlicher Anzahl von Fällen schuldig gesprochen.

Zudem soll von ihnen „Drogengeld“ eingezogen werden: Die Beträge reichen von 91.000 bis 370.000 Euro. Bei Vater Adil M. sah die Strafkammer keinen Nachweis einer Täterschaft bei den Drogengeschäften, wohl aber der Beihilfe: Dafür gab es eine Haftstrafe von 27 Monaten. Unter anderem zogen die Richter diesen Schluss, weil ein Schlüssel zu einem Keller, in dem Drogen aufbewahrt wurden, bei Adil M. im Kleiderschrank verwahrt wurde. Dies habe der 54-Jährige getan, um diesen „Bunker-Schlüssel“ vor einem eventuellen Zugriff von Ermittlern zu entziehen.

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