Situation in Bielefeld nach heftiger Kritik etwas besser – Autohändler vorsichtig optimistisch – Wartezeit etwa zwei Wochen
Kfz-Zulassungsstelle: Es gibt wieder Termine

Bielefeld (WB). Die Kfz-Zulassungsstelle im Selbsttest: Wer Freitagmorgen um 11 Uhr online einen Termin buchen wollte, um zum Beispiel sein Auto anzumelden, wurde fündig: am 14. August gab es noch drei freie Termine. Das ist laut vieler Bielefelder immer noch nicht schnell genug, aber zumindest besser als zuvor.

Montag, 27.07.2020, 10:22 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 10:26 Uhr
Nach heftiger Kritik sollen sich die Zustände in der Kfz-Zulassungsstelle etwas gebessert haben, die Situation bleibt aber angespannt. Foto: dpa

Nachdem in den vergangenen Wochen private Autobesitzer und Autohäuser heftige Kritik an der Arbeit der Zulassungsstelle geäußert haben, bemüht sich die Stadt darum, die Engpässe zu beheben. „Ich behaupte nicht, dass alles gut ist, aber es ist schon deutlich besser“, sagt Dezernent Ingo Nürnberger, der sich des Themas als Urlaubsvertretung angenommen hat und die „massiven Überstunden“ der Sachbearbeiter als ursächlichen Grund für den Verbesserungen nennt. „Das ist eine Notlösung und geht nicht über einen längeren Zeitraum, aber wir wollten allen Beteiligten Luft verschaffen“, sagt Nürnberger weiter.

Grundsätzlich steht aber die Struktur der Kraftfahrzeugzulassungsstelle auf dem Prüfstand. Die stadtinterne Unternehmensberatung ist wie angekündigt mit der organisatorischen Untersuchung beauftragt. Dabei gehe es auch um die Personalstärke und die Frage, wie die Fluktuation verringert und eine stabile Belegschaft geschaffen werden könne, sagt Nürnberg. Überprüft werden soll auch die Möglichkeit einer zweiten Zulassungsstelle in Sennestadt, die die CDU Sennestadt in der nächsten Sitzung beantragt.

Indes zeigen sich die Autohändler vorsichtig optimistisch. „Es ist ein bisschen besser geworden“, sagt Sven Schorrath, Leiter Disposition beim Autohaus Becker und Tiemann. „Vorher hat es zwei Wochen gedauert, jetzt noch fünf bis sechs Werktage. Das ist noch nicht das Niveau, das wir brauchen“, meint Schorrath und nennt Vergleichszahlen: So benötige die Behörde in Herford einen Tag und in Gütersloh zwei Tage. Das größte Problem ist laut Schorrath die fehlende Planbarkeit. Man könne den Kunden keinen konkreten Zeitpunkt für den Abschluss der Anmeldung geben sondern nur den Hinweis: „Ich melde mich sobald sie fertig ist“.

Auch Frank Sprungmann vom Autohaus Sprungmann sieht noch Luft nach oben. „Zur Zeit wartet man eine Woche lang auf die Bearbeitung. Das ist schon besser als die zwei Wochen zuvor, für manche Kunden aber noch immer zu lang.“ Er habe schon erlebt, das Kunden ihren Urlaub wegen des Engpasses in der Behörde verschieben mussten. Ein großes Problem sei sicher gewesen, dass die Behörde Anfang des Lockdowns komplett geschlossen war – „da standen auf den Höfen noch Autos, die ausgeliefert werden sollten“.

Besonders hart trifft die fehlende Planbarkeit die Zulassungsdienste, die direkt mit der Kraftfahrzulassungsstelle zusammenarbeiten. Für das Bielefelder Unternehmen Schilder Schriften Service Oberschelp seien die vergangenen Wochen fast schon existenzbedrohend gewesen, wie Mitarbeiter Rico Freund betont. „Normalerweise sind wir mit täglich 65 bis 120 Anmeldungen an unserem festen Schalter. Nach dem 1. Juli ist 14 Tage lang gar nichts passiert“, sagt Freund. Jetzt laufe es wieder etwas besser und im Gegensatz zu der totalen Leere in den Wochen zuvor stapele sich jetzt die Arbeit auf den Schreibtischen. Freund ist skeptisch, dass die zügige Bearbeitung in den Kfz-Zulassungsstelle von Dauer sein kann. Er vermisst vor allen die fehlende Transparenz der Behörde. So sei in der Hochzeit der Krise die Leitung der Kfz-Zulassungsstelle nicht erreichbar gewesen und man habe keine Informationen bekommen, die man den Kunden, vor allem Autohäuser, hätte weitergeben können.

Im Gegenteil sei den Privatkunden mitgeteilt worden, sie sollten sich an die Zulassungsdienste wenden, dann würden sie die Papiere in zwei Tagen haben. „Wir haben Drohmails von Kunden bekommen, einen musste ich sogar des Büros verweisen. Die Leute wollten uns nicht glauben, dass wir ihnen die Papier nicht schneller besorgen können“, erinnert sich Rico Freund, der sich schon mit einer Beschwerde an die Bezirksregierung gewandet hat.

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