Bielefelder Kindertagesstätte Nestfalken ist in eingeschränkten Regelbetrieb gestartet
Kita-Leiterin: „Im Krankheitsfall wird die Situation richtig kritisch“

Bielefeld (WB). „Kein Weinen, kein Schreien, kein Ausflippen – unser Neuanfang hat super geklappt“, sagt Daniela Kretzschmar. Die 45-Jährige leitet die 2014 ins Leben gerufene Kindertagesstätte Nestfalken an der Bielsteinstraße 7. Dort sind am Montag 55 von insgesamt 13.400 Bielefelder Kita-Kindern nach zwölfwöchiger Corona-Pause harmonisch in den zunächst bis zum 31. August befristeten eingeschränkten Regelbetrieb gestartet – und mit ihnen 14 pädagogische Fachkräfte.

Dienstag, 09.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 06:24 Uhr
Wichtige Hygienevorschrift in der Kita Nestfalken: An der Anzahl der Klammern ist leicht zu erkennen, wie viele Eltern mit ihren Kindern gerade im Eingangsbereich sind. Das zeigt Alva (3), die hier von ihrer Mutter Katja Topal abgeholt wird. Foto: Bernhard Pierel

Tag mit Freude und Respekt erwartet

Vom Personal der insgesamt mehr als 180 Bielefelder Kindertagesstätten ist dieser Tag mit Freude aber auch mit Respekt erwartet worden. „Direkt aus dem Home-Office in die Vollbetreuung zu gehen, kann natürlich hektisch enden. Aber weil wir gut vorbereitet waren, sind wir langsam und behutsam hineingerutscht“, erklärt Daniela Kretzschmar erleichtert. Vor allem das vertrauenvolle Verhältnis ihres jungen Teams zu den Eltern und den kontinuierlichen Kontakt zwischen der Kita und den Elternhäusern während der Corona-Krise macht sie für das positive Ergebnis verantwortlich.

So hätten manche Erzieher zum Beispiel Geburtstagsständchen als Kurzvideos an die Kinder verschickt; dazu Basteltipps, Malvorschläge, Spiele oder Lesegeschichten. Auch habe man sich bezüglich der Hygienevorschriften mehrfach mit den Eltern abgestimmt. Daraus ergab sich ein „reibungsloser Auftakt ohne Staus beim Bringen oder Abholen der Kinder“.

Wirklich geschlossen war die Kita nur für kurze Zeit

Zeitweise im Home-Office bereiteten sich Daniela Kretzschmar und ihre Kollegen auf die Zeit nach Corona vor, auf verkürzte weil personalintensivere Betreuungszeiten. Geschlossen war ihre Einrichtung jedoch nur wenige Tage lang: Zehn der ersten zwölf Corona-Wochen betreuten sie zwei kleine Notgruppen mit Jungen und Mädchen von Eltern systemrelevanter Berufsgruppen. Am 28. Mai durften dann alle elf Vorschulkinder wieder kommen, und seit Montag sind die Gruppen der Baumfalken, Wanderfalken und Turmfalken mit Kindern von eins bis sechs Jahren wieder komplett.

„Wir hatten große Angst davor, dass unsere ganz kleinen Kinder nach der langen Pause noch einmal komplett neu eingewöhnt werden müssen“, erzählt Leiterin Daniela Kretzschmar. „Aber auch das ist nicht eingetreten. Unser Personal und die Eltern haben das toll hinbekommen. Ich sehe die kommenden drei Tage als Testphase, ob wir mit unserem Konzept richtig liegen.“

Susann Purucker gibt die Komplimente gerne zurück ans Kita-Personal. Die 33-Jährige ist Vorsitzende des Elternbeirats und Vorsitzende des Jugendamtselternbeirats (JAEB), der immer bestrebt ist, „für Kinder und Eltern die beste Situation herauszuholen“. Sie sagt: „Meine Kinder und ich haben uns jederzeit willkommen gefühlt und hatten auch den Eindruck, dass die Erzieher jetzt endlich wieder betreuen wollen.“

Hygienevorschriften verbieten gegenseitige Vertretung

Nur vor Krankheiten fürchten sich alle Beteiligten. Es muss gar nicht Covid 19 sein. Jedwede Erkrankung einer Kita-Mitarbeiterin kann das fragile Betreuungskonstrukt zum Einstürzen bringen. „Im Krankheitsfall wird die Situation richtig kritisch“, mahnt Daniela Kretzschmar. Denn wegen der Hygienevorschriften dürfen Erziehrinnen sich nicht gegenseitig vertreten. Auch dürften die strikt voneinander getrennten Kindergruppen nicht zusammengelegt werden. In solchen Notfällen würde der JAEB gerne auf unbürokratische, personelle Unterstützung der Stadt zählen.

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Lesen Sie zum Kita-Wiederbeginn auch einen Kommentar von André Best .

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