Bernd Vollmer führt die Liste bei der Partei „Die Linke“ bei der Kommunalwahl in Bielefeld an
Der Überraschungskandidat

Bielefeld (WB). Für Außenstehende war es dann doch eine kleine Überraschung. Bernd Vollmer (69) führt die Liste der Partei „Die Linke“ bei der Kommunalwahl in Bielefeld an. Am Freitag wurde Vollmer bei einer Wahlversammlung in der Schildescher Gesamtschule gekürt.

Montag, 08.06.2020, 03:39 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 05:00 Uhr
Das Spitzen-Trio der Partei „Die Linke“ für die Kommunalwahl: Bernd Vollmer, Dr. Onur Ocak und Meike Taeubig (von links). Foto: Schläger

Mancher hatte auf Peter Ridder-Wilkens gesetzt, der nach dem Tod von Barbara Schmidt die Ratsfraktion führt. Er ist außerdem Sprecher in der wichtigen Bezirksvertretung Mitte. Aber für Ridder-Wilkens sei nur Platz eins oder gar nichts auf der Ratsliste infrage gekommen, berichtet Parteichef Florian Straetmanns. Deshalb ist er auf der Liste nun gar nicht vertreten, will aber in „Mitte“ weitermachen.

Vollmer hat sich als sachkundiger Bürger mit seiner bedächtigen Art durchaus Ansehen im mächtigen Stadtentwicklungsausschuss des Rates erworben. Dabei ist er seinen Positionen treu geblieben, ist etwa dem Werben des Paprika-Bündnisses um Zustimmung zum Jahnplatz-Umbau nicht gefolgt. Weil Vollmer, zwar aus anderen Beweggründen, mit den Bürgerlichen stimmte, fielen die Pläne dort durch. Auch in der Bezirksvertretung Dornberg, der er ebenfalls angehört, ist Vollmer nicht gerade für einen Konfrontationskurs bekannt.

Jetzt gehen die Linken mit einer ungewöhnlichen Spitzen-Konstellation ins Rennen. Vollmer, der eher Moderate, und Dr. Onur Ocak, der junge OB-Kandidat. Auch Ocak wurde am Freitag noch einmal offiziell von der Wahlversammlung bestätigt. Er gehörte bis 2014, damals noch als junger Nachwuchspolitiker, dem Rat an. Jetzt will er nicht fürs Stadtparlament kandidieren, weil er ja Oberbürgermeister werde, wie er selbstbewusst sagt.

Dass es dazu am Ende wohl doch nicht reichen wird, weiß auch Ocak. Seine Rolle im Wahlkampf wird wohl sein, linke Positionen rhetorisch gut zu platzieren. Denn das kann der promovierte Jurist. Und lässt gleich eine Spitze gegen Amtsinhaber Pit Clausen (SPD) los. So lange Clausen Oberbürgermeister sei, sei eine feste Koalition zwischen SPD und Linken kaum möglich. Clausen blockiere, wofür die Linke stehe. Dessen Baulandstrategie etwa diene ausschließlich besserer Vermarktung, werde nicht zu dringend benötigtem günstigen Wohnraum führen.

Mit der Industriekauffrau Meike Taeubig (30) auf Platz zwei der Liste schickt „Die Linke“ auch ein neues Gesicht ins Rennen. Sie ist engagiert im Bündnis gegen Rechts, will sich vor allem für eine moderne Schulpolitik und für Chancengleichheit im Bildungssystem einsetzen. Die Corona-Krise habe die Ungleichgewichte dort aufgezeigt. Manche Kinder verfügten nicht über Laptop oder Tablet, hätten nicht an digitalen Angeboten teilnehmen können.

Minimalziel der Linken ist, ihre Fraktion um mindestens einen auf sechs Sitze auszubauen. Sie hat Direktwahlkandidaten in allen 33 Wahlkreisen aufgestellt, ebenfalls Bewerber für alle zehn Bezirksvertretungen.

Auf der Ratsliste sind außerdem Co-Parteichefin Brigitte Stelze, der Fraktionsgeschäftsführer Dr. Dirk Schmitz, Marlis Bußmann und Carsten Strauch auf aussichtsreichen Plätzen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7440404?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Corona-Testergebnis in 16 Minuten
Ob sich eine Person mit SARS-CoV-2 infiziert hat, lässt sich in Tests nachweisen. Das genetische Material wird dazu in einem Thermocycler vervielfältigt. Mit dem in der neuen Studie genutzten Thermocycler sind pro Stunde rund 570 Auswertungen möglich.
Nachrichten-Ticker