Bielefelder Werkstatt streitet sich vier Jahre mit Autobesitzer – Vergleich vor Gericht
14.500 Euro Standgebühren verlangt

Bielefeld (WB). Ein kurioser Streit wurde am Montag vor dem Amtsgericht Bielefeld verhandelt: Eine Werkstatt hat für ein seit rund vier Jahren dort abgestelltes defektes Auto 14.500 Euro Standgebühren vom Wagenbesitzer gefordert. Jetzt endete der skurrile Fall mit einem Vergleich.

Dienstag, 01.09.2020, 04:00 Uhr
Symbolfoto. Foto: dpa

Autobesitzer Alexander A. aus Augustdorf hatte seinen Skoda Octavia – Baujahr 2011 – im Mai 2016 in die Werkstatt gebracht. Die Kupplung war nicht in Ordnung und wurde repariert. Im September brachte A. das Fahrzeug erneut in die Werkstatt. Das Getriebe hatte sich überhitzt. Der Rückwärtsgang ließ sich nicht mehr einlegen. Die Mechatronik musste ausgetauscht werden. „Beide Reparaturen wurden korrekt ausgeführt“, sagte Gerichtssprecherin Barbara Fischer-Muermans. Doch der Autobesitzer berief sich beim zweiten Schaden auf Gewährleistungsansprüche. Er wollte nicht erneut so viel Geld bezahlen – und beauftragte einen Anwalt.

Der Streit zog sich in die Länge, nicht zuletzt, weil auch ein Gutachter hinzugezogen wurde. So vergingen unglaubliche vier Jahre. Dann flatterte dem 43-Jährigen eine Rechnung der Werkstatt über 14.541 Euro ins Haus.

Diese Summe, so die Werkstatt, sei durch die Standgebühren des Skoda auf dem Gelände der Werkstatt zustande gekommen. Insgesamt 1222 Tage habe der Wagen dort gestanden. Bei einer täglichen Gebühr von 11,90 Euro komme man auf diese Summe, heißt die Argumentation.

„Das ist der Gipfel der Unverschämtheit. Zuerst schaffen sie es nicht, mein Auto zu reparieren, und dann wollen sie mich ausnehmen“, soll Alexander A. Berichten zufolge geschimpft haben. Zudem habe er überlegt, ob er weitere Klagen gegen die Werkstatt anstrebt – beispielsweise wegen Nutzungsausfall. Denn mittlerweile seien durch die lange Standzeit Folgeschäden entstanden, die weitere Investitionen nach sich zögen. So müssten die Reifen und die Batterie des Skoda ausgetauscht werden, der TÜV sei auch mittlerweile abgelaufen. Hinzu komme der Wertverlust.

Der jahrelange Streit um das nicht fahrtüchtige Fahrzeug endete am Montag vor dem Amtsgericht in Bielefeld mit einem Vergleich. Der Eigentümer übereignet seinen Wagen nun an das Autohaus und erhält von diesem 500 Euro, wie Gerichtssprecherin Fischer-Muermans mitteilte. Diesen Betrag hätte A. zwischenzeitlich an die Werkstatt gezahlt.

Dem Gericht zufolge hatte sich der Streit 2016 an der Frage entzündet, ob die Reparatur ordnungsgemäß durchgeführt worden war. Der Augustdorfer wollte die Rechnung nicht zahlen. So zog sich der Streit über vier Jahre hin. Als die Werkstatt nun 14.500 Euro Standgebühr verlangte, eskalierte der Fall. Der Pkw-Eigentümer klagte. Am Montag beendete ein Vergleich den Streit.

Der Kläger soll sich zwischenzeitlich ein neues Auto besorgt haben – einen japanischen SUV.

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