380 Arten in NRW – Experten unterscheiden Nutz- und Wildtiere
Welche Bienen vom Aussterben bedroht sind

Düsseldorf (WB). Das Wort Bienensterben ist seit einigen Jahren immer wieder zu hören. Viele glauben allerdings, dass damit alle Bienen gemeint sind, dem ist jedoch nicht so. Zwei Insektenexperten geben Antworten.

Donnerstag, 06.08.2020, 04:48 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 11:20 Uhr
Eine Wildbiene sucht nach Nektar auf einer Blüte einer Magerwiesen-Margerite. Foto: dpa

Das mit den Bienchen und den Blümchen ist am Ende doch gar nicht so einfach. Jedenfalls dann nicht, wenn man es wirklich auf Flora und Fauna bezieht. Es beginnt schon damit, dass es die eine Bienenart gar nicht gibt. „In der Umgangssprache ist da einiges durcheinander gekommen“, erklärt Werner Schulze von der Arbeitsgruppe westfälischer Entomologen. „Wenn wir von der Biene reden, ist immer die Honigbiene gemeint. Reden wir von den Bienen, sprechen wir von Wildbienen“, sagt der Experte. Im Alltag würden diese Begriffe leicht durcheinander geworfen. Tatsächlich könnten die Unterschiede zwischen den beiden aber nicht größer sein.

Wildbienen leben im Boden

Rund 580 Bienenarten gibt es in Deutschland, bis zu 380 davon kommen auch in NRW vor. Eine Art davon ist die Honigbiene. „Die ist jedoch keineswegs eine Wildbiene, sondern ein reines Nutztier“, sagt Olaf Diestelhorst vom Nabu Düsseldorf. „Sie ist quasi die Kuh unter den Bienen, weil ihr Zustand vollständig von der Pflege der Imker abhängt.“ Die Honigbiene kommt nur in den riesigen Bienenstöcken der Imker vor. Einer davon kann bis zu 50.000 Tiere beherbergen. Die meisten Wildbienen leben dagegen allein „und sie bauen ihre Nester in den Boden“, sagt Entomologe Schulze.

Der wichtigste Unterschied besteht jedoch in der Gefährdung der Arten: Obwohl die Honigbiene nur eine von 580 Arten ist, steht sie auf keiner Roten Liste. Sie ist nicht geschützt. Von den restlichen rund 579 Wildbienenarten dagegen steht rund die Hälfte auf der Roten Liste. „Die letzte wurde allerdings 2009 gemacht“, sagt Nabu-Mann Diestelhorst. „Es ist also davon auszugehen, dass heute deutlich mehr geschützt werden müssten.“

Insgesamt nimmt die Zahl der Honigbienenvölker deshalb sogar zu, „was auch daran liegt, dass es inzwischen sehr viele weibliche Imkerinnen in den Großstädten gibt“, sagt Schulze. „Es ergibt ja auch Sinn, dort Bienen zu halten. In den Städten gibt es viel weniger Pestizide als auf dem Land.“

In Konkurrenz stehen Honig- und Wildbiene nur selten. „Außer ein Honigbienenvolk wird an ein Naturschutzgebiet gestellt, dann kann das Probleme geben“, sagt Diestelhorst. Während die Honigbiene bei den Blüten eher weniger wählerisch ist, fallen Wildbienen unter die Feinschmecker. „Sie gehen meist nur auf ein oder zwei Blüten“, sagt Schulze. „Steht ein Honigbienenstock also an einem Naturschutzgebiet, kann es sein, dass er mit seinem riesigen Volk zum Beispiel die Hummel verdrängt, weil sich alle Tiere auf die gleichen Blüten setzen wollen – die Honigbiene aber in der Überzahl ist.“

Weniger Bienen, aber mehr Arten

Diese Spezialisierung der Wildbienen bedeutet auch, dass sie verschwinden, wenn ihre Blüten verschwinden. Genau das passiert inzwischen immer häufiger. Gründe sind der Klimawandel, aber auch Parkplätze und Steingärten, für die Blumenwiesen weichen müssen. Der hohe Einsatz von Nitrat in der Landwirtschaft vertreibt die Wildbienen zusätzlich. „Außerdem gibt es auch auf dem Land immer mehr dunkelgrüne Flächen, aber immer seltener Blumenwiesen“, sagt Schulze.

Beide Experten hoffen darauf, dass bald auch von Privatleuten mehr für die Wildbienen getan wird. „Das geht im heimischen Garten“, sagt Diestelhorst. Von 150 Bienenarten, die durch Düsseldorf schwirren, würden sich immerhin zehn in einem Bienenhotel niederlassen. Auch Sonnenblumen, Margerite, Klee oder Glockenblumen im Garten ziehen Wildbienen an. „Mulchen sollte man dagegen nicht, das verschließt den Boden und verhindert, dass die Tiere nisten können.“

Wer bis hierhin gekommen ist, muss eigentlich nur noch eine Sache über Bienchen und Blümchen verstehen: „Die Anzahl der einzelnen Bienen nimmt ab, aber die der Bienenarten nimmt zu“, sagt Schulze. „Das liegt daran, dass wir durch den Klimawandel immer wärmere Wetterbedingungen haben und sich deshalb auch immer mehr mediterrane Insekten in unseren Breitengraden niederlassen.“

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