Drogenkartell-Prozess: Der bereits verurteilte Taylan C. verweigert erneut die Aussage
Zeuge schweigt weiter

Bielefeld (WB/wie). Beim seit Oktober 2019 laufenden Strafprozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder eines Bielefelder Drogenkartells sollte am Dienstag der Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft vor der 3. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts aussagen. Doch der in einem anderen Prozess bereits zu acht Jahren Haft verurteilte Taylan C. machte erneut Gebrauch von seinem Auskunftsverweigerungsrecht. „Hiermit verweigere ich zum zweiten Mal meine Aussage“, erklärte Taylan C. im Beisein seines Anwalts Dr. Strate.

Mittwoch, 08.07.2020, 09:00 Uhr
Clanchef Adil M. (rechts) mit seinen Anwälten Sascha Haring (Mitte) und Christoph Rautenstengel. Foto: Bernhard Pierel/Archiv

Bereits im November hätte der 32-jährige Bielefelder im Prozess gegen die Angeklagten Adil M., Familienoberhaupt der seit Jahrzehnten für vielfältige kriminelle Aktivitäten bekannten jesidisch-kurdischen Großfamilie aus Bielefeld, sowie drei seiner Söhne aussagen sollen. Damals war Taylan C., der in seinem Prozess nicht nur sich, sondern auch Teile der Großfamilie mit detaillierten Aussagen schwer belastet hatte, jedoch nicht vor dem Landgericht erschienen.

Aus dem Zeugenstand entlassen

Nachdem der Bielefelder am Dienstag erneut seine Aussage verweigert hatte, sprach die Große Strafkammer unter Vorsitz von Thorsten Bolte die Entlassung des Zeugen aus, was wiederum die Anwälte von Adil M. und seinen Söhnen Özgür, Diyar Jack und Cihan auf den Plan rief. Sie widersprachen der Rechtsauffassung der Kammer und beanstandeten die Entscheidung, den Zeugen ohne Aussage zu entlassen, da bei Taylan C. ihrer Auffassung nach kein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht bestehen würde. „So haben wir keine Möglichkeit, die Angaben des Zeugen gegenüber der Polizei kritisch zu hinterfragen“, gab Rechtsanwalt Christoph Rautenstengel, der Clanchef Adil M. vertritt, im Namen der insgesamt neun Anwälte der vier Angeklagten zu Protokoll. Richter Bolte blieb jedoch dabei und entließ Taylan C. unvereidigt aus dem Zeugenstand, da dieser sich auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen habe.

Adil M. und seine Söhne müssen sich wegen Drogenhandels im großen Stil mit mehr als 210 Kilo Rauschgift vor dem Gericht verantworten. Alle sitzen seit einer großen Drogenrazzia der Polizei am 16. März 2019 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwälte Daniel Jobes und Madelein Zumkley werfen dem kurdischen Jesidenclan M. vor, seit mindestens 2015 beim schwunghaften Handel mit Marihuana, Haschisch und Kokain mehr als eine dreiviertel Million Euro verdient zu haben.

Prozess wird Donnerstag fortgesetzt

Der einzig nicht zum Bielefelder Jesidenclan M. gehörende Mittäter Taylan C. wurde bereits Anfang Oktober wegen der Rauschgifttaten, die ursprünglich bis zum Jahr 2013 zurückreichen sollen, von einer anderen Großen Strafkammer zu acht Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist teilweise rechtskräftig. Der ebenfalls aus Bielefeld stammende Taylan C. war in seinem Strafverfahren als Kronzeuge gegen den Jesidenclan aufgetreten und hatte die ehemaligen Komplizen schwer belastet. Die Hoffnung des 32-Jährigen, im Gegenzug dafür eine milde Strafe zu bekommen, zerschlug sich jedoch.

Der Prozess gegen Adil M. und seine Söhne wird am Donnerstag vor dem Bielefelder Landgericht fortgesetzt. Dazu sind einige Zeugen geladen.

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