„Das müssen wir am 28. Juni zulassen“ – große Party bleibt verboten
Clausen will DSC-Fans das Feiern nicht verbieten

Bielefeld (WB). 1970, 1978, 1980, 1996, 1999, 2002, 2004 und nun 2020. Der achte Aufstieg des DSC in die Fußball-Bundesliga ist fußballerisch, aber allein schon aufgrund der aktuellen Situation ein Besonderer. Und die Feier in der Stadt soll eine Besondere werden – für alle Bielefelder. A llerdings nicht wie bei den vorangegangenen sieben Aufstiegsfeiern mit Party auf dem Rathausplatz und der Mannschaft auf dem Balkon. Sondern im Sinne von: Ostwestfalen feiern den Aufstieg – und vergessen nicht, dass dieses besondere Ereignis in einer Pandemie stattfindet. So soll es jedenfalls nach Meinung der Stadt, des DSC und der Polizei ablaufen.

Samstag, 20.06.2020, 06:12 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 06:20 Uhr
Der Rathausbalkon wird leer bleiben am letzten Spieltag. Es wird keine größere Party mit Tausenden Fans geben, aber das Feiern soll erlaubt sein. Von links: Oberbürgermeister Pit Clausen, DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer und Timo Fratz (Radio Bielefeld). Foto: Thomas F. Starke

Oberbürgermeister Pit Clausen will den DSC-Fans das Feiern nicht verbieten. Er sagt zwar: Corona-Zeit ist keine Party-Zeit und meint damit, dass keine Massenveranstaltung am letzten Spieltag (Sonntag, 28. Juni, um 15.30 Uhr gegen Heidenheim) geplant und gewollt sei. Auch soll die Mannschaft nicht auf ihre Fans treffen. Das könne und wolle er nicht verantworten.

Aber: Die Menschen sollen feiern dürfen, sie sollen sich treffen, das Spiel wo auch immer angucken und Party machen – auch „in Gruppen mit Getränken, etwa im Park oder in Kneipen, auf Plätzen oder anderswo in der Stadt“, wie Clausen sagt. Der Oberbürgermeister und auch Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer sind sich einig, wenn sie sagen: „Wir wollen und werden niemanden reglementieren.“

Stimmung nicht vermiesen

Ein bisschen wirkt das bei der Pressekonferenz so, als würden die Verantwortlichen die Corona-Handbremse etwas lösen, um die Stimmung nicht ganz zu vermiesen. Die „Emotionen müssen raus“, sagt der Oberbürgermeister. Mahnungen zur dringenden Vorsicht oder gar Appelle, doch lieber zu Hause zu feiern, weil das Virus noch immer sehr gefährlich sei und die Zahlen wie im Fall Tönnies schnell explodieren können, hört man vom OB nicht oder nur auf Nachfrage.

Kommentar von André Best

Zwölf Wochen vor der Kommunalwahl verbietet Oberbürgermeister Pit Clausen eine große Feier mit tausenden Fans. Es wird auch keinen Autokorso der Mannschaft und keine Party der Spieler auf dem Rathausbalkon geben. Das ist richtig. Es war zu erwarten. Aber gleichzeitig sollen die Fans nach Lust und Laune feiern dürfen, ganz öffentlich, in Gruppen, mit Bier, im Park, in Kneipen oder zum Beispiel am Stadion. Der Oberbürgermeister will offenbar kein Spielverderber sein und lässt den Arminia-Fans ihren Spaß. Die Coronaregeln werden zwar kontrolliert, aber Strafen wird es nicht geben. Wie bitte? Niemand solle reglementiert werden. Anders als zuletzt, möchte man hinzufügen. Eine Warnung oder ein Appell des OB an die Fans? Fehlanzeige.

Da bleibt nur zu hoffen, dass es eben nicht zu einer unkontrollierten Feier kommt. Nach dem Fall Tönnies braucht niemand einen zweiten Corona-Hotspot in OWL. Erst recht nicht im Zusammenhang mit dem so freudigen Ereignis.

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Clausen erwartet, dass es Auto-Korsos geben wird, alles andere zu denken, sei naiv. Von Ideen eines Feuerwerks oder einer Lichtshow habe man aber Abstand genommen. Das wirke wie ein Magnet auf die Menschen.

Die Stadt werde mit Ordnungsamtsmitarbeitern im Einsatz sein und die Einhaltung der Regeln kontrollieren, aber Bußgelder werde es definitiv nicht geben. „Wir müssen die Begeisterung zulassen, die sich Fans und Mannschaft so sehr wünschen.“

Sparrenburg wird angestrahlt

Die Innenstadt soll in den Vereinsfarben geschmückt werden. Alle mögen sich daran beteiligen, Geschäftsleute wie Anwohner. Die Stadt selbst will zwölf DSC-Fahnen am Willy-Brandt-Platz aufstellen sowie drei am Rathaus. Die Sparrenburg soll mit Eintreten der Dämmerung ab spätestens Samstag, 27. Juni, in schwarz-weiß-blauen Farben erstrahlen. Die DSC-Flagge wird dort auch gehisst. Radio Bielefeld berichtet wie immer und auch 90 Minuten nach dem Spiel. So soll die Stimmung in der Stadt zumindest zu hören sein.

Der Oberbürgermeister versprach, dass eine größere Feier nachgeholt werde. Clausen: „Ich kann aufgrund von Corona nicht sagen wann, aber wir werden den richtigen Zeitpunkt finden.“

Wie das allerdings funktionieren soll, wenn die Mannschaft in neuer Zusammenstellung möglicherweise in der Bundesliga gerade um den Klassenerhalt kämpft, blieb unklar.

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