Landgericht Bielefeld verhängt viereinhalb Jahre Haft für Intensivtäter und ordnet Therapie an
Wildtierkamera filmt Einbrecher

Bielefeld/Löhne (WB). Um einem Marder auf die Schliche zu kommen, hatte ein Hausbesitzer in Bielefeld eine Wildtierkamera im Garten installiert, die eigentlich dann auslöst, wenn ein tierischer Besucher vor die Linse gerät. In diesem Fall lieferte sie indes die Bilder eines Einbrechers – einen von vielen Beweisen gegen den 29-jährigen Intensivtäter, der am Montag vom Bielefelder Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Dienstag, 07.07.2020, 07:00 Uhr
Ein 29-Jähriger muss sich vor dem Bielefelder Landgericht für mehrere Wohnungseinbrüche verantworten. Foto: dpa

Täter ist geständig

Für Staatsanwältin Ilona Trüggelmann war die Beweislage „wie ein Lottogewinn“. So konnten an mehreren der zehn Tatorte in Bielefeld und Löhne DNA-Spuren gesichert werden, unter anderem an einem Stein, den der Täter dazu benutzte, eine Scheibe einzuschlagen. Trüggelmann: „Spuren am Stein – die gibt’s fast nie.“ Zudem war der 29-Jährige aufgrund eines anderen Verdachts zufällig erst wenige Tage zuvor erkennungsdienstlich behandelt worden, als die Videoaufnahme und ein Zeugenhinweis auftauchten. So konnte die Polizei beides mit einem Bild des Verdächtigen, auch Fingerabdrücke und DNA-Spuren abgleichen und Taten in einen Zusammenhang bringen – Taten, die der Angeklagte schon früh während der Vernehmungen und auch am Montag vor der 2. großen Strafkammer einräumte.

Demnach war der in Herford geborene Bielefelder zwischen August und Dezember 2019 neun Mal in Wohnungen eingebrochen, um Wertsachen zu stehlen. Einmal blieb es beim Versuch, weil ihn eine Nachbarin am Tatort ansprach und er die Flucht ergriff. Drei der Taten ereigneten sich in Löhne: an der Spittaler Straße, Auf’m Rode und an der Straße Hemke. In Bielefeld schlug er unter anderem an der Memeler Straße, am Ortschmiedeweg, am Heeperholz, Am Kuhlenbrink und Am Schnatbach zu.

Auch weil sich die Vorgehensweise jeweils ähnelte, erkannten die Ermittler einen Zusammenhang: Der Angeklagte klingelte, zumeist an Einfamilienhäuser, um zu sehen, ob jemand zu Hause ist, schmiss Scheiben ein oder stieg durch bereits offen stehende Fenster ein und durchsuchte die Räume. Dabei hatte er es auf Bargeld abgesehen, nahm aber auch Uhren, Schmuck, Tablet-Computer, Labtops, Handys und Spielekonsolen mit, um sie dann zu verkaufen. Dabei lag der Wert der Beute zwischen 30 und 3900 Euro. Auf insgesamt rund 18.000 Euro schätzt die Staatsanwältin den Gesamtwert der gestohlenen Gegenstände und des Bargelds.

Was der 29-Jährige durch die Einbrüche einnahm, steckte er in den Kauf von Drogen. Seit rund zehn Jahren ist der Angeklagte kokainabhängig, konsumierte zuletzt auch Heroin. Diese Art der Beschaffungskriminalität bezeichnete der Vorsitzende Richter Carsten Wahlmann denn auch als „klassisch“. 13 Mal wurde der Bielefelder bereits verurteilt, in vielen Fällen wegen Einbruchs, aber auch wegen Betrugs, Unfallflucht, Hehlerei, Beleidigung und Trunkenheitsfahrten. Auf diese Weise schaffte er es auf die Intensivtäterliste von Polizei und Staatsanwaltschaft. Sieben Mal habe er Entzugstherapien erfolgreich beendet, sagte der Angeklagte, er sei aber immer wieder rückfällig geworden, weil er immer wieder in sein altes Umfeld zurückgekommen sei.

Vermindert schuldfähig

Das Gericht ordnete eine weitere Therapie an: nach den bislang kürzeren diesmal eine lang andauernde Therapie im Maßregelvollzug, die bis zu fünf Jahre dauern dürfte, wie Vorsitzender Wahlmann sagte. „Das ist noch einmal eine Chance“, so der Vorsitzende, der damit auch den Anträgen der Staatsanwältin, von Verteidigerin Christina Peterhanwahr, aber auch dem Wunsch des Angeklagten selbst nachkam.

Trotz der klaren Beweislage wertete das Gericht das Geständnis „erheblich“ zu Gunsten des Angeklagten, berücksichtigte eine verminderte Schuldfähigkeit und blieb beim Strafmaß zwischen den Anträgen der Staatsanwältin (fünf Jahre Haft) und der Verteidigerin (vier Jahre Gefängnis).

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