„Ungeboren“ – Bilder und Vorstellungen von Schwangerschaft im Wandel der Zeit
Zwischen Wissenschaft und Kunst

Bielefeld (WB). Viele Babyalben beginnen heute mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen kleiner Föten. Denn für Frauen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland schwanger waren, gehören Ultraschall-Untersuchungen zur selbstverständlichen Vorsorge.

Sonntag, 05.07.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 12:40 Uhr
Museumspädagogin Anke Bechauf und Museumsleiter Dr. Lutz Volmer mit einem Ultraschallgerät aus den 1980er Jahren. Die Ausstellung „Ungeboren“ ist ab sofort im Bauernhausmuseum zu sehen. Foto: Bernhard Pierel

Das war nicht immer so. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde eine Schwangerschaft nicht mit medizinischen Hilfsgeräten bestätigt, die das Ungeborene visualisieren. Dafür beflügelte die Unsichtbarkeit des im Mutterleib wachsenden Kindes die Vorstellungskraft von Malern, Wissenschaftlern und Theologen. Dabei entstanden Bilder, die die jeweilige Lebenswirklichkeit der Zeit widerspiegeln.

Eine Ausstellung im Bauernhausmuseum präsentiert jetzt Bilder und Vorstellungen von Schwangerschaft im Wandel der Zeit. Die von Rike-Kristin Liebsch kuratierte Schau mit dem Titel „Ungeboren“ eröffnet coronabedingt mit viermonatiger Verspätung und kann von diesem Samstag an, 4. Juli, besichtigt werden.

Leonardo Da Vinci seiner Zeit voraus

„Wir beginnen den Rundgang im Mittelalter, als es lediglich abstrakte Darstellungen des Ungeborenen gab“, berichtet Museumsleiter Dr. Lutz Volmer. Im Zentrum der Darstellung stehen theologische Überlegungen. Etwa wann die Beseelung des Embryos stattfindet. Nach der aristotelischen Zeugungs-Hypothese brauchte ein Mädchen 80 Tage, ein Junge 40 Tage nach der Zeugung, um beseelt zu werden

Mit der Frühen Neuzeit wendet sich das Blatt. Leonardo da Vinci entwirft die ersten anatomischen Zeichnungen und ist damit seiner Zeit weit voraus, indem er die sezierte Gebärmutter und das Ungeborene plastisch korrekt zeichnet. „Das waren wissenschaftliche Arbeiten, keine künstlerischen“, verdeutlicht Lutz Volmer. Ende des 18. Jahrhunderts liegen bereits realistische Darstellungen des Embryos vor, wie ein 1799 entstandener Kupferstich von Samuel Thomas von Soemmering beweist.

Ultraschall revolutioniert die Geburtsmedizin

Die Revolution in der Geburtsmedizin kommt im Jahr 1956 mit dem ersten Ultraschallbild. Basierend auf dem Echolot und der Sonartechnologie, die im Zweiten Weltkrieg zur Ortung von U-Booten entwickelt worden sind, werden Schallwellen zurückgeworfen und elektronisch in verschiedene Messwerte umgesetzt. Diese setzen sich auf dem Ultraschallmonitor zu einem Bild aus einer Collage von Graustufen zusammen. Ein Ultraschallgerät aus den 1980er Jahren gehört zu den wenigen Exponaten, die die Bilderausstellung ergänzen.

Geschichte schreibt 1965 der Bildband „Ein Kind entsteht“ von Lennart Nilssons. Durch Endoskope und spezielle Weitwinkellinsen dokumentiert er die Entwicklung von Embryonen und Föten bis zur Geburt und berührt damit ganze Generationen. Nicht zuletzt wird in Fotografien und Plakaten auch der in den 1960er Jahren offen einsetzende Diskurs zur Schwangerschaftsunterbrechung thematisiert. Die Ausstellung kann dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Maximal zwölf Personen dürfen sich gleichzeitig in dem Raum aufhalten. Karten gibt es an der Museumskasse oder im Café.

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