Bielefelder OB-Kandidaten sollen zu Laurentiusheim-Plänen Stellung beziehen
Debatte im Gellershagenpark

Bielefeld (WB). Die Bürgerinitiative „Unser Gellershagenpark“ hat den Kampf gegen den geplanten Ersatzneubau des Laurentius-Altenheims auf der Parkfläche an der Weihestraße noch nicht aufgegeben. Bezirksvertretung Schildesche und Stadtentwicklungsausschuss hatten in einem Aufstellungsbeschluss dem Neubau auf einem 2400 Quadratmeter großen Areal des Gellershagenparks grundsätzlich zugestimmt. Unterstützung erhoffte sich die Initiative jetzt von den Oberbürgermeister-Kandidaten.

Samstag, 08.08.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 05:20 Uhr
Anlieger und Politiker im Gespräch über den geplanten Neubau des Laurentius-Altenheims im Gellershagenpark: Udo Stelzner (von links), Jürgen Siemering, Detlev Mantei-Liebold und Andrea Lankeit mit weiteren Mitgliedern der Bürgerinitiative “Unser Gellershagenpark” sowie (von rechts) Michael Weber (CDU), Bernd Vollmer und Inge Bernert von den Linken. Foto: Peter Bollig

Die Initiative sieht sich gestärkt durch inzwischen gut 1000 Bürger, die sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Parkfläche einsetzen. Nun will sich die Bürgerinitiative den Kommunalwahlkampf zunutze machen, hat die OB-Kandidaten zumindest der in der Bezirksvertretung Schildesche vertretenen Parteien aufgefordert Stellung zu beziehen, wie sie zu dem Vorhaben im Gellershagenpark stehen – und in einem Fragenkatalog Druck aufgebaut: Denn Klimaschutz sei wohl allen Parteien in ihren Programmen wichtig, gleichzeitig sollten dem Altenheim 35 Bäume geopfert werden, 23 weitere, auch sehr alte, seien gefährdet, eine Kaltluftschneise werde zugebaut. „Ein Widerspruch“, sagt die Initiative, zu dem sich die Politiker nun äußern sollten – auch im direkten Gespräch, zu dem sie am Freitag in den Park eingeladen waren.

Verständnis für Anlieger

Die angeschriebenen OB-Kandidaten von SPD, Grünen, CDU, FDP und Linke blieben fern. Bis auf die FDP äußerten sie sich aber schriftlich bis zum Gesprächstermin. Zumindest Linken-Kandidat Dr. Onur Ocak ließ sich vor Ort durch Bernd Vollmer vertreten, der bei den Anliegern leichtes Spiel hatte: „Wir halten das Projekt nicht für genehmigungsfähig“, unter anderem aufgrund der befürchteten Einflüsse auf die Kaltluftschneise. Das widerspreche dem Klimaanpassungsprogramm der Stadt.

Auch Ralf Nettelstroth, OB-Kandidat der CDU, ließ sich vertreten: Michael Weber, stellvertretender Fraktionschef der CDU im Rat und Mitglied der Bezirksvertretung Schildesche, verteidigte die mit breiter Mehrheit gefällte Entscheidung der Bezirksvertretung und des Stadtentwicklungsausschusses, die Altenheimplanung im Park voranzutreiben – gegen den Protest der Initiative. „Wir haben Verständnis für die Anliegen der Anwohner“, sagte Weber. Er wehrte sich aber gegen den Vorwurf, dass Bedenken etwa in puncto Umweltschutz gar nicht diskutiert, Alternativflächen gar nicht erst in Betracht gezogen worden seien. „Die Entscheidung war nicht spontan, sondern nach langer Debatte abgewogen.“ Letztlich gehe es darum, Altenheimplätze im Quartier zu erhalten.

Schwierige Abwägung

Per E-Mail betonte SPD-Kandidat Pit Clausen, dass das Klimaanpassungskonzept hohe Bedeutung habe als Leitlinie für künftige Planungen. „Gleichwohl treten im Rahmen der Stadtentwicklung immer wieder Zielkonflikte auf, die im Einzelfall abgewogen und bestmöglich gelöst werden müssen. Um einen solchen schwierigen Abwägungsfall handelt es sich hier“, so Clausen.

Auch Kerstin Haarmann, Kandidatin der Grünen, bedauerte diesen Konflikt. Das Altenheim sei aber unverzichtbar, Planungsalternativen seien nach gescheiterten Versuchen nicht in Sicht.

Wie berichtet, soll im Park gegenüber der Christkönig-Kirche ein Altenheim mit 80 Plätzen entstehen. Es soll das nahe gelegene katholische Laurentiusheim ersetzen, das den gesetzlichen Vorschriften für Alten- und Pflegeheime nicht mehr entspricht. Die Bürgerinitiative plädiert für einen Abriss und Neubau auf dem gegenüberliegenden Grundstück an der Weihestraße, auf dem die Christkönig-Kirche sowie das Gemeindehaus stehen . Diese Lösung hatte der Kirchenvorstand allerdings abgelehnt.

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