Verkehrsmeister testen Umleitungsstrecken – Bediengebiet so groß wie Berlin
Prüffahrt für jede Baustelle im Liniennetz

Bielefeld (WB). „Ja, die Führung der Linienbusse während des Jahnplatz-Umbaus war eine Herausforderung“, sagt Andreas Geller. Und ergänzt: „Aber es funktioniert.“ Geller (53) ist seit neun Jahren Verkehrsmeister bei Mobiel. Gemeinsam mit zwei Kollegen ist er verantwortlich unter anderem für Umleitungen und betriebliche Störungen im Liniennetz: von der Tagesbaustelle, für die eine Fahrspur kurzzeitig blockiert wird, bis hin etwa zur Sanierung der Schloßhof­straße und eben dem Jahnplatzumbau.

Dienstag, 04.08.2020, 05:00 Uhr
Verkehrsmeister Andreas Geller unternimmt Kontrollfahrten im Bus, bevor Baustellen und Umleitungen eingerichtet werden. Für Busse muss stets mindestens 2,75 Meter in der Breite Platz sein, er muss problemlos um Kurven herum kommen. Foto: Bernhard Pierel

Die 80 Buslinien, die Geller mit betreut, führen nicht über Bielefelder Gebiet, sondern reichen bis nach Oerlinghausen, Gütersloh, Herford oder Bünde. Der Verkehrsmeister: „Ein Bediengebiet so groß wie Berlin.“ Er schätzt, dass tagtäglich bei zwischen 20 und 30 Prozent der Buslinien irgendwo eine oder mehrere Baustellen auf der Strecke liegen. Wie die umfahren werden können, um die Buskunden zuverlässig von A nach B zu bringen, das ermittelt Andreas Geller im Vorfeld in Bauvorbesprechungen mit den Städten und Gemeinden im „Bediengebiet“. Er lobt: „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend.“

Geller unternimmt im Bus Prüffahrten, bei denen ermittelt wird, ob zum Beispiel trotz Baustelle für die Busdurchfahrt die Mindestbreite von 2,75 Meter bleibt, ob Ersatzhaltestellen in zumutbarer Entfernung ausgewiesen werden können, ob der Bus „um die Kurve“ kommt. Das war eine der Fragen, die es zu klären galt , als die Körnerstraße als Einbahnstraße Busumleitung während des ersten Jahnplatz-Umbaujahres werden sollte.

Ein Bus beim Abbiegen vom Niederwall in die Körnerstraße

Ein Bus beim Abbiegen vom Niederwall in die Körnerstraße Foto: Bernhard Pierel

Geller und seine Kollegen unternahmen Probefahrten, testeten die sogenannten „Schleppkurven“ – die müssen so genommen werden können, dass der Bus keinesfalls beim Abbiegen zurücksetzen muss – und befanden: „Diese Umleitung ist möglich.“ Nach dem ersten Monat urteilt Geller: „Es läuft gut.“ Über den Jahnplatz (jetzt inklusive Umleitungen) führten tagtäglich 800 Busfahrten.

Dort müssten die Mobiel-Fahrer („Die sind alle sehr versiert“) immer auch mit Veränderungen, etwa kurzzeitigen Fahrbahnverengungen oder -verschwenkungen rechnen. Die allerdings kämen niemals als Überraschung, betont Andreas Geller. Vor Dienstantritt informieren sich die Fahrer auf dem Betriebshof in Sieker anhand der „tagesaktuellen Bekanntmachungen“. Geller: „Dort erfahren sie, ob es Besonderheiten auf der Linie gibt, auf der sie jeweils unterwegs sind.“ Zudem gebe es in jedem Bus ein Navi, das aber eigentlich nur als Behelf eingesetzt werde. Der Verkehrsmeister: „Die Fahrer haben alle profunde Linienkenntnisse.“

In Absprache mit den Städten und Gemeinden müssten mitunter bei Bauarbeiten auch Parkplätze zeitweise wegfallen und Verkehrsinseln zurück gebaut werden, damit Busse passieren können. Oder die Linie 27 sei gekappt worden, ende bereits an der Kunsthalle, weil die Unterführung Wertherstraße dicht ist. Geller: „Aber die Arbeiten dort sollen ja im August abgeschlossen sein.“ Halteverbote gegeben habe es etwa beim Umbau der Schloßhofstraße an der Melanchthonstraße. Geller: „Trotz der engen Straßenverhältnisse ist alles problemlos verlaufen.“ Nie, betont er, nie dürfe ein Busfahrer allein zurücksetzen: „Das geht nur, wenn ein Einweiser von Mobiel vor Ort ist.“

Auf der Alfred-Bozi-Straße kann es eng werden für die Linienbusse.

Auf der Alfred-Bozi-Straße kann es eng werden für die Linienbusse. Foto: Bernhard Pierel

Wichtig ist ihm der „gute Draht zu den Anwohnern“. Wie gut der sein könne, zeige eine Busumleitung über die Straße Auf dem Langen Kampe. Geller: „Dort gab es zunächst viel Kritik, jetzt sind die Anwohner traurig, dass der Bus nicht mehr direkt vor ihrer Haustür hält.“ Bei geplanten Umleitungen gebe es für die Fahrer keine Probetouren, manchmal allerdings eine virtuelle oder filmische Einweisung.

Natürlich weiß der Verkehrsmeister, welche die längste Linie im Bediengebiet ist: „Das ist die 388 von Schloß Holte nach Schildesche. 23 Kilometer.“ Busfahren sei ohnehin ein Vergnügen, findet Andreas Geller – gerade jetzt, im Sommer: „Alle Busse sind schließlich voll klimatisiert.“ Sodass auch ein kleiner Umleitungsumweg zumindest nicht schweißtreibend sei...

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