Bielefelder Rentnerin übergibt falschen Polizisten Gold, Silber und Sparbücher
Mehr als eine Million Euro Beute

Bielefeld (WB/hz). Sie wähnte sich in Lebensgefahr und übergab an Kriminelle ihr Vermögen von mehr als einer Million Euro: zwei falsche Polizistinnen (29/31) haben eine 80-jährige Rentnerin in Bielefeld um ihr Gold, Silber und ihre Sparbücher erleichtert. Zuvor hatten vermutlich von einem türkischen Callcenter aus agierende Komplizen der falschen Polizistinnen dem Opfer am Telefon vorgelogen, eine rumänische Einbrecherbande wolle sie umbringen.

Mittwoch, 05.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 05:05 Uhr
Symbolbild Foto: dpa/Martin Gerten

„Keiler“ nennen die Ermittler von Kripo und Staatsanwaltschaft diese Schockanrufer. „Es wird ein Druckszenario aufgebaut“, sagte Phil Gabler, Sprecher des Landgerichtes Bielefeld. Das Landgericht wird von Ende August an gegen die Betrügerinnen, die die Millionenbeute abholten, verhandeln. Bereits vergangenes Jahr waren in Bielefeld und Hannover falsche Polizisten verurteilt worden.

Der Anklage zufolge versetzten die Schockanrufer am 13. Mai vergangenen Jahres die Bielefelder Rentnerin in Angst und Schrecken. Bei der 80-Jährigen klingelte eine Viertelstunde vor Mitternacht das Telefon. Am Hörer waren angebliche Polizisten, die der betagten Frau fast eine Stunde lang ein Schauermärchen der allerübelsten Sorte auftischten.

So seien um ihr Haus bereits Zivilfahnder im Einsatz, weil es in der Nachbarschaft einen Einbruch mit Verletzten gegeben habe, behaupteten die „Keiler“. Die rumänischen Täter wollten die Seniorin umbringen, sie müsse sich und ihre Wertsachen sofort in Sicherheit bringen. Dabei soll dem geschockten Opfer ein vermeintlicher Telefonmitschnitt von den Einbrechern vorgespielt worden sein. „In gebrochenem Deutsch ist zu hören, dass die Rentnerin “kaltgemacht” werden soll“, sagt Gerichtssprecher Gabler.

Die Schockanrufer versprachen der 80-Jährigen, dass Polizisten sie und ihre Wertsachen in Sicherheit bringen würden. Zum gegenseitigen Erkennen wurde ein Codewort vereinbart. Als die beiden falschen Polizistinnen, denen jetzt der Prozess gemacht wird, bei der Bielefelder Rentnerin auftauchten, nahmen sie nur die Wertsachen für 1,039 Millionen Euro mit. Das angebliche Opfer ließen sie dagegen zurück.

Die um ihr Vermögen gebrachte Seniorin wurde misstrauisch und alarmierte die echte Polizei. Da waren die beiden Frauen mit drei Taschen voller Gold, Silber und Sparbüchern aber schon über alle Berge. Die Angeklagten, eine Bielefelderin (31) und eine 29-Jährige aus Ganderkesee bei Bremen, wurden erst acht Wochen später gefasst. Da war die Millionenbeute längst verschwunden.

Die vom Ausland aus agierenden Betrügerbanden suchen sich betagte Opfer aus, bei denen sie Vermögen vermuten. Immer wieder fallen Senioren auf die Masche der falschen Polizisten rein.

Die Polizei rät : Geben sie unbekannten Personen keine Auskünfte über ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten. Übergeben sie niemals Geld oder Wertsachen an angebliche Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten. Falsche Polizisten rufen oft unter der Notrufnummer 110 an. Die Rufnummer ist gefälscht.

 

 

 

 

 

 

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