IHK Ostwestfalen hofft „auf einen Nachholeffekt“
Zahl der Ausbildungsverhältnisse liegt 15 Prozent unter dem Vorjahr

Bielefeld (WB). Das Ausbildungsjahr 2020, das für die meisten Jugendlichen üblicherweise Anfang August startet, wurde durch die Corona-Krise ausgebremst. „Betriebe und Schulabgänger hatten es wegen der Pandemiebeschränkungen schwer, zueinander zu finden“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, Thomas Niehoff (63). „Uns fehlen vier Wochen“, stellt Petra Pigerl-Radtke (54), Niehoffs designierte Nachfolgerin auf das Spitzenamt der Kammer, fest.

Mittwoch, 05.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 05:03 Uhr
Sie wollen die Zahl der Ausbildungsverträge erhöhen: Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, und seine designierte Nachfolgerin Petra Pigerl-Radtke. Diesen Mittwoch startet die Kammer mit der Ausbildungstour bei heimischen Firmen. Foto: Fels

Zum 31. Juli verzeichnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen einen Rückgang der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse von 15,5 Prozent (NRW: minus 19,6 Prozent). „Das ist ein herber Rückgang und eine schlechte Nachricht“, sagt Niehoff. Wegen der Corona-Beschränkungen sei manche Bewerbung auf den Schreibtischen liegen geblieben. Niehoff: „Wir vermuten, dass sich mancher Jugendlicher in dieser Zeit der Unsicherheit lieber für ein Studium oder eine vollzeitschulische Ausbildung entschieden hat, um auf Nummer sicher zu gehen.“

„Die Zahl der Nachzügler wird deutlich größer sein“

In Zahlen heißt das: Ende Juli waren 5454 Ausbildungsverhältnisse, die in den Zuständigkeitsbereich der IHK fallen, neu eingetragen. Vor einem Jahr um diese Zeit waren es allerdings bereits gut 1000 mehr, nämlich 6461 neue Azubi-Verträge. Damit hatten rund 80 Prozent der potenziellen Auszubildenden einen Vertrag in der Tasche. Nachzügler hat es der Kammer zufolge auch in den Vorjahren gegeben. So waren etwa Ende 2019 genau 7717 Ausbildungsverhältnisse eingetragen – also nochmals rund 1300 mehr als zum 1. August.

Ob diese Zahl – 7717 – auch im Corona-Jahr erreicht wird, vermag die Kammer nicht zu sagen. Aber es dürfte in den nächsten Wochen und Monaten noch eine ganze Reihe weiterer Abschlüsse geben. „Die Zahl der Nachzügler wird deutlich größer sein“, ist Niehoff sicher. Dabei gebe es eine gute Nachricht, wie er betont: „Bis in den Winter hinein kann zum 1. oder 15. eines jeden Monats der Start ins Berufsleben noch erfolgen. Wir danken den Berufskollegs für diese flexible Handhabung im neuen Ausbildungsjahr.“

Zug ist noch nicht abgefahren

Für die noch „unversorgten“ Jugendlichen sei also der „Zug noch nicht abgefahren“, sagt Niehoff. Auch werde der Arbeitskräftebedarf trotz gestiegener Arbeitslosenzahlen bald wieder ansteigen. „Wir gehen aufgrund des Fachkräftemangels vor Corona davon aus, dass nach der Pandemie gut dual ausgebildete Fachkräfte wieder händeringend gesucht werden.“ Petra Pigerl-Radtke zufolge fehlen in Ostwestfalen bis zum Jahr 2030 rund 81.000 Fachkräfte.

Die beiden Kammer-Spitzen „hoffen für die kommenden Wochen auf einen spürbaren Nachholeffekt“. Beide rechnen damit, dass sich die derzeit eher negativen Abschlusszahlen noch etwas positiver gestalten werden. „Dazu mögen auch die von der Bundesregierung vorgesehenen Ausbildungsprämien für ein hohes Ausbildungsengagement einen Beitrag leisten“, sagt Niehoff.

Pigerl-Radtke weist mit Blick auf die derzeit noch wenigen Ausbildungsverhältnisse darauf hin, dass 2020 die Zahl der Schulabgänger um drei Prozent zurückgegangen ist. Rechnerisch gebe es aber für jeden Suchenden eine freie Stelle in einem Betrieb. „Es ist aber schwierig, die beiden zusammenzubringen.“

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