Amtsgericht Bielefeld schickt falschen Dachdecker für mehr als vier Jahre in Haft
Senioren fünfstellig abgezockt

Bielefeld (WB). Mit einer perfiden Masche hat ein ungelernter Bauarbeiter (24) zwei betagte Hausbesitzer abgezockt und 88.100 Euro erbeutet. Ein Schöffengericht des Amtsgerichtes Bielefeld verurteilte den Mann aus Osnabrück zu vier Jahren und drei Monaten Haft. Ins Strafmaß flossen mit zwei Jahren Haft noch drei Vorverurteilungen des achtfach vorbestraften Angeklagten mit ein.

Dienstag, 04.08.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 06:46 Uhr
Symbolbild Justitia Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Der 24-Jährige ohne jede Ausbildung hatte sich zwischen Juli 2019 und Februar 2020 gegenüber einem Rentner (74) aus Baumheide und einer Rentnerin (77) aus einer kleinen Taunusgemeinde bei Frankfurt als Dachdecker ausgegeben. Der falsche Handwerker log seinen Opfern vor, dass die Dächer ihrer Immobilien schwer beschädigt seien und dringend repariert werden müssten. Die Seniorin aus dem Taunus zahlte 30.000 Euro an den Betrüger. Nach Gutachtermeinung war das fast das Neunfache des eigentlichen Material- und Arbeitswertes.

In Baumheide am Rabenhof ging der Mann noch dreister vor. Beim 74-Jährigen, der um 58.100 Euro erleichtert wurde, wurden am Dach nach der Einschätzung eines weiteren Gutachters absolut schlampige Scheinarbeiten durchgeführt. „Ich hatte nicht vor, wirklich Arbeiten zu tätigen“, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Dafür ging der 24-Jährige besonders perfide vor. Seinen Angaben zufolge verkleidete er sich und trat gegenüber dem Baumheider Rentner als Gutachter „Herr Schneider“ von der Handwerksinnung auf, der die Bauarbeiten abnehmen müsse. Dabei erpresste der falsche Dachdecker sein Opfer um 15.800 Euro „Schweigegeld“, um angebliche Schwarzarbeit zu decken. Denn der 74-Jährige konnte die vom „Gutachter“ geforderten Dachdeckerrechnungen nicht vorlegen, weil er vom Angeklagten nie welche bekommen hatte.

Am 19. Februar wiederholte der falsche Handwerker die Erpressungsmasche mit der Schwarzarbeit und verlangte weitere 8000 Euro. Einem Bankmitarbeiter fiel aber auf, dass der Baumheider Rentner erneut eine große Bargeldsumme vom Konto abheben wollte.  Der aufmerksame Zeuge informiert die Polizei , der Betrüger wurde gefasst und ging im Bielefelder Gefängnis in U-Haft. „Sie konnten den Hals nicht vollkriegen und haben es einmal zu viel probiert“, sagte Staatsanwältin Laura Hinz zum Angeklagten.

Seit Montag ist der geständige Angeklagte wieder ein freier Mann. Der Haftbefehl wurde unter Auflagen aufgehoben. Mitglieder seiner Großfamilie waren mit 15.000 Euro zum Prozess angereist, um wenigstens einen Teil des Schadens wieder gutzumachen. Verteidiger Mario Prigge übergab das Bargeld an Richterin Kirsten Reichmann. Die 88.100 Euro Beute habe er für Partys, Freunde, Alkohol, Glücksspiel und zum Bezahlen alter Schulden ausgegeben, sagte der Betrüger.

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