Kinderärzte kritisieren Corona-Regelung von Spahn als Überforderung
Tests für Urlauber „komplett sinnlos“

Bielefeld (WB). Corona-Tests für alle Urlaubsrückkehrer auf freiwilliger Basis hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt. „Komplett sinnlos und eine Überforderung der Strukturen – sowohl der Arztpraxen als auch der Labore“, sagt Dr. Marcus Heidemann. „Das sprengt jeden Rahmen.“

Mittwoch, 05.08.2020, 05:00 Uhr
Die Bielefelder Kinderärzte halten die Coronatests für alle Urlaubsrückkehrer sinnlos, wollen sich daran nicht beteiligen. Foto: dpa

„Unausgereift“

Der Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte und Landesverbandsvorsitzende Westfalen-Lippe des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte erteilt dieser Idee eine deutliche Absage. Mehr noch: Heidemann und Christiane Thiele, Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein, empfehlen ihren Kollegen, sich nicht an dem „derzeit völlig unausgereiften Test-Versprechen des Ministers zu beteiligen“.

Jeder Test, so Heidemann, bedeute eine weitere zeitliche Belastung der Praxen, zudem einen erhöhten Hygiene- und Materialbedarf. Von dem erhöhten Infektionsrisiko gar nicht zu reden.

Vor allem aber, kritisiert Heidemann, sei dieser Test völlig sinnlos: „Teste ich zu früh, ist ein Infizierter womöglich noch gar nicht auffällig. Erfolgt der Test zu spät, ist er es nicht mehr. Die Inkubationszeit beträgt nun einmal zwei bis 14 Tage.“ Ein einmaliger Test innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr von einer Reise schließe schlicht weder eine Infektion noch eine Ansteckungsfähigkeit aus.

„Eine Zumutung“

Kritik üben die Kinderärzte auch daran, dass Spahn den Beschluss Freitag verkündete, er aber ab Samstag gelten sollte – zudem die Vergütung recht gering sei. „Wir hatten in Nordrhein-Westfalen zuvor eine Regelung, die umsetzbar war und nur die Menschen umfasste, die aus Risikoländern zurückkamen“, sagt Heidemann. Als Beispiel nennt er eine Mutter, die mit ihren drei Kindern aus der Türkei zurückgekehrt war: „Da habe ich natürlich Abstriche entnommen – und zwar gleich vier.“ Das machte es überflüssig, dass die Mutter auch noch die Praxis ihres Hausarztes aufsuchen musste.

Heidemann erwartet, dass viele Kinder-, aber auch Hausärzte die Corona-Tests für alle Rückkehrer verweigern, weil diese „schlicht und ergreifend eine Zumutung“ seien, verbunden mit Dokumentations- und Abrechnungsvorschriften. Den Ärzten solle eine Aufgabe der Gesundheitsämter aufgebürdet werden, kritisiert er und fordert bei künftigen Regelungen eine Mitsprache der niedergelassenen Mediziner, eine Abstimmung der Abstrichstrategie und deren Anpassung an Praxisabläufe.

Kommentare

Martin  wrote: 05.08.2020 20:22
Sorry... aber auf Deutsch übersetzt heisst das für mich... "da verdienen wir zu wenig Geld dran und deshalb haben wir keinen Bock uns an diese Vorgaben zu halten die die Regierung hier vorgibt und schicken die Patienten die einen Test wünschen halt einfach nach Hause". Wieso nur erinnert mich das ganze ein bisschen an eine kürzliche und recht kontrovers diskutierte Demonstration in Berlin? ;)
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