WLV-Aktion: Saatgutmischung wächst auf zehn Millionen Quadratmetern
Bauern schaffen blühende Landschaften

Bielefeld (WB). Auf der einen Seite ein Maisfeld, auf der anderen eine Rinderweide – dazwischen ein mehrere Meter breiter und dutzende Meter langer Streifen, auf dem die violette Phacelia mit weißen und blauen Blüten um die Wette leuchten. 2500 Quadratmeter Fläche nehmen Blühstreifen wie dieser insgesamt ein, die Antje und Frank Hilgenkamp auf ihrem Hof in Dornberg angelegt haben. Und die selbe Fläche an Blütenpracht gibt es auch rund um den Schweinezuchtbetrieb des Landwirte-Ehepaars in Herford.

Freitag, 10.07.2020, 09:00 Uhr
Hermann Dedert (Kreisverband Herford-Bielefeld, von links), Antje und Frank Hilgenkamp mit WLV-Präsident Hubertus Beringmeierin in einem Blühstreifen. Foto: Hendrik Uffmann

Die Hilgenkamps beteiligen sich damit an der Aktion „Blühendes Band durch Bauernhand“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), bei dem nach dessen Angaben in diesem Jahr im Verbandsgebiet auf insgesamt zehn Millionen Quadratmetern eine Saatgutmischung ausgebracht wurde, deren Pflanzen seit Juni und noch bis in den Herbst hinein blühen und damit Lebens- und Rückzugsraum sowie Nahrung bieten sollen nicht nur für Insekten, sondern auch für Hasen und anderes Niederwild sowie Vögel.

Große Nachfrage nach dem Saatgut

Bereits seit drei Jahren ermutigt der WLV die Landwirte in seinem Gebiet, Blühstreifen anzulegen, um zum Naturschutz und der Artenvielfalt beizutragen. Im vergangenen Jahr gab es die Aktion erstmals im gesamten Verbandsgebiet. Auf 750 Hektar Fläche war die spezielle Saatgutmischung ausgesät worden.

In diesem Jahr gab es nun noch einmal eine Steigerung auf 1000 Hektar. Allein im Bereich Bielefeld-Herford seien es gut 50 Betriebe, die mitmachen, in ganz OWL 400 bis 500, schätzt WLV-Präsident Hubertus Beringmeier: „Die Nachfrage war so groß, dass das Saatgut knapp geworden ist.“ Allein in Bielefeld seien es gut zwölf Hektar Fläche, auf denen die Mischung ausgesät worden sei, erklärt Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford-Bielefeld und Vorsitzender des WLV-Ausschusses für Natur- und Umweltschutz.

Zu der Mischung gehören unter anderem Rotklee, Sonnenblume, Leindotter, Schmuckkörbchen und Ringelblume. Insgesamt sind es 16 verschiedene Pflanzen, die dazu gehören, wobei gezielt heimische Kulturpflanzen ausgewählt worden seien, erklärt Hendrik Specht, Landschaftsökologe bei der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, die den Landwirten die Saatmischung zur Verfügung stellt.

Vernetzung von Biotopen

Die Blühstreifen dienten auch der Vernetzung von Biotopen, so Specht, weil sie zum Beispiel Arten wie Käfern oder Ameisen geschützte Wanderstrecken bieten würden, aber auch für den seltener gewordenen Feldhasen seien sie „wunderbar“. „So können Arten auch in Bereiche kommen, wo sie schon verschwunden sind.“ Außerdem schließen die Blühstreifen die so genannten Trachtlücken, in denen keine anderen Pflanzen blühen und böten bis in den Winter hinein mit ihren Samen Nahrung für Vögel wie unter anderem die Goldammer und die Feldlerche.

Damit die Blühstreifen ökologisch wertvoller sind, wäre es sinnvoll, wenn mehrjährige Mischungen ausgebracht werden könnten, sagt Hendrik Specht: „Die EU-Vorgaben erlauben aber leider nur die einjährigen Mischungen.“

Beitrag zur Artenvielfalt

Die Blühstreifen seien bei weitem nicht der einzige Beitrag, den viele Landwirte zum Naturschutz und zur Artenvielfalt leisteten, betont Hermann Dedert. Antje und Frank Hilgenkamp etwa legen auf ihren Höfen unter anderem auch Schutzinseln für Feldvögel auf den Äckern an und bieten Nistmöglichkeiten für Rauchschwalben. Imker haben ihre Bienenvölker auf ihren Flächen, und an den Höfen gibt es Obstbäume. Hermann Dedert: „Das zeigt, dass Landwirte zu vielen Maßnahmen bereit sind und dabei auch auf Ertragsflächen verzichten, wenn sie in Kooperation und auf freiwilliger Basis entstehen.“

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