Die Stadt Bielefeld testet neue Ampelsymbole an der Kreuzung Bahnhof-/Feilenstraße
Aus Männchen werden Menschen

Bielefeld (WB). Bei Grün sollst Du gehen, bei Rot sollst Du stehen. Daran ändert sich nichts. Trotzdem haben die klassischen Ampelmännchen an der Innenstadtkreuzung Bahnhof-/Feilenstraße vorübergehend ausgedient. Auf Initiative eines Jugendprojektes der Falken sind die herkömmlichen Symbole in den dortigen Lichtsignalanlagen am Donnerstag durch neuartige ersetzt worden. Diese zeigen dem Fußgänger in den kommenden acht Wochen keine einzelnen Männchen mehr, sondern händchenhaltende Männer- oder Frauenpärchen in Grün oder Rot – gehend oder stehend.

Freitag, 10.07.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 13:20 Uhr
Kurz vor dem Einbau: Monteur Sascha Hüttner zeigt die weiblichen Ampelmenschen beim Stehen und Gehen. Foto: Bernhard Pierel

Die gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen sind eines von vielen Ergebnissen des Falkenprojektes, in dem seit 2019 gut 70 junge Menschen der Stadt Bielefeld ihre Veränderungswünsche artikulieren sollten. Dabei äußerten queere Teilnehmer aus den beiden Falken-Jugendtreffs „Yay“ und „T*Café“ den Wunsch nach einem „weltoffeneren Design“ der Ampelmännchen, von dem sich eben auch Schwule, Lesben, Bisexuelle, Intersexuelle und andere Geschlechter angesprochen fühlen.

Ergebnis eines Jugendprojekts

In der Verwaltung fiel die Idee mit den Ampelmenschen auf fruchtbaren Boden. Von der Stadt Wien, die die Vermarktungsrechte besitzt, besorgte sich das Amt für Verkehr die Genehmigung, die Symbole in einem Testzeitraum von zunächst acht Wochen verwenden zu dürfen. „Ursprünglich sollte das schon zum Bielefelder Christopher Street Day am 13. Juni so weit sein, doch dann kam Corona, und wir konnten den Zeitplan nicht mehr einhalten“, erklärt Michael Schütz, Bereichsleiter Jugendarbeit bei den Falken.

Aus Köln, wo die Ampelmenschen ebenfalls im Einsatz sind, orderte das Bielefelder Amt für Verkehr 16 der beschriebenen Aluminium-Schablonen – acht mit Männerpärchen für die eine Ampelspur an der Feilenstraße, acht mit Frauenpärchen für die andere. Kostenpunkt 530 Euro insgesamt. „Dafür kann man so etwas schon mal ausprobieren“, sagt Norbert Bunzel von der Verkehrslenkung. Die Wahl fiel auf genau diese Kreuzung, weil sie für eine starke Fußgängerfrequenz bekannt sei, sagt Olaf Lewald, Leiter des Amtes für Verkehr.

Auch er findet die Idee gut: „Wenn Bielefeld sich damit als Stadt für Toleranz, Vielfalt und Rücksichtnahme positioniert, können die Symbole vielleicht länger oder sogar dauerhaft hängen bleiben.“ Das Entscheidende an einer Ampel sei aber nicht die Art der Schablone über dem Lichtsignal, sondern „dass die Leute erkennen können, ob sie denn gehen oder stehen sollen“.

16 Schablonen aus Köln

„Ich finde die Aktion grandios“, gesteht Bürgermeisterin Karin Schrader. „Bielefeld ist eine bunte Stadt, und da gehört so etwas dazu. Es wäre erbärmlich, wenn es darauf negative Resonanz gäbe.“

Positiv überrascht von der Umsetzung ihres Anliegens sind auch die queeren Teilnehmer des Falken-Jugendtreffs: „Wir begrüßen diese Maßnahme, finden die angekündigten acht Wochen aber nicht lang genug“, sagt Alessandro Sciurba (20), der für die jungen Leute spricht. „Wir sind überzeugt davon, dass es gut wäre, die Ampelmenschen dauerhaft und auch an anderen Kreuzungen zu haben.“

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