Müll im Kunsthallenpark wird mehr und mehr zum Problem
An einem Abend bis zu 20 Partys

Bielefeld (WB). Immerhin: Die Pfandflaschen sind schon weg. Die holen sich die Sammler, um mit dem Pfand ihr spärliches Einkommen aufzubessern. Aber für Rüdiger Freund bleibt noch genug übrig. Mehr als genug. Zehn prallvolle graue Müllsäcke sind es an diesem Samstagmorgen wieder. Müll, den die Besucher des Kunsthallenparks in der Nacht zuvor zurückgelassen haben.

Montag, 03.08.2020, 05:01 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 06:35 Uhr
Der Kunsthallenpark hat sich gerade am Abend zu einem beliebten Treffpunkt für junge Bielefelder entwickelt. Ihren Müll lassen viele Besucher einfach liegen. Die Beseitigung kostet die Kunsthalle inzwischen 40.000 Euro jährlich. Foto: Thomas F. Starke

Seit fünf Jahren säubert Freund an Wochenenden und Feiertagen den Park, hebt auf, was andere liegen ließen, kehrt zusammen, was andere verstreuten. „Es wird stetig mehr,“ erzählt der Kunsthallenmitarbeiter. Leere Pizzaverpackungen, Trinkbecher, Einkaufstüten, Flaschen. „Die versorgen sich in den umliegenden Geschäften und Lokalen, bringen die Sachen mit in den Park und lassen den Müll hier zurück.“

„Die“, das sind in der Regel junge Menschen – Gymnasiasten, Studenten, Auszubildende. Mehrere Hundert finden sich an warmen Sommerabenden und -nächten ein, um im Kunsthallenpark zu feiern, zu quatschen, zu „chillen“, wie sie es wohl selbst ausdrücken würden. „Ich habe schon an einem Abend bis zu 20 Partys hier gezählt,“ berichtet Rüdiger Freund. Die mit zunehmendem Alkoholpegel offenbar nicht immer gesittet ablaufen. „Besonders ärgerlich ist, wenn dann Flaschen und Gläser gegen Bänke oder Mauern geworfen werden und überall Scherben liegen.“ Leider, so Freund, eher die Regel denn die Ausnahme.

So sieht der Kunsthallenpark an einem ganz normalen Sonntagmorgen aus.

So sieht der Kunsthallenpark an einem ganz normalen Sonntagmorgen aus. Foto: Stelte

Auch an diesem Samstagmorgen. Die vorangegangene Sommernacht war eine laue gewesen, hatte offensichtlich viele Menschen animiert, diese zumindest stundenweise im Kunsthallenpark zu verbringen. Um 7.30 Uhr hat Rüdiger Freund schon drei Säcke Müll eingesammelt. „Es werden wohl mindestens zehn werden,“ schätzt er nach einem Blick über das Areal. Es ist seine zweite Schätzung an diesem Morgen. Denn bevor er loslegt, fährt er mit dem Rad den Park ab und überschlägt, wie viel Mülltüten er benötigen wird. Zehn Säcke, das sind sommerlicher Durchschnitt. Dafür braucht er etwa 60 bis 90 Minuten. „An dem Wochenende nach dem Lockdown, da war es schlimm, da waren es 22.“

Müll verursacht Kosten

„Wir haben eigens einen freien Mitarbeiter einstellen müssen, der den Park reinigt und der täglich mehr als zehn schwarze Tüten mit dem Müll füllt, den andere dort hinterlassen“, verdeutlicht Kunsthallensprecherin Anne Kaestner. Der Mitarbeiter sammelt in der Woche den Müll, am Wochenende und an Feiertagen erledigt dies ein Angestellter der Kunsthalle. Die Reinigung des Skulpturenparks verschlingt jährlich 40.000 Euro aus dem Etat der Kunsthalle. „In diesem Jahr wird es sogar noch mehr sein. Da kommen die Kosten, die durch Vandalismus an den Skulpturen entstanden sind, noch hinzu“, sagt Kaestner. uj

...

Was den Kunsthallen-Mitarbeiter besonders ärgert, sind die Scherben: auf der Wiese, vor den Sitzbänken, ja, sogar im flachen Brunnen. „Da laufen tagsüber barfuß Kinder durch, das ist doch gefährlich.“ Also schaut er, ob sich Glas im Wasser befindet, holt einen Kescher, fischt nach Scherben und Splittern. Später wird er die zahlreichen Pizzakartons noch separat einsammeln, vielleicht, mal sehen, und sie zum Altpapiercontainer der benachbarten Pizzeria bringen. „Das mache ich manchmal, sie kommen ja auch von dort.“ Ok sei das, abgesprochen. Vielleicht kommen sie aber auch mit in einen der zehn Müllsäcke und später in die Müllpresse, die die Kunsthalle vor kurzem extra anschaffen musste. „Unsere Müllbehälter reichten dafür nicht mehr aus.“

Wäre es nicht eine Idee, einfach mehr Papierkörbe aufzustellen, damit es für die nächtlichen Besucher weitere Möglichkeiten gibt, ihre Flaschen oder Essensreste ordnungsgemäß zu entsorgen? Rüdiger Freund zeigt auf einen halbvollen Papierkorb neben einer Bank: „Und das ist der Müll der Tagesbesucher.“ Der Müll der abendlichen Gäste liegt auf und vor der Bank. Deutlicher kann ein „Nein“ nicht ausfallen. Dann zieht er zum Holzhaus, Sack Nummer vier in der Hand. Weiter hinten, an den Bänken am Ratsgymnasium, versucht noch ein verspäteter Flaschensammler sein Glück. Doch das, was da steht oder liegt, ist für Rüdiger Freund bestimmt – Leergut für die Müllpresse.

Kommentare

Doetti  wrote: 03.08.2020 10:54
bis zu 20 Partys
"Die", sind das nicht die, die Freitags für Umweltschutz und "Future" ihren Unterricht geschwänzt haben?
"Die", die meinen, die Oma wäre eine "Umweltsau"...
Schämt euch in Grund und Boden, ihr Umweltsünder und Egoisten!
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