Zum Schutz Unbeteiligter: Bielefelder Kreditinstitut reagiert auf Geldautomaten-Sprengung
Sparkasse: Weitere Filialen nachts geschlossen

Bielefeld (WB/hz). Nach der Sprengung eines Bankautomaten in Bielefeld-Milse und einer Warnmeldung des Landeskriminalamtes NRW wird die Sparkasse Bielefeld in den Nachtstunden weitere Selbstbedienungsfoyers (SB-Foyers) schließen. Das geschieht zum Schutz von Menschen, sagt die Sparkasse. Die Täter, die bislang die Automaten meist mit Gas in die Luft jagten, setzen jetzt auch Sprengstoff ein.

Donnerstag, 06.08.2020, 14:10 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 14:14 Uhr
Am frühen Morgen des 27. Juli wurde in der Sparkassenfiliale Milse an der Elverdisser Straße ein Geldautomat gesprengt. Die Täter flüchteten unerkannt mit Beute. Foto: Christian Müller

Sparkassensprecher Christoph Kaleschke: „Im Juni erreichte uns eine dringende Warnmeldung des Landeskriminalamtes NRW. Danach nimmt die Brutalität bei Geldautomatensprengungen immer mehr zu. Sprengten die Täter die Automaten bislang meist unter Einsatz von Gas, setzten sie nun zunehmend andere Sprengmethoden ein. Schaden an Leib und Leben Dritter nehmen sie dabei bewusst in Kauf.“

Aus diesem Grund hatte die Volksbank Bielefeld-Gütersloh bereits Anfang dieser Woche angekündigt , die Selbstbedienungszonen in Ummeln, Jöllenbeck, Schildesche und an der Stapenhorststraße zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens zu schließen.

Die Sparkasse hatte schon im Juni über Nacht die Selbstbedienungsfoyers mit Geldautomaten und Selbstbedienungsterminals an 15 Filialstandorten geschlossen, an denen Menschen „Wand an Wand“ zu den Foyers leben.

„Nach der Sprengung eines Geldautomaten an unserer Filiale Milse Ende Juli haben wir die Situation an unseren Filialen noch einmal überprüft und neu bewertet“, so Sparkassensprecher Christoph Kaleschke. „Im Ergebnis haben wir uns entschieden, die im Juni beschlossene Maßnahme auf solche Filialstandorte auszuweiten, in denen die Wohnungen von Menschen zwar nicht unmittelbar an die SB-Foyers angrenzen, wo aber die Bebauungssituation so ist, dass eine Gefährdung von Bewohnerinnen und Bewohnern im Fall einer Geldautomatensprengung nicht ausgeschlossen werden kann.“

Von diesem Freitag an sind daher an folgenden 13 Sparkassen-Filialen die Selbstbedienungsfoyers zwischen 23 und 6 Uhr geschlossen: Beratungszentrum Jöllenbeck, Jöllenbecker Straße 574; Filiale Brake, Braker Straße 33; Teilzeit-Filiale (TZ-Filiale) Ummeln. Umlostraße 6; Filiale An der Reegt, An der Reegt 10; Filiale Sudbrack, Lange Straße 2; SB-Filiale Hoberge-Uerentrup, Dornberger Straße 245; TZ-Filiale Milse, Elverdisser Straße 42-44; SB-Filiale Hirschweg, Hirschweg 98; SB-Filiale Theesen, Theeser Heide 2; Beratungszentrum Brackwede, Hauptstraße 102-108 (die an der Hauptstraße gelegenen zwei Außen-Geldautomaten bleiben zugänglich); TZ-Filiale Brackwede-Brock, Gütersloher Straße 166; Filiale Heeper Straße, Heeper Straße 168; Filiale Obernstraße, Obernstraße 36.

„Über den Filialfinder auf der Homepage der Sparkasse kann man sich jederzeit über die Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten zu den Selbstbedienungsfoyers unserer Filialen informieren“, erläutert Kaleschke.

„Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen hat 2020 wieder zugenommen. Mit Stand 6. August sind in NRW 127 Automaten gesprengt worden. So viele hatten wir das ganze vergangene Jahr nicht“, sagt Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) NRW.

Er bestätigt, dass die Täter inzwischen Sprengstoff einsetzen, um an Bargeld aus den Automaten zu kommen. „Das ist deutlich gefährlicher als Gas“, sagt der LKA-Sprecher. Bei mehreren Automatensprengungen seien Unbeteiligte bereits verletzt worden. Welche Art Sprengstoff die Täter verwenden, will Scheulen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Mit dem Einsatz neuer Explosivstoffe reagieren die Kriminellen offenbar auf verschärfte Sicherheitsvorkehrungen der Kreditinstitute. „Jeder Generation Geldautomaten wird besser“, sagt Sparkassensprecher Kaleschke.

So gibt es inzwischen Geräte mit einer Art Zwangsentlüftung. „Eingeleitetes Gas wird wieder rausgeblasen“, erklärt LKA-Sprecher Scheulen. Kreditinstitute setzten zudem in SB-Foyers auf Vernebelungsmaschinen, die den Tätern in einem geschlossenen Raum binnen weniger Sekunden die Sicht nehmen.

Bei Geldautomaten, die außen an Gebäuden angebracht sind, funktioniert das natürlich nicht. „Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, Automaten sicherer zu machen“, sagen die beiden Sprecher. Weitere Details wollen Kaleschke und Scheulen aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Das LKA verrät nur so viel: Die aus dem Krimi bekannte Farbbombe in der Beute, die das Bargeld unbrauchbar machen soll, gehöre nicht zu den bevorzugten Tipps. „Da gibt es bessere Mittel“, sagt Scheulen.

 

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