Bielefelder Sennefriedhof bietet als erster städtischer Friedhof Baumgrabstätten an
Im Tod eins mit der Natur

Bielefeld (WB). Die letzte Ruhe unter einem Waldbaum, im Tod Einssein mit der Natur. Diese Bestattungsform wird immer häufiger nachgefragt. Auf dem Sennefriedhof gibt es seit Anfang des Monats die Möglichkeit, ein Urnengrab am Fuß eines Waldbaumes zu wählen. Das ist einzigartig bei den kommunalen und kirchlichen Friedhöfen in Bielefeld.

Samstag, 06.06.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 14:50 Uhr
Abteilungsleiterin Friederike Hennen (links) und Martina Hollmann vom Umweltbetrieb stellen einen von 42 Waldbäumen vor, an derenen Wurzeln künftig Urnen bestattet werden können. Als Grabschmuck sind nur Baumscheiben zugelassen. Foto: Thomas F. Starke

„Es gibt eine stetige Nachfrage nach naturnahen Bestattungsmöglichkeiten“, erklärt Friederike Hennen, Abteilungsleiterin Friedhöfe beim Umweltbetrieb, warum 200 Meter östlich der Neuen Kapelle in einem Waldstück Baumbestattungen angeboten werden. 42 Bäume, vornehmlich Kiefern, aber auch Eichen, eine Lärche sowie eine Birke, wurden ausgewählt und mit einer kleinen Plakette versehen. Sie hilft, den Baum wiederzufinden. „Wir haben auch die Koordinaten, sodass die Grabstätte mit dem GPS erkannt werden kann“, erklärt Hennen.

Mehr als das Schild mit der Nummer am Stamm weist nicht darauf hin, dass im Wurzelbereich Urnen liegen – 16 pro Baum sind möglich. Blumen und anderer Grabschmuck sind ausdrücklich nicht erwünscht. Jede Grabstätte kann aber mit einer unbehandelten Baumscheibe individuell gekennzeichnet werden. Sie darf maximal einen Durchmesser von 20 Zentimetern haben.

„Die Gestaltung der Baumscheibe ist individuell“, sagt Martina Hollmann, die beim Umweltbetrieb für die Planung und Unterhaltung der Friedhöfe zuständig ist. Dass das Holz mit der Zeit verwittere sei ausdrücklich erwünscht, sei Teil der naturnahen Bestattung. Ebenso gehöre dazu, dass das 5.567 Quadratmeter große Waldstück auf dem Sennefriedhof, das für die neue Bestattungsmöglichkeit ausgewählt wurde, unberührt bleibt. Die natürliche Kraut- und Strauchschicht soll sich ungestört entwickeln. Einzige Farbtupfer sind zur Zeit Fingerhutstauden, die sich ihren Weg durch den Waldboden gebahnt haben. „Wir haben zur Zeit ein Problem mit der Trockenheit“, räumt Friederike Hennen ein. Sie kann sich aber vorstellen, dass einzelne waldtypische Stauden gesetzt werden. Diese „punktuelle Initialpflanzung“ soll die Artenvielfalt fördern.

20 Jahre Liegezeit

Verzichtet wird dagegen auf befestigte Wege. Wer die Baumgrabstätte eines Angehörigen besuchen möchte, muss über Kiefernzapfen, Tannennadeln und Laub gehen. Statt Sitzbänken werden einzelne Baumstämme in das Waldstück gelegt, die Gelegenheit zum Rasten bieten sollen.

20 Jahre währt die Liegezeit bei Baumgrabstätten. Damit die Bäume auch so lange Bestand haben, wurden die ausgewählten Bäume zuvor von einem Baumgutachter bewertet. Falls doch einmal ein Baum durch Krankheit oder Sturm geschädigt werde, könne er ersetzt werden, betont Friederike Hennen.

Für eine Baumgrabstätte fallen einmalig Bestattungsgebühren in Höhe von 65,59 Euro an sowie 20 Jahre lang jährliche Nutzungsgebühren von 81,70 Euro. Um Grabpflege müssen sich Angehörige nicht kümmern.

Die Kosten für diese neue Bestattungsform sind damit genauso hoch wie für die Baumbestattungen, die es schon seit 2002 auf dem Sennefriedhof gibt. Diese Bäume wurden allerdings gezielt gepflanzt. Im Wurzelbereich wird zudem mit einer kleinen Grabplatte auf die Urnengrabstelle hingewiesen.

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