Bilanz zu Hasselbach-Anlagen in Bielefeld und Verl – Kritik von Anliegern
Windräder drehen sich rund 6500 Stunden

Bielefeld (WB). Im Windpark Hasselbach drehen sich die drei Windräder im Durchschnitt etwa 18 Stunden pro Tag. Diese Bilanz hat die Betreibergesellschaft, zu der die Stadtwerke Bielefeld und die Stadtwerke Gütersloh gehören, jetzt der Politik vorgelegt. Klar wurde darin auch: Nach der Inbetriebnahme vor drei Jahren will der Betreiber mehr aus den Anlagen herausholen.

Samstag, 04.07.2020, 08:00 Uhr
Seit 2017 drehen sich im Windpark Hasselbach an der Autobahn 2 auf der Grenze zwischen Eckardtsheim und Verl die drei Windkraftanlagen des Herstellers Vestas. Foto: Bernhard Pierel

Leistung erhöht

Die drei 200 Meter hohen Windräder auf der Ortsgrenze zwischen Bielefeld und Verl an der Autobahn 2 – zwei stehen in Eckardtsheim, eine Anlage steht auf Verler Gebiet – waren mit dem Ziel gebaut worden, jährlich 21,9 Gigawattstunden Strom zu liefern, genug für rund 7820 Haushalte. Im vergangenen Jahr konnte die Leistung der Windräder bereits durch eine geänderte Steuerung im so genannten Umrichter, in dem Gleichstrom zu Wechselstrom umgewandelt wird, erzielt werden. Zum 1. Januar 2019 wurde die Nennleistung im Nachtbetrieb (22 bis 6 Uhr) für die Verler Anlage von 1,325 auf 3,175 Megawatt erhöht, für die beiden Eckardtsheimer Rotoren von jeweils 2,979 auf 3,175 Megawatt.

Sechs Fledermausarten

Im Tagbetrieb wurde die Leistung am 18. Oktober für alle drei Anlagen von 3,3 auf 3,45 Megawatt ausgeweitet. 340 Haushalte zusätzlich können laut der Stadtwerke Bielefeld durch die Leistungserweiterung mit Ökostrom beliefert worden. Zu höheren Lärmimmissionen bei den Anwohnern soll es dadurch nicht gekommen sein; 2020 soll in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt die Schallemission zur Abnahme der Leistungserhöhung bemessen werden.

Zudem will man die Bremse weiter lösen. Denn die Windräder stehen nicht nur still, wenn Wind fehlt. Sie werden auch gedrosselt, damit Fledermäuse nicht mit den Rotorblättern kollidieren. Nach Untersuchungen der Fledermausaktivitäten im Umfeld der Rotoren gehen die Betreiber inzwischen davon aus, dass sie die Abschaltzeiten verkürzen können.

Mit an einer der Gondeln angebrachten Detektoren haben Experten seit 2017 akustisch untersucht, wann welche Fledermäuse im Luftraum unterwegs sind. Bis zu sechs Arten sind demnach erfasst worden, allerdings mit einer „geringen bis mittleren Aktivität“. Sollte die jüngste Auswertung ähnlich ausfallen, ist für die Betreiber eine Verkürzung der Abschaltungen „denkbar“.

Gegner unzufrieden

Dadurch dürften sich die Betriebszeiten weiter erhöhen. 2019 waren das von den 8760 Gesamtstunden des Jahres an den beiden Bielefelder Anlagen 6693 beziehungsweise 6476 Betriebsstunden, an der Verler Anlage 6556 Betriebsstunden.

Gegnern des Windparks Hasselbach sind diese Angaben zu wenig aussagekräftig. Die Bürgerinitiative Gegenwind, die den Windpark verhindern wollte, damit aber gescheitert war, stellt die Effizienz infrage. Mitglied Roland Berens und seine Mitstreiter würden lieber konkrete Kilowattstunden erfahren, die die drei Anlagen erzeugen. „Betriebsstunden allein sagen gar nichts über den Ertrag aus“, beklagt Berens. Eine entsprechende Anfrage beim Betreiber sei abgewiesen worden. Das seien Betriebsgeheimnisse, habe man der Initiative erklärt. „Ein Skandal, wenn man bedenkt, dass die Windkraftanlagen mit öffentlichen Geldern aus der EEG-Umlage gefördert werden“, meint der Verler.

8000 Haushalte versorgt

Detailliertere Werte verrieten die Betreiber auch auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage nicht. Yvonne Liebold, Sprecherin der Stadtwerke Bielefeld, stellte aber klar: Die angegebenen Betriebsstunden seien Betriebszeiten, in denen tatsächlich Strom produziert und ins Netz eingespeist werde. Und das offenbar nicht wenig: Im Jahr 2019 sei im Windpark Strom in einem Umfang erzeugt worden, dass damit rechnerisch fast 8000 Haushalte versorgt werden könnten.

Seit dem Bau des Windparks gab es allerdings auch Ausfälle. So stand ein Windrad 2018 monatelang still, weil der Blitz eingeschlagen war und ein Rotorblatt ausgetauscht werden musste. Und in diesem Jahr gab es einen Lagerschaden an einem der Generatoren. Das betroffene Windrad war etwa zwei Monate lang außer Betrieb.

Ökostrom-Anteil wächst

Insgesamt, so die Bilanz, sind die Betreiber des Windparks mit der Stromproduktion „zufrieden“. Er habe dazu beigetragen, den Anteil der erneuerbaren Energien am Bielefelder Stadtwerke-Strom zu erhöhen. Der lag vor dem Bau bei 16,8 Prozent, nach Inbetriebnahme des Windparks Hasselbach und eines weiteren der Betreibergesellschaft in Rheda-Wiedenbrück bei 18,6. Inzwischen, so Yvonne Liebold, hätten die Stadtwerke einen Anteil an Ökostrom von 27,2 Prozent erreicht.

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