Muali Nair aus Bielefeld glaubt weiter an seine Firma Asmi Ayurveda
Unternehmen gegründet – und dann kam Corona

Bielefeld/Trivandrum (WB). Die Corona-Krise soll, so hört man, bei manchen eine Sinnkrise auslösen. Bei Muali Nair wäre dies kein Wunder. Schließlich hat der Bielefelder Jungunternehmer, als er 2019 eine sichere Position bei der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh aufgab und ein eigenes Unternehmen gründete, nicht mit der Pandemie rechnen können. Doch die Sinnkrise hatte er einige Zeit bevor es mit Asmi Ayurveda, so heißt sein Betrieb, losging.

Freitag, 10.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 05:01 Uhr
Teatime im Pioneers Club in Bielefeld: Muali Nair hat Asmi Ayurveda im vergangenen Jahr gegründet. Das Teegeschirr wird in Modena in Italien hergestellt, die Dosen für den indischen Tee in Landshut. Die Abfüllung erfolgt beim Wertkreis in Gütersloh. Foto: Hertlein

Kerala, der Bundesstaat im Südwesten Indien, ist anders als andere Regionen des Subkontinents. Zum einen lebt hier eine starke christliche Minderheit. Zum anderen regiert in Keralas Hauptstadt Trivandrum die meiste Zeit eine kommunistische Partei.

„Asmi“ heißt: Ich bin

Nair ist weder Kommunist noch Christ. Aufgewachsen auf einer Farm zwischen Kokospalmen und Reisfeldern und in einer hinduistischen Familie hatte er von Anfang an ein besonderes Verhältnis zur Natur. Für ihn ist dies, nicht ein sehr technisches Verständnis von Heilkunst, der Kern von Ayurveda: Warum etwas künstlich herstellen, wenn es die Natur freiwillig gibt? „Wenn ich krank war, hat mir meine Mutter aus Tulsiblätter im Garten einen Tee gemacht. Und das Shampoo war eine selbstgemachte Paste aus Hibiskusblüten“, sagt Nair.

Gleichwohl studierte er Marketing, arbeitete zunächst für den indischen Stahl- und Autokonzern Tata und für Bosch, ging für sie nach Afrika. Da war es, dass er sich in Tansania plötzlich fragte: „Was tue ich hier eigentlich? Was geschieht mit diesem schönen Land, wenn ich Erfolg habe?“

Nair kündigte, kehrte zurück nach Kerala und unterrichtete zwei Jahre lang Marketing an einem Institut für soziale Unternehmen. Mit Hilfe eines Stipendiums kam er vor etwa zehn Jahren nach Deutschland. Er forschte in Osnabrück zum Thema Wirtschaftsethik, kam auf diesem Weg zur Bertelsmann-Stiftung nach Gütersloh. Dort arbeitet er auch heute noch, allerdings nur einen Tag pro Woche. Der Rest der Arbeitszeit gehört seit 2019 Asmi Ayurveda, dem eigenen Unternehmen mit Büro im Bielefelder Pioneers Club. „Asmi“ heißt: Ich bin.

Onlineangebot für Ayurveda-Produkte ist vielfältig

Schon der Name soll verdeutlichen: Nair steht mit aller Konsequenz für das, was er heute macht. Das allgemeine Onlineangebot für Ayurveda-Produkte ist vielfältig – und zersplittert, teils deshalb verrufen. Nair hat den Anspruch, dass die Produkte, die er vermarktet, möglichst natürlich und nachhaltig sind. Begonnen hat er mit Tees. Artikel zur Körperpflege sollen folgen, die ersten ab September.

Richtschnur und Basis sind die Lehren von Dr. Sreekrishnan, dem Hausarzt der Familie und bekannten Ayurveda-Lehrer in Kerala. Ihm legt Nair alle Produkte zur Begutachtung vor. Drei Tees sind es inzwischen. Einer soll Energien freisetzen, der andere beruhigen, der dritte die Seele reinigen. Die Teeblätter kommen aus Assam, Kräuter, Gewürze und andere Zutaten aus Deutschland und, soweit hier nicht verfügbar, aus Indien. Die Weißblech-Dosen werden in Landshut hergestellt und sind damit deutlich teurer als Importware aus China. Abgefüllt werden die Tees in der integrativen Werkstatt der Wertkreis GmbH in Gütersloh. Werkstudentin Natascha Klein hilft als Grafikdesignerin. Bei Teekannen und Accessoires beweist Nair besonderen, eher italienischen Geschmack. Sein Leitspruch in dieser Hinsicht: „Nachhaltigkeit muss sexy sein.“

Die allerersten Kunden kamen aus dem privaten Umfeld. Zielgruppen sind neben privaten Verbrauchern besonders Yogaschulen und Wellness-Hotels. Beide wurden durch die Corona-Krise zurückgeworfen. „Natürlich hat das auch unser Wachstum stark gebremst“, sagt Nair. Auf der anderen Seite gibt es auch Nachfrage aus dem Ausland, etwa aus Finnland und selbst aus Dubai. Auch das ist ein Grund, warum er als Gründer kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie optimistisch bleibt.

Mit Tee aus Assam – insgesamt drei Mischungen – machte Asmi Ayurveda den Anfang. Dann kamen Accessoires hinzu. Im September wird das Programm um ayurvedische Körperpflege erweitert.

Mit Tee aus Assam – insgesamt drei Mischungen – machte Asmi Ayurveda den Anfang. Dann kamen Accessoires hinzu. Im September wird das Programm um ayurvedische Körperpflege erweitert.

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