Bielefeld: Kommentar zum Kita-Beginn
Das Risiko bleibt

Bielefeld (WB). Vier Mal so viel Kinder wie zuletzt werden ab Montag wieder in die 147 Kitas gehen. Knapp 4000 Mädchen und Jungen waren dort zuletzt “notbetreut”. Bis zu 12.500 Bielefelder Kinder werden es im eingeschränkten Betrieb zu Wochenbeginn sein. Aktuell gibt es keine Studienlage, die echte Schlüsse zulässt, inwieweit Kinder zur Verbreitung des Virus beitragen.

Samstag, 06.06.2020, 08:05 Uhr aktualisiert: 07.06.2020, 06:33 Uhr
Bis zu 12.500 KInder werden ab Montag wieder in die Bielefelder Kitas gehen. Foto: dpa

Wenn Läuse, „Magen-Darm” oder „Hand-Mund-Fuß” im Kindergarten grassieren, ist die Aufregung bei Eltern verständlicherweise groß. Ab Montag ist die Herausforderung eine andere. Wegen des gefährlichen Virus gilt es für alle Beteiligten, einen verantwortungsvollen Weg zu finden.

Keine Garantie

Eine Garantie dafür, dass alles reibungslos klappt, hoffentlich niemand erkrankt und erst recht kein Angehöriger im Zusammenhang mit der Kita-Öffnung sterben muss, gibt es nicht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Gesundheit von Erzieherinnen gefährdet. Je größer die Gruppe, desto größer sei die Gefahr für die Pädagogen. Und weiter: Die Menschen sollen weiterhin 1,5 Meter Abstand halten, aber für bis zu 25 Kinder in oft zu kleinen und schlecht zu belüftenden Räumen in Kitas oder Schulen ist das kaum umsetzbar.

Durch den eingeschränkten Kita- und Schulbetrieb hat es bislang keine größeren Probleme gegeben. Aber das kann sich ändern, beispielsweise wenn die Herbst-Grippewelle kommt, und das Virus immer noch da ist.

Personal in Kitas fehlt

Zu kritisieren ist, dass die Zeit nicht genutzt wurde, Hilfskräfte zu engagieren. Etwa 60 Menschen werden in Bielefeld benötigt, um den Personalmangel aufgrund fehlender Mitarbeiter, die zur Risikogruppe zählen, auszugleichen. In manchen Kitas liegt die Quote der anwesenden Erzieher bei unter 60 Prozent , obwohl die Aufgaben virusbedingt enorm sind und die Eltern sich mehr Betreuungszeit wünschen. Hier muss das Land endlich handeln.

Die Eltern haben eine dreimonatige Mammutorganisationszeit hinter sich. 300 Euro pro Kind und der Applaus für ihre großartige Leistung sind nett gemeinte Almosen – wichtiger wäre eine dauerhaft bessere Betreuungsinfrastruktur, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch tatsächlich gelingen kann.

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