Dank Innovationsprämie: Autohäuser registrieren steigende Nachfrage nach E-Autos
Plötzlich Lust auf Stromer

Bielefeld (WB). Die Aussicht, rund 10.000 Euro beim Kauf eines neuen Elektroautos zu sparen, lockt derzeit viele Bürger in die Autohäuser. Möglich wird das Schnäppchen durch die staatliche Innovationsprämie. Sie soll seit Juli den Verkauf der E-Autos ankurbeln. Einer Umfrage dieser Zeitung bei mehreren Autohäusern in OWL zufolge geht das Konzept auf: E-Autos boomen – mit der Folge längerer Wartezeiten nicht nur bei Probefahrten vor allem der beliebten Kleinwagen. Manche Hersteller des Segments kommen mit der Lieferung kaum noch nach.

Dienstag, 01.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 16:00 Uhr
Renault Zoe: Meistverkauftes E-Auto in Europa, betont Verkaufsleiter Tim Wehmeier von Renault Bitter in Bielefeld-Brackwede. Foto: Fels

So müssen sich Interessenten auf einen neuen VW E-up bis zum Sommer 2021 gedulden. „Das Nadelöhr ist sicher die Produktion beziehungsweise die Verfügbarkeit der Batteriezellen. Hier sind die Kapazitäten aktuell noch nicht auf dem Niveau, das für die Nachfragesituation notwendig ist“, erläutert Thomas Klemm vom Autohaus Thiel in Rheda-Wiedenbrück. „Volkswagen baut aktuell eine eigene Batteriefertigung auf, um hier deutlich kürzere Lieferzeiten anbieten zu können.“

Lange Lieferzeiten gibt es auch beim neuen BMW Mini Elektro, der gerade auf den Markt gekommen ist. Hier ist von Wartezeiten bis April 2021 die Rede. Andere Modelle wie den Hyundai Kona, der etwa beim Schröder-Team in Bielefeld erhältlich ist, können Käufer Ende des Jahres in Betrieb nehmen. „Die langen Wartezeiten kommen nicht von ungefähr. Die Corona-Pandemie hat auch die Automobil-Branche sehr getroffen“, erläutert Marcel Finkeldei, der bei Schröder für das Thema Elektromobilität zuständig ist.

Warten bis Ende 2020

Das gleiche gilt für Europas meistverkauftes E-Auto Renault Zoe. Hier müssen Käufer auf ihr Wunschmodell ebenso bis Ende 2020 warten, sagt Tim Wehmeier, Verkaufsleiter bei Renault Bitter in Bielefeld. Der Stichtag 31. Dezember ist dabei wichtig: Bis zu diesem Tag können Käufer auch noch vom reduzierten Mehrwertsteuersatz – statt 19 Prozent sind es 16 Prozent – profitieren.

Auch beim Mercedes- und Smarthändler Beresa hätten sich die Absatzzahlen von E-Autos „extrem gut entwickelt“, sagt der für Smart zuständige Verkaufsleiter Jan Beilmann. Genaue Zahlen möchte er nicht nennen. Aber: „Es gab Wochen in der jüngeren Vergangenheit, in denen wir um die 100 Auftragseingänge verzeichnen konnten in einer Woche.“ Aktuell würden die Smart-EQ-Fahrzeuge am stärksten nachgefragt.

Doch nicht alle Modelle haben lange Lieferzeiten. So sei etwa ein BMW i3 „in acht bis zehn Wochen verfügbar“, sagt Florian Bauer vom BMW-Händler Becker-Tiemann. Auch dort freut man sich über einen „gesteigerten Umsatz.“

Von einem Boom bei E-Autos möchte Thomas Klemm vom Autohaus Thiel trotz der großen Nachfrage gleichwohl lieber nicht sprechen. Nach wie vor würden mehr Verbrenner als E-Fahrzeuge verkauft, betont er. „Der Anteil an vollelektrischen Fahrzeugen und Hybridmodellen liegt aktuell bei etwa 10 Prozent der in Summe verkauften Fahrzeuge. Anfang 2020 lag die Zahl eher im kleinen einstelligen Bereich.“

Großes Thema ist die Reichweite

Ein großes Thema ist bei den E-Auto-Interessenten die Reichweite. „Viele Kunden wünschen sich eine Reichweite von über 500 Kilometer, fahren aber nur 35 Kilometer am Tag“, sagt Tim Wehmeier. Florian Bauer von BMW meint: „Minimum sollten 250 Kilometer sein, gewünscht sind Reichweiten um 400 bis 500 Kilometer.“ Für Wehmeier ist die Reichweitendiskussion eher eine Kopfsache. „Viele Autofahrer nehmen für längere Stecken häufig die Bahn“, sagt er. „Und wer 35 Kilometer am Tag fährt und gerne mal spontan nach München fahren möchte, für den kann dann ein Plug-in-Hybrid die richtige Wahl sein.“

Tatsächlich seien Hybrid-Fahrzeuge ebenfalls gefragt – auch wenn hier die Förderung mit bis zu 6750 Euro geringer als für den reinen Stromer mit 9000 Euro ausfällt. Viele Autofahrer sind noch misstrauisch, was das Ladenetz angeht. Und wie geht es mit der Nachfrage weiter? Smart-Verkäufer Beilmann ist wie die meisten seiner Kollegen zuversichtlich: „In den jüngsten Gesprächen fällt besonders auf, dass unsere Kunden wirklich Lust auf das Thema Elektromobilität haben. Mittlerweile ist vielen Bürgern klar, dass Elektromobilität praktikabel und eine wirkliche Alternative ist.“

Bleibt die aus Verbrauchersicht wichtige Frage der Finanzierung: Kaufen oder Leasen? Einige Autoverkäufer raten zum Leasing. Ihr Argument: Man dürfe davon ausgehen, dass die Akku-Technologie in wenigen Jahren weitere Fortschritte gemacht hat – Stichwort höhere Reichweite, günstigere Preise. Bei einem Leasingvertrag könne man auf die neue Technik umsteigen, beim Kauf aber müsse man damit rechnen, dass das Auto im Wert mehr fällt als vielleicht angenommen. Und dass es in den nächsten Jahren von den meisten Herstellern weitere neue Elektroauto- und Hybridmodelle gibt, ist bekannt. Nachteil: Leasingnehmer müssen sich nach relativ kurzer Zeit erneut mit dem Thema Auto auseinandersetzen. Für Tim Wehmeier von Renault muss das kein Nachteil sein. „Besonders nach einer Probefahrt sind die Kunden vom Elektroauto begeistert.“

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