Robin Fermann ist der OB-Kandidat der „Bürgerbewegung für Zivilcourage“
„Brauchen einen Migrationsdezernenten“

Bielefeld (WB). Bei der Kommunalwahl 2014 kam seine Bürgerbewegung für Zivilcourage (BBZ) auf 0,51 Prozent der Stimmen. Robin Fermann selbst schaffte damals 0,63 Prozent bei der Oberbürgermeisterwahl. Entmutigt hat ihn das nicht. Fermann tritt wieder an und sagt: „Wir haben uns neu aufgestellt, machen weiter.“ Was treibt den Mann mit kurdischen Wurzeln an? Michael Schläger hat nachgefragt.

Montag, 31.08.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 15:46 Uhr
Robin Fermann (57) will es erneut versuchen und tritt für die Bürgerbewegung für Zivilcourage (BBZ) erneut als Oberbürgermeister-Kandidat an. Seine Wählergemeinschaft setze auf das friedliche Miteinander aller Menschen, sagt er. Foto: Thomas F. Starke

 

Eine Bürgerbewegung für Zivilcourage, die bei der Kommunalwahl antritt. Was muss man darunter verstehen?

Robin Fermann: Uns geht es nicht um irgendeine Ideologie. Wir haben nichts mit herkömmlichen Parteien zu tun. Die sorgen meist dafür, dass Menschen gegeneinander aufgehetzt werden. Unser oberstes Ziel ist, dass die Menschen in friedlicher Koexistenz miteinander leben. Niemand soll bevorzugt oder benachteiligt werden.

 

Das hört sich gut an. Ihnen wird in den sozialen Netzwerken aber auch vorgeworfen, ein Antisemit zu sein.

Fermann: Wenn ich sage, dass der Staat Israel Terror gegenüber den Palästinensern betreibt, ist das meine persönliche Meinung, dann bin ich deswegen aber kein Antisemit. Ich bin kein Sympathisant des Staates Israel.

 

Stimmt es, dass Sie 2017 einen selbstständigen Staat Nordrhein-Westfalen gründen wollten?

Fermann: Das stimmt. Aber damit habe ich nichts mehr zu tun.

 

Das klingt ein bisschen nach Reichsbürger.

Fermann: Davon distanziere ich mich ausdrücklich. Sie wollen mir etwas unterstellen.

 

Geht die Stadt richtig mit der Corona-Pandemie um?

Fermann: Die Corona-Virusgrippe gibt es natürlich. Die Maßnahmen finde ich aber übertrieben. Ich glaube, die Wirtschaft wird zurzeit durch einen großen Fehlalarm lahmgelegt.

 

Das klingt ein bisschen nach Corona-Leugner.

Fermann: Ich halte mich an die Regeln und hoffe erst einmal, dass die Kommunalwahl am 13. September nicht unter den Corona-Bedingungen leiden wird. Solche Begriffe wie Leugner, Antisemitismus, Verschwörungstheorie, Reichsbürger sind bewusst ausgewählt, um die kritischen Stimmen zu kriminalisieren und politisch zu eliminieren.

Die meisten der BBZ-Ratskaniddaten haben einen Migrationshintergrund. Sind Migranten Ihre Haupt-Zielgruppe?

Fermann: Nein, auf keinen Fall. Wir wollen alle Bielefelder ansprechen. Bielefeld hat rund 340.000 Einwohner, davon hat mehr als ein Drittel Migrationshintergrund. Aber im Rat der Stadt Bielefeld sind nicht mal eine Handvoll Leute mit Migrationshintergrund. vertreten. So kann man keine Integration umsetzen.

 

Wie wollen Sie das ändern?

Fermann: Es wäre gut, wenn es einen Dezernenten für Migration und Integration gäbe. Die Stelle müsste auch von einem Migranten oder einer Migrantin besetzt sein. Wir wollen auch einen unabhängigen Rat der Migranten ohne parteipolitische Abhängigkeit. Integration hat für uns Teil der Gesellschaft zu sein.

 

Sie fordern, dass alle kostenlos mit Bus und Bahn fahren sollen. Wer soll das bezahlen?

Fermann: Um den Autoverkehr zu entlasten, fordern wir die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs für die Öffentlichkeit. Das funktioniert anderswo bereits. In Luxemburg zum Beispiel. Nutzen mehr Bus und Bahn, kommt es zu Entlastungen an anderer Stelle. Die Stadt hat auch Beteiligungen wie die Stadtwerke, die zur Finanzierung eingesetzt werden können.

Im Namen Ihrer Wählergemeinschaft steckt das Wort Zivilcourage. Fehlt die in der Politik?

Fermann: Man muss mehr Zivilcourage zeigen. 2010 bin ich zum Beispiel zu Fuß nach Düsseldorf gegangen, um mich für den Erhalt von zehn Grundschulen in Bielefeld einzusetzen. Das hat am Ende auch geklappt. Zivilcourage fehlt deshalb in der Politik, weil die gewählten Politiker überwiegend Interessenvertreter sind.

 

Es hat geklappt, auch weil die Eltern Druck gemacht haben.

Fermann: Man muss aber manchmal einfach ein Zeichen setzen. Die Eltern haben meine Aktion aktiv unterstützt.

 

Die Kleinen können bei der Wahl am 13. September Zünglein an der Waage sein, wenn es um die Mehrheitsbildung im Rat geht. Mit wem würden Sie zusammenarbeiten?

Fermann: Ich bin keine Freund von SPD und Grünen. Wenn die CDU auf uns zukäme, würden wir mit ihnen reden. Grundsätzlich will ich aber niemanden kategorisieren. Unser großes Ziel ist erst einmal, im Rat vertreten zu sein.

 

Zur Person

Robin Fermann (57) wurde in Karayazi im kurdischen Teil der Türkei geboren. Seit 1983 lebt der Dolmetscher und Übersetzer in Bielefeld. 2009 wurde er Mitglied der Bezirksvertretung Dornberg, damals über die Liste der Partei »Die Linke«. Auf der Suche nach einer politischen Heimat war er auch bereits Mitglied in der SPD, bei den Piraten und der Alternative für Deutschland. Im September 2013 gründete er die Bürgerbewegung für Zivilcourage (BBZ).

Ernährung und Gesundheit nennt er als eigene politische Schwerpunkte. „Das Gebot der Bürgerbewegung für Zivilcourage ist Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Transparenz, Gerechtigkeit und gerechte Umverteilung“, hat er die wichtigsten Ziele seiner Wählergemeinschaft zusammengefasst.

 

Bisher erschienen

Zwölf Frauen und Männer stellen sich am 13. September zur Wahl für das Oberbürgermeister-Amt. Welche Ziele verfolgen sie, und warum halten sie sich geeignet für den städtischen Spitzen-Posten? Das WESTFALEN-BLATT stellt alle im Interview vor.

Folge 1: Rainer Ludwig (BfB)

Folge 2: Gordana Rammert (Bürgernähe/Piraten)

Folge 3: Kerstin Haarmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Folge 4: Florian Sander (AfD)

Folge 5: Lena Oberbäumer (Die Partei)

Folge 6: Jan Maik Schlifter (FDP)

Folge 7: Onur Ocak (Die Linke)

 

 

 

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