Die kühne Vision der Wählergemeinschaft Bürgernähe
Neues Quartier als Deckel auf dem OWD

Bielefeld (WB).Ein stadtnahes Wohnquartier über dem Ostwestfalendamm – mit dieser Planungsvision tritt jetzt die Wählergemeinschaft Bürgernähe an die Öffentlichkeit. Die „Johannistalsiedlung“, so nennt sie ihre Idee, könnte Platz für 2400 Wohneinheiten bieten, sind OB-Kandidatin Gordana Rammert sowie Ratsmitglied Christian Heißenberg und Gerd Bobermin von der Arbeitsgemeinschaft Verkehr der Wählergemeinschaft überzeugt.

Mittwoch, 01.07.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 10:36 Uhr

Gegen Lärm und Schadstoffe

Auch Bürgernähe-Vorsitzender Martin Schmelz ist von der Idee angetan: „Der Ostwestfalendamm durchschneidet die Stadt“, sagt er. Das bringe eine hohe Lärm- und Schadstoffbelastung mit sich. Eine Überbauung könne also gleich mehrere Probleme auf einmal lösen.

Architekturstudenten der Fachhochschule Lippe entwickelten für die Bürgernähe das kühne Konzept. Es sieht eine Wohnbebauung über dem OWD von der Ausfahrt Johannistal bis zur Ausfahrt Quelle vor – mit einer kurzen Unterbrechung. Gordana Rammert wäre eine Durchmischung des neuen Stadtquartiers wichtig. Sozialer Wohnungsbau könnte gepaart werden mit Eigentumswohnungen, Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Studentenwohnheimen. Für Christian Heißenberg, selbst Architekt von Beruf, wäre die OWD-Überbauung eine Alternative zu einer großflächigen Bebauung etwa hinter der Universität. Es gäbe keinen Flächenfraß, sondern es würden zusätzliche Flächen neu geschaffen. Dies sei auch deshalb interessant, weil auch mit einer Verdichtung der Wohnbebauung in der Innenstadt der zusätzliche Wohnraumbedarf nicht aufgefangen werden könne.

Beispiele in Berlin oder München

Dass die Idee nicht dem Reich der Phantasie entstammt, belegen die Bürgernähe-Politiker mit Beispielen aus Berlin oder München. Und auch Hamburg setzt mit der Überbauung der A7 Ähnliches um. In Bielefeld selbst funktioniert es in bescheidenem Rahmen bereits ebenfalls. Wer von der Eckendorfer Straße aus in den OWD-Tunnel einfährt, blickt auf ein Mehrfamilienhaus darüber.

„Bei der Vermarktung die Flächen lassen sich beträchtliche Beträge erzielen“, sieht Martin Schmelz auch Finanzierungschancen für solch ein ambitioniertes Projekt. Eine Kostenschätzung liegt freilich noch nicht vor.

„Was uns in der Bielefelder Politik fehlt, sind längerfristige Visionen”, meint Gerd Bobermin. Die Wählergemeinschaft will deshalb einen Anstoß geben. Auch Klimaschutzziele könnten mit solch einem Vorhaben verfolgt werden, die energetische Versorgung des Quartiers über Solarmodule, Kleinwind- oder Biogasanlagen erfolgen.

Langfristiges Ziel

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Verkehr der Bürgernähe wissen, dass ihre Idee nicht heute und auch nicht morgen realisiert wird, sondern ein allenfalls langfristiges Ziel sein könnte. Aber sie haben den Stein ins Wasser geworfen. Schon einmal hat die Wählergemeinschaft mit einer Idee zur Nutzung der freien Flächen am ehemaligen Containerbahnhof überrascht, möchte dort einen Gartenpark nach dem Vorbild früherer Berliner Gleisbrachen einrichten. Manches davon wird jetzt in die weitere Planung übernommen.

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