Bielefeld: Ein Mann (48) steht vor Gericht, weil er seine Geliebte erstochen haben soll
Eine tödliche Affäre

Bielefeld (WB). Aus Liebe wurde maßlose Eifersucht und männliches Herrschaftsdenken, es folgten Gewaltexzesse und Morddrohungen – und am Ende lag eine Frau (49) erstochen hinter der Bielefelder Müllverbrennungsanlage (MVA) im Gebüsch. Die Mutter eines 18-jährigen Sohnes war nach elf Stichen in den Oberkörper verblutet.

Mittwoch, 12.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 05:04 Uhr
Der Angeklagte schweigt zum Vorwurf, an dieser Brücke seine Geliebte ermordet zu haben. Foto: Pierel

Der von den Kapverden vor Afrika stammende Bielefelder (48), der die Deutsche am 11. Februar an der wenig befahrenen Wiesenstraße zwischen den Stadtteilen Baumheide und Milse umgebracht und die Leiche in ein Wäldchen gezerrt haben soll , war der Geliebte der 49-Jährigen. Der Mann steht seit Dienstag wegen Mordes an der verheirateten Geschäftsfrau vor dem Landgericht Bielefeld und schweigt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der arbeitslose, ebenfalls verheiratete Baggerfahrer zum Täter wurde, weil die Handelsfachwirtin die Beziehung beendet und nicht mehr den von Eifersucht geprägten Forderungen des herrschsüchtigen Geliebten gehorcht haben soll.

Strafanzeige der Frau gegen ihren Geliebten

Ein weiteres, vielleicht noch stärkeres Mordmotiv könnte eine Strafanzeige der Frau gegen ihren Geliebten gewesen sein. Acht Tage nach der Bluttat sollte dem 48-Jährigen der Prozess vor dem Amtsgericht Bielefeld gemacht werden. Der Mann soll seine Geliebte mehrfach gewürgt, verprügelt und sie und ihre engsten Angehörigen mit dem Tod bedroht haben soll. Bevor sie sterben musste, soll sich die Bielefelderin geweigert haben, ihre Aussage zurückzunehmen und die Affäre mit dem Bielefelder fortzusetzen, sagt die Staatsanwaltschaft.

Zum Prozessauftakt am Dienstag verlas eine Richterin die Aussage, die die 49-Jährige fast auf den Tag genau vor einem Jahr bei der Polizei gegen ihren Geliebten gemacht hatte. „Ich habe mich blind in eine Affäre gestürzt. Ich bin den Mann nicht losgeworden. Er hat rausgefunden, wo ich wohne, wo ich arbeite. Der ist wirklich besessen“, sagte die Frau und sprach von Todesdrohungen.

In einem Fitnessstudio kennengelernt

Sie hatte den 48-Jährigen im September 2018 in einem Bielefelder Fitnessstudio kennengelernt, einen Monat später begann die Affäre. „Ich wusste nicht, wie ich da rauskommen soll, ohne meinen Partner und meinen Sohn zu verletzten“, sagte die 49-Jährige. Sie sei von dem Mann bis zum körperlichen Zusammenbruch in die Enge getrieben worden. Der Mann habe sie an einer Bushaltestelle gewürgt, bei anderer Gelegenheit im Auto eingesperrt und in den Schwitzkasten genommen, bei einem Treffen auf einem einsamen Bielefelder Parkplatz verprügelt und fast erwürgt. Wenn sie seinen Anweisungen nicht gehorcht habe, „wusste ich, am nächsten Tag, da gibt’s wieder.“

Der Verteidiger des mordverdächtigen Bielefelders erklärte, dass sein Mandant an einem der folgenden Prozesstage eine Erklärung abgeben werde. Die Mordanklage sei falsch, sagte der Anwalt. Die Frau habe nicht vorgehabt, sich von dem Mann zu trennen.

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