Sinkende Mehrwertsteuer:
Wie Haushalte in Ostwestfalen-Lippe bei Strom, Gas und Heizöl mehr als drei Prozent sparen

Wer die Schlagzeilen liest, dass die Mehrwertsteuer seit dem 1. Juli um drei Prozent gefallen ist, könnte sich eigentlich freuen. Eine geringere Mehrwertsteuer bedeutet auch weniger Kosten. Doch wo macht sich diese Kostenerleichterung eigentlich bemerkbar? Grundsätzlich gilt: Je höher die Kosten sind, desto deutlicher zeigt sich die Mehrwertsteuersenkung auch im Geldbeutel. Bei Cent-Beträgen bei kleineren Einkäufen fällt sie kaum ins Gewicht, bei Energiekosten hingegen ist die Mehrwertsteuersenkung durchaus spürbar. Welche Optionen es gibt, die Mehrwertsteuersenkung aktuell am besten auszunutzen, verrät dieser Beitrag.

Donnerstag, 09.07.2020, 03:18 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 17:21 Uhr
Foto: pixabay.com © viarami (CC0 Public Domain)

So gibt’s zur Mehrwertsteuer-Ersparnis noch weiteres Sparpotential on top

Sich über die Senkung der Mehrwertsteuer zu freuen, ist eine Option. Diese aber möglichst umfangreich zu nutzen, um für einen etwaigen Preisanstieg in 2021 etwas anzusparen, ist deutlich vorausschauender. So funktioniert’s!

1.)    Günstig Heizen. In Anbetracht von blauem Himmel, Sonnenschein und heißen Temperaturen denken nur die wenigsten an die anstehende Heizperiode, doch genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um die Heizöl-Reserve aufzustocken. Der Preis für Heizöl ist aktuell so günstig wie vor vier Jahren zum letzten Mal. Experten gehen davon aus, dass das Heizöl nur bis September günstig bleiben wird, was auch den Rat impliziert, jetzt zu kaufen und zu sparen. Ein bis 1,5 Cent pro Liter günstiger könnte Heizöl aufgrund der Mehrwertsteuersenkung werden. Das könnte bei einem 3000-Liter-Tank ein Sparpotential von 30 bis 40 Euro ausmachen. An dieser Stelle gilt: Der Vergleich der Heizöl-Preise lässt den Mehrwertsteuervorteil weiter ansteigen, denn der Preisvergleich zeigt Unterschiede von bis zu zehn Cent pro Liter. Ausblick: Ab 2021 wird Heizöl übrigens de facto teurer, denn dann wird ein CO2-Aufschlag mit etwa acht Cent pro Liter fällig.

2.)    Günstig Gas beziehen. Beim Gasvertrag rechnet sich der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter umso eher – und zwar ganz unabhängig von der Mehrwertsteuersenkung, denn gerade in diesem Kostenpunkt zeigt sich, dass Kunden mit Bestandsverträgen tendenziell deutlich schlechter wegkommen als wechselfreudigere Gaskunden. Für einen Bielefelder Haushalt mit rund 80 Quadratmetern und 10.000 Kilowattstunden Verbrauch sind so aktuell bei einem Wechsel rund 225 Euro an Ersparnis drin. Bezüglich der Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung gilt: Die meisten Anbieter ändern nicht etwa die monatlichen Abschläge, sondern legen die Mehrwertsteuersenkung dann um, wenn die Endabrechnung ansteht. Aktuell ist demnach keine Vergünstigung „sichtbar“. Zudem ist fraglich, ob Einsparsummen von etwa 10 bis 15 Euro bei 7500 Kilowattstunden überhaupt spürbar werden, denn durch den Corona-bedingten Hausarrest könnte auch der Verbrauch gestiegen sein. Ähnlich wie beim Heizöl gilt auch hier: Ab 2021 wird auch Gas in jedem Fall teurer. Hier fällt dieselbe CO2-Steuer an.

3.)    Günstig Strom beziehen. Beim Stromverbrauch zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Gas: Wer zu lange Strom von ein- und demselben Anbieter bezieht, der kommt nicht in den Genuss von günstigeren Angeboten. Die Stadtwerke Bielefeld hoben erst zum 1. Februar 2020 ihre Preise um acht Prozent an. Deswegen gilt auch hier: Vergleichen, wechseln und sparen. Aus der Mehrwertsteuersenkung könnte sich ein Sparpotential beim Stromverbrauch von 15 Euro ergeben. Auch diese mögliche Ersparnis wird bis Dezember quasi vorenthalten, da sich die Abschläge für Strom nicht etwa ad hoc ändern. Zur Jahresabrechnung könnte dann eine geringere Nachzahlung auf der Endabrechnung stehen. Oder es gibt sogar Geld zurück. Je nachdem, wie die Corona-Zeit verbracht wurde, könnte dieses kleine Plus auch direkt wieder von höheren Kosten aufgefressen werden. Wer lange Zeit im Home-Office gearbeitet hat, könnte etwa zehn bis 15 Prozent mehr an Strom verbraucht haben. Spannenderweise sind es nicht nur Laptops und Handys, die auf der Stromrechnung zu Buche schlagen, sondern vor allem andere Elektrogeräte, wie etwa Herd und Backofen, denn in Zeiten von Corona wurde deutlich mehr selbst gekocht als auswärts gegessen wurde. Um hier langfristig Geld sparen zu können, ist ein Wechsel auf effizientere Haushaltsgeräte erforderlich.

4.)    Günstig Autofahren. Die Spritpreise könnten sinken, vermuten Experten mit Blick auf den Rohölmarkt. Die Mehrwertsteuersenkung könnte ein Einsparpotential von drei Cent pro Liter mit sich bringen. Wer einen 50-Liter-Tank für 1,27 Euro pro Liter füllt, bezahlt 63,50 Euro. Wer für dieselbe Tankfüllung drei Cent mehr pro Liter bezahlt, bekommt am Ende eine Rechnung von 65 Euro. Apps können zudem dabei helfen, die günstigste Tankstelle im Kreis Ostwestfalen-Lippe zu finden. Wer geschickt und bedacht tankt, kann so weitere zehn Cent pro Liter sparen. Wie hoch die Kosten für Sprit de facto ausfallen, ist abhängig von den Veränderungen, die beispielsweise die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Sind durch die Home-Office-Regelungen Fahrten zur Arbeit weggefallen, Besuche von Konzerten, Fußballspielen oder Festivals ausgefallen und der Urlaub wurde gecancelt, kann sich das positiv auf die Jahreskilometer auswirken.

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