Grund: Zahlreiche Telefonbetrugsfälle in Bielefeld – Weniger Einbrüche
Zahl der Strafanzeigen im Lockdown stark gestiegen

Bielefeld (WB). An manchen Tagen haben bei der Polizei etwa 100 besorgte Bielefelder angerufen – weil sie Opfer von Telefonbetrügern wurden oder werden sollten. In den Monaten um den Corona-Lockdown ist unter anderem aus diesem Grund die Zahl aller Strafanzeigen stark gestiegen – um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Samstag, 11.07.2020, 07:00 Uhr
Besonders Telefonbetrugsfälle haben in der Vergangenheit in Bielefeld stark zugenommen Foto: dpa

Nimmt man nur die Zahl der Straftaten, bei denen ältere Menschen Opfer wurden, so fällt der Anstieg noch viel höher aus. Im Zeitraum zwischen Anfang März und Ende Juni dieses Jahres stieg die Zahl dieser Straftaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 119 auf 624 Fällen – ein Plus von 424 Prozent. „Dieser enorme Anstieg ist damit zu erklären, dass die zahlreichen Anrufe der Betrüger überwiegend als strafbarer Versuch gewertet wurden“, sagt Polizeisprecherin Sonja Rehmert.

Rentnerin (81) betrogen

Im April hatte die Polizei den ersten bekannt gewordenen Coronavirus-Betrug aus Bielefeld gemeldet. Kriminelle haben eine Rentnerin (81) um eine fünfstellige Summe gebracht. Ein Anrufer gab sich zuvor am Telefon als viruskranker Enkel aus, der dringend Geld für lebensrettende Spritzen braucht.

Ähnliche Fälle hat es zuletzt häufiger gegeben. Die Maschen und Methodiken sind so ausgeklüngelt und vertrauenserweckend, dass viele Menschen – obwohl sie immer wieder gewarnt werden und über vorherige Vorfälle Bescheid wissen – dennoch darauf reinfallen. Ganz häufig melden sich die Täter und geben an, von der Polizei zu sein. Im Telefondisplay taucht dann manchmal sogar durch technische Tricks die Nummer 110 auf. Manchmal ist die Rede von einem angeblichen Einbruch in der Nachbarschaft. Die Opfer werden dann gebeten, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Es wird dann angeboten, es persönlich abzuholen. So oder ähnlich gehen die Telefonbetrüger häufig vor.

Weiniger häusliche Gewalt?

Die „Corona-Zwischenbilanz“ in Bielefeld entspricht darüber hinaus überwiegend der des Landestrends . Wohnungseinbrüche gingen von März bis Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent von 78 auf 36 Fälle zurück. Raubüberfälle sanken um zwölf Prozent von 50 auf 44 Fälle. In der Lockdown-Zeit stieg allerdings die Zahl der Taschendiebstähle um zehn Prozent von 102 auf 113 Fälle.

Laut Polizeistatistik soll die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt in Bielefeld gesunken sein – um 32 Prozent von 259 Fällen auf 176 Fälle. Hier sind allerdings nur die Fälle erfasst, die auch zur Strafanzeige geführt haben. Vermutlich ist die Dunkelziffer von Fällen häuslicher Gewalt sehr hoch. Weil eben keine Anzeige erstattet wurde, denn Kitas und Schulen hatten zwischen März und Juni überwiegend geschlossen. Etwa 70 Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt an Kindern und Jugendlichen werden üblicherweise von Lehrern und Erziehern zur Anzeige gebracht.

623 Corona-Verstöße

Vom 25. März bis Ende Juni hat die Polizei auch zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung ermittelt. 623 Menschen sind der Polizei somit auffällig geworden. Davon waren 534 Erwachsene, 65 Jugendliche und 24 Kinder. Das Ordnungsamt der Stadt hatte wie berichtet im gleichen Zeitraum bislang 67 Fälle ermittelt, bei denen es auch zu Bußgeldern kam.

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