Häcker, Schüco, Nobilia, Höffner, Amazon und viele mehr investieren in Ostwestfalen-Lippe
Bauen für die Nach-Corona-Zeit

Bielefeld/Paderborn/Rödinghausen (WB). Corona hin, Corona her: Einige Großbaustellen in Ostwestfalen-Lippe zeigen, dass die Wirtschaft in der Region weiter an die Zukunft glaubt und investiert.

Samstag, 04.07.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 11:24 Uhr
Höffner wird am 30. Juli das neue Möbelhaus in Paderborn eröffnen. Foto: Oliver Schwabe

Häcker: Rekordinvestition

Am 10. August, dem Ende der Betriebsferien, wird die in Rödinghausen ansässige Häcker-Gruppe, einer der Top 3 der deutschen Küchenhersteller, sein neues Werk in Venne kurz jenseits der Landesgrenze im niedersächsischen Osterkappeln-Venne probeweise in Betrieb nehmen. Mit 200 Millionen Euro ist es die größte Investition in der Firmengeschichte. Auf 212.000 Quadratmetern sollen am Ende 450 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Im Stammwerk in Rödinghausen stand die Produktion während der Corona-Zeit nur etwa eine Woche vollständig still – und nur, um sie den neuen Hygiene-Anforderungen anzupassen.

Der Küchenhersteller Häcker investiert etwa 200 Millionen Euro in das neue Produktionswerk in Venne.

Der Küchenhersteller Häcker investiert etwa 200 Millionen Euro in das neue Produktionswerk in Venne.

Nobilia: Innenausbau beginnt

Und es tut sich noch mehr in der Küchenbranche. Für Marktführer Nobilia galt bis vor kurzem: Produziert wird in Sürenheide oder Kaunitz – jedenfalls in Verl. Das ändert sich in diesem Jahr. Das neue Werk 3 im Gewerbegebiet Hüttenbrink ist Luftlinie wenige hundert Meter vom Stammwerk entfernt; dazwischen aber liegt außer der Autobahn A2 auch die Stadtgrenze zu Gütersloh.

Im neuen Werk – Kosten: eine zweistellige Millionensumme – läuft schon seit einigen Monaten der Innenausbau. Nach Angaben des Vorsitzenden der Geschäftsführung Lars Bopf war Nobilia im Frühjahr froh, das Gebäude schon als Zwischenlager nutzen zu können. Insgesamt 350 Lkw-Ladungen an Spanplatten und anderen Zulieferteilen sorgten dafür, dass weiter produziert werden konnte, obwohl die Verbindung insbesondere nach Italien zeitweise unterbrochen war. Jetzt beginne der Aufbau der Maschinen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Mitarbeiter aus dem Stammwerk an den neuen Standort umziehen.

Parallel baut Nobilia in Saarlouis. Auch dort soll die Produktion – überwiegend für den französischen Markt – 2020 beginnen.

Nobilia beginnt im neuen Werk 3 in Gütersloh mit dem Aufbau des Maschinenparks.

Nobilia beginnt im neuen Werk 3 in Gütersloh mit dem Aufbau des Maschinenparks. Foto: Hertlein

Schüco Welcome Forum

Eine Großbaustelle im Osten Bielefelds zeigt: Bei Schüco tut sich was. Der auf Fenster und Fassaden spezialisierte Bauzulieferer, dessen 5650 Mitarbeiter, davon 1800 in Bielefeld, 2019 einen Umsatz von 1,75 Milliarden Euro erwirtschafteten, investiert nach Angaben seines Sprechers Thomas Lauritzen an seinem Stammsitz 95 Millionen Euro. Dafür baut der Konzern zum einen großen Anbau für die Hauptverwaltung. Zum anderen entsteht in der Nähe das neue Schüco Welcome Forum. Das futuristische Gebäude soll mit „Super-Showroom“ künftig jährlich 20.000 bis 25.000 Besucher anlocken. Aktuell werden die 27 Pfähle ins feuchte Erdreich eingebracht, auf denen das Welcome Forum ruhen soll. Die Eröffnung ist für Herbst 2021 geplant.

Ein Vierteljahr früher wird das neue Werk für Schüco-Schiebeelemente in Paderborn in Betrieb gehen. Hier investiert der Konzern weitere zehn Millionen Euro. Zurückgestellt wurde der Ausbau des Werks in Borgholzhausen.

Schüco investiert allein am Stammsitz in Bielefeld etwa 95 Millionen Euro.

Schüco investiert allein am Stammsitz in Bielefeld etwa 95 Millionen Euro. Foto: Hertlein

Claas hebt das Dach ab

Spektakuläres bahnt sich beim Harsewinkeler Landmaschinen-Hersteller Claas an. Dort soll im Sommer 2021 die Mähdrescher-Produktion im Hauptwerk mehrere Wochen stillstehen. In der Zeit werden das Dach über der 15.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche vorübergehend abgehoben und die Außenmauern erhöht. Technische Gründe machen das notwendig, sagt Pressesprecher Wolfram Eberhardt. Trotz Corona begannen bereits die Vorbereitungsarbeiten an den Fun­da­menten für die Stützen. Der Konzern rechnet mit 40 Millionen Baukosten. Vor einem Jahr erst wurde in Harsewinkel das neue Test- und Versuchszentrum eröffnet. Kosten: 15 Millionen Euro.

Höffner eröffnet am 30. Juli

Auch der Handel investiert in Ostwestfalen-Lippe. Neben einigen neuen Märkten der Lebensmittelketten und Discounter sticht der Neubau des Höffner-Möbelhauses in Paderborn hervor. Das Gebäude entstand dort, wo sich bis zum Abriss vor knapp einem Jahr das Finke-Stammhaus befand. Es hat eine Verkaufsfläche von knapp 40.000 Quadratmeter und kostet Höffner-Inhaber Kurt Krieger etwa 65 Millionen Euro. Die Eröffnung ist für den 30. Juli geplant.

Amazon-Logistikzentren

Der wachsende Onlinehandel löst ebenfalls große Investitionen aus. Für Aufsehen sorgt das neue Amazon-Logistikzentrum im Gewerbegebiet Aurea zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück, das in diesen Tagen in Betrieb geht. Die Größe von 47.000 Quadratmetern entspricht etwa sechseinhalb Fußballfeldern. Ein weiteres Logistikzentrum plant Amazon im lippischen Horn-Bad Meinberg.

Ein Verteilzentrum in Paderborn-Mönkeloh soll noch 2020 in Betrieb gehen. Einen weiteren Neubau plant Amazon im Bielefelder Stadtteil Oldentrup. Das Verteilerzentrum soll in unmittelbarer Nähe zu dem Logistikzentrum entstehen, das kürzlich der Postpaketdienst DHL in Betrieb nahm.

Im Planungsstadium

Der Süßwarenhersteller Storck unterstreicht sein Bekenntnis zum Standort mit einer mittelfristig geplanten Erweiterung um drei Produktions- und ein Verwaltungsgebäude. Einschließlich neuer Werkzufahrt stehen dafür eine Fläche von 18 Hektar zur Verfügung. Aktuell baut Storck zudem eine neue Logistikhalle.

Auch der Autozulieferer Paragon erwägt, Verwaltung und Produktion in Delbrück neu zu bauen; Entscheidung: Ende 2020.

Große OWL-Baukonzerne

Von Investitionen in Gewerbeimmobilen profitieren OWL-Bauunternehmen, allen voran Goldbeck (Bielefeld) und Bremer (Paderborn). Goldbeck baut in Paderborn derzeit die Zukunftsmeile 2 und ist im Übrigen auch beim milliardenschweren Neubau der Tesla-Elektroauto-Produktion in Grünheide bei Berlin im Boot, Bremer zum Beispiel beim Neubau des Paderborner Bahnhofs, der in wenigen Monaten beginnen soll. Goldbeck baut auch im eigenen Auftrag; das augenfällige 17-stöckige Telekom-Hochhaus am Bielefelder Kesselbrink ist im Besitz der Firma, die nun mit dem Abriss der alten Fassade begonnen hat.

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