2019 erbeuteten falsche Polizisten in NRW mehr als zwölf Millionen Euro
Die Masche mit der 110

Bad Salzuflen (WB). „Ich war wirklich davon überzeugt, mit einem Kriminalbeamten aus Bielefeld zu sprechen”, sagt Hartwig U. (68) aus Bad Salzuflen.

Mittwoch, 10.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 05:03 Uhr
Illustration. Foto: Sophia Weimer/dpa

Betrüger, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben, haben im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen nach Auskunft des Landeskriminalamtes mehr als zwölf Millionen Euro erbeutet. In der Nacht zum Montag wurden wieder mehr als 100 Menschen in Teilen Ostwestfalen-Lippes angerufen, um sie um ihre Wertsachen zu bringen. Die Täter haben ihre Masche verfeinert und potentiellen Opfern angeboten, sie könnten sie im Polizeipräsidium Bielefeld zurückrufen – was aber nur ein Trick war.

60 Meldungen an einem Tag

„Alleine bei uns haben sich am Montag 60 Bürger gemeldet, die solche Anrufe von falschen Polizisten bekommen haben”, sagt Michael Kötter von der Bielefelder Polizei. „Bisher wissen wir von einem 89-Jährigen, der auf den Trick hereingefallen ist und dabei einen hohen Betrag verloren hat.”

Ermittler gehen davon aus, dass die Banden ihre Geldabholer in bestimmte Wohngegenden schicken und dann diese Gegend mit Anrufen fluten. So sind Abholer in der Nähe, wenn ein Opfer auf den Betrug hereinfällt.

Das Phänomen der falschen Polizisten war Hartwig U. bekannt. „Die Fälle stehen ja dauernd in der Zeitung, und ich war immer fest davon überzeugt, auf solche Leute nicht hereinzufallen”, sagt der Bad Salzufler. Dann klingelte in der Nacht zum Montag kurz nach Mitternacht sein Telefon. „Ein freundlicher Mann stellte sich in bestem Hochdeutsch als Markus Stahl vom Kommissariat 4 der Bielefelder Polizei vor.” Er sagte, in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden. Zwei Rumänen habe die Polizei gefasst, aber zwei seien entwischt. Bei den Festgenommenen habe man einen Zettel mit den Namen von Hartwig U. und seiner Frau gefunden. Deshalb bestehe die Gefahr, dass auch bei ihnen eingebrochen werde. Der Bad Salzufler: „Mir kam das zwar komisch vor, dass von Einbrechern, die auf der Flucht sein sollten, noch eine Gefahr drohen sollte, aber der Mann war sehr überzeugend. Er sprach mit ruhiger Stimme und sagte immer wieder, ich brauche mir keine Sorgen zu machen, die Polizei sei in der Nähe.” Und dann schlug er von sich aus zum Beweis, dass er ein echter Polizist sei, einen Rückruf vor. „Er sagte, er lege jetzt auf, und ich solle dann die 110 wählen.”

In der Aufregung nicht aufgelegt

So geschah es, und am anderen Ende meldete sich das vermeintliche Polizeipräsidium. „Sie stellten mich zu dem angeblichen Kommissar Stahl durch, und wir haben weitergesprochen. Er sagte, seine Kollegen wären schon unterwegs, um meine Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Als ich daraufhin sagte, dass wir weder Geld noch Schmuck im Haus hätten, hat er einfach aufgelegt.“ Jetzt dämmerte es Hartwig U., dass er vor dem Wählen der 110 wohl nicht aufgelegt hatte und es keine echten Polizisten waren. „Es ist schon mehreren Menschen passiert, dass sie in der Aufregung nicht aufgelegt und dann 110 gewählt haben und so nicht die echte Polizei am Telefon hatten. Darauf setzen die Täter”, sagt Laura Merks von der Polizei Lippe.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes sind 2019 in NRW 492 Fälle bekanntgeworden, in denen falsche Polizisten Erfolg hatten. LKA-Sprecher Frank Scheulen: „In diesen Fällen haben die Täter 12.149.545 Euro erbeutet”, im Durchschnitt also fast 25.000 Euro pro Fall.

Experten gehen davon aus, dass von 100 Angerufenen vier auf die Masche hereinfallen. Oft sitzen die Täter, vielfach in Deutschland aufgewachsene Türken, in Callcentern in der Türkei.

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