Hans-Joachim Nolting, Leiter des Bielefelder Ratsgymnasiums, zur neuen Verordnung
„Besser mit Maske als gar keine Schule“

Bielefeld (WB). Mit Ende der Sommerferien müssen zum Unterrichtsbeginn am Mittwoch, 12. August, knapp 56.000 Bielefelder Schüler/innen eine Maske tragen. Als erstes Bundesland hat NRW die Maskenpflicht an Schulen eingeführt. Seitdem diskutieren Eltern, Lehrer und Schüler über die Maßnahme, die den Anstieg der Infektionszahlen verhindern soll. Was bedeutet die Maskenpflicht für das Ratsgymnasium mit seinen 800 Schülern? Ein Interview mit dem Schulleiter Hans-Joachim Nolting.

Mittwoch, 05.08.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 08:28 Uhr
An den weiterführenden Schulen muss nach den Ferien auch während des Unterrichts eine Maske getragen werden. Foto: dpa

 

Wie haben Sie auf die Maskenpflicht reagiert und was halten Sie davon?

Hans-Joachim Nolting: Angesichts der Gesamtsituation mit derzeit wieder steigenden Infektionszahlen bin ich letztlich nicht überrascht. Die Maßnahme ist ja durchaus sinnvoll. Sie zielt darauf, dass wir mit Blick auf die Entwicklungen durch Urlaubsrückkehrer und damit verbunden möglicherweise steigender Coronazahlen an den Schulen die Risiken minimieren. Aber natürlich stellt die Maskenpflicht eine Belastung dar und ist mit neuen Herausforderungen verbunden.

Bis zum 31. August werden die Gesundheitsämter das Infektionsgeschehen beobachten. Und wenn die Coronazahlen nicht steigen, könnte die Maskenpflicht aufgehoben werden.

Nolting: Ja, genau, das erhoffe ich mir. Ende August sind die aus der Reisezeit folgenden Risiken genauer einschätzbar und die Risikofaktoren insgesamt nehmen hoffentlich ab. Dann kann die Maskenpflicht möglicherweise mindestens gelockert werden. Aber so weit sind wir noch nicht.

Sie wirken recht entspannt angesichts der strengen Maßnahme. Anders als an Grundschulen müssen die Masken an den weiterführenden Schulen auch während des Unterrichts getragen werden – auch bei Temperaturen von 30 Grad in zum Teil nicht klimatisierten Räumen. Sind Ihre Lehrer auch so entspannt?

Nolting: Wir werden im Kollegium in Kürze über die Maskenpflicht diskutieren. Somit habe ich derzeit noch kein vollständiges Stimmungsbild. Sicherlich gibt es vereinzelt auch kritische Rückmeldungen. Aber Gesundheitsvorsorge und Risikominimierung stehen an erster Stelle.

Was sagen Sie den Kritikern?

Nolting: Der Wert von Schule allgemein, das soziale Miteinander und nicht zuletzt die Bildung ist ein hohes Gut, das es lange Zeit im Lockdown nur mit erheblichen Einschränkungen gab. Im Frühjahr waren Schulen geschlossen. Jetzt kehren wir in den Regelbetrieb zurück. Das heißt aber nicht, dass alles so wird wie vor der Pandemie. Besondere Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen, Abstandsregeln und eben auch die Maskenpflicht werden uns noch lange begleiten, denn die Pandemie ist noch nicht überstanden.

Sie sagen also: Lieber eine Maske tragen und Unterricht ermöglichen, statt Schulen weiterhin geschlossen zu lassen?

Nolting: Genau, das wäre ja sonst möglicherweise die Alternative. Somit ist die Maskenpflicht das kleinere Übel. Keine zu tragen, obwohl die Infektionszahlen steigen, wäre verantwortungslos. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen. Und da wir derzeit noch nicht genau wissen, wie die Zahlen sich verändern werden, halte ich die Maskenpflicht für eine richtige Maßnahme. Jetzt müssen wir das Beste daraus machen.

 

Derzeit gibt es in Bielefeld 26 Reiserückkehrer, die in Risikogebieten waren und positiv getestet wurden.

Nolting: Das sind die offiziellen Zahlen nach bestätigten Labortests. Wir kennen aber auch die Bilder von zum Teil überfüllten Stränden. Wir haben die Fotos bei den Demonstrationen in Berlin gesehen. Das zeigt uns, dass die Menschen zum Teil unvorsichtiger geworden sind und wir weiter extrem aufpassen müssen. Auch und insbesondere an Schulen. Denn keiner möchte, dass eine Schule aufgrund eines Coronafalls schnell wieder geschlossen werden muss. Es ist das Ziel, dieses Szenario so gut es geht zu verhindern.

 

Was ist mit der Akustik, wenn alle eine Maske tragen? Da verstehen ja die Schüler ihre Lehrer nicht mehr und umgekehrt.

Nolting: Das werden wir schon hinbekommen. Es wird nicht daran scheitern, dass wir die richtige Aussprache des „the“ im Englischen durch die Maske nicht richtig hören können. Wir werden uns gegenseitig verstehen. Wenn es auf die korrekte Aussprache des „the“ geht, ist es möglich, die Maske vor dem Mund kurz abzunehmen.

 

Wie läuft die Vorbereitung auf die Maskenpflicht am Ratsgymnasium ganz praktisch ab?

Nolting: Wir fangen ja nicht bei Null an. Maskenpflicht auf Wegen im Schulgebäude oder in Situationen, bei denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, kennen die Schüler bereits aus den Phasen des Präsenzunterrichts. Über die Maskenpflicht hinaus achten wir darauf, dass in den Klassenräumen ständig gut gelüftet ist. Wir haben den Vorteil, dass wir die Fenster komplett öffnen können, nicht nur auf Kipp. Wir besprechen Laufwege im Schulgebäude, wir achten auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen. Und wir sorgen dafür, dass die Schüler mit ihren Lehrern in Gruppen möglichst lange zusammen bleiben und es zu möglichst wenig Begegnungen zwischen Schülern verschiedener Klassen kommt. Wir haben deshalb den Stundenplan durchgängig mit Doppelstunden organisiert und die Lehrer bleiben auch in der kleinen Zwischenpause in der jeweiligen Klasse.

 

Was passiert mit Schülern, die die Maske nicht tragen?

Nolting: Wir setzen auf die Vernunft aller. Wir achten auf das Tragen der Maske, und wir werden das auch kontrollieren. Jeder ist verpflichtet, eine Maske mitzubringen und diese auch zu tragen.

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