Eine Privatorgel aus Wien findet in der Kapelle der Neustädter Marienkirche in Bielefeld ein neues Zuhause
Die kleine Königin lässt bitten

Bielefeld (WB). Interessen können stark divergieren. Und so sammelt der eine eben Briefmarken und der andere Orgeln. Fünf solcher Kircheninstrumente nennt Martin Rieker sein Eigen – die größte besitzt immerhin 16 Register und wurde jüngst der Thomas Kirche der Christengemeinschaft in Bielefeld-Schildesche zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 07.07.2020, 10:00 Uhr
Der Leihgeber und gelernte Orgelbauer Martin Rieker legt beim Orgelaufbau selbst Hand an. Foto: Bernhard Pierel

Eine andere Orgel findet aktuell ein neues Zuhause in der Kapelle der Neustädter Marienkirche und wird in diesen Tagen aufgebaut. Martin Rieker, der ehemalige Haller Kirchenmusikdirektor und gelernte Orgelbauer und Orgelsachverständige, geht dabei dem Lübecker Orgelbaumeister Reinalt Klein höchstpersönlich zur Hand.

„Das Instrument wurde Anfang der 1990er Jahre von Adolf Donabauer für das Wohnzimmer eines Privatgelehrten gebaut und stand im 18. Wiener Bezirk in der Biedergasse. Dieser Privatgelehrte war mein bester Freund“, erzählt Martin Rieker. Nach dem Tode des Freundes kaufte Rieker die Orgel der Witwe ab. Eine Weile stand das Instrument in der Thomas Kirche, dann wurde es für zwei Jahre in Lübeck eingelagert.

Die „kleine Königin“ hat sieben Register, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal und ersetzt die alte Kleuker-Orgel, die wie die ehemalige große Kleuker-Orgel unter ähnlichen Materialfehlern litt und deshalb abgebaut und eingelagert wurde. „Ihr Klang war um Klassen schlechter“, freut sich Stadtkantorin Ruth M. Seiler über das neue Instrument aus Wien.

„Wir sind als Gemeinde sehr dankbar für die großzügige Leihgabe“, betont auch Jan Hendrik Unger. Nunmehr gelte es auszuprobieren, was richtig für den Raum sei. Erst danach solle entschieden werden, ob die Rieker-Orgel an Ort und Stelle verbleibe, so der Vorsitzende des Presbyteriums.

Gefeilt wird in diesem Zusammenhang auch an einem neuen Nutzungskonzpet für die Kapelle, die lange Zeit während der Renovierung des Gemeindesaals und der Neustädter Marienkirche als Büro und Lager genutzt wurde und erst seit kurzem wieder in altem Glanz erstrahlt.

 

Eine Privatorgel aus Wien in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld

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  • Orgelbauer Martin Rieker ist Leihgeber der neuen Orgel in der Neustädter Marienkirche. Foto: Bernhard Pierel
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„Früher wurde die Kapelle für Andachten und Kindergottesdienste genutzt“, weiß Kirchenmusikdirektorin Ruth M. Seiler. Nun soll das Kleinod zu neuem Leben erweckt werden, etwa durch Kammerkonzerte, aber auch durch kleinere liturgische Formate.

Die musikalischen Möglichkeiten der Orgel lassen in jedem Fall zu, darauf die Literatur von Johann Sebastian Bach zu spielen. So verfügt das Instrument in den beiden Manualen über ein gedecktes Acht-Fuß Holzregister, ein Prinzipal-Register, ein kostbares Salicional-Register mit edlem Streicherklang, ein Rohrflöten-Register sowie ein Zwei-Fuß-Prinzipal und eine Ein-Fuß-Quinte. Der Acht-Fuß Subbass im Pedal ist ebenfalls ein gedecktes Register und erklingt somit eine Oktave tiefer.

Kosten entstehen der Kirchengemeinde mit dem neuen Instrument nicht. Den Aufbau trägt Martin Rieker aus eigener Tasche. Etwas Geld steuert das Stadtkantorat bei.

„Das ist mein Hobby. Dafür fahre ich nicht nach Mallorca“, sagt der ehemalige Kirchenmusikdirektor, der nunmehr in Teilzeit für das evangelische Stadtkantorat tätig ist und darüber hinaus an der Altstädter Nicolaikirche unter anderem für die Konzertreihe „Orgelmusik zur Marktzeit“ verantwortlich zeichnet.

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