Christopher-Street-Day in Bielefeld ohne Parade, Party und Kulturwoche – Dennoch soll Flagge gezeigt werden
Plädoyer für gleiche Rechte und Toleranz

Bielefeld (WB). Bunt, trubelig und vielfältig wird der Christopher-Street-Day in Bielefeld seit Jahren begangen. In diesem Sommer aber fällt er wie viele Großveranstaltungen corona-bedingt ins Wasser. „Unsere Anliegen aber bleiben wichtig, unsere Themen sollen nicht untergehen“, sagt Peter Struck, Geschäftsführer der Bielefelder Aidshilfe. Deswegen hat der Verein Bie-Queer sich einige Aktionen überlegt.

Freitag, 05.06.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 12:50 Uhr
Wollen ein Zeichen setzen: von links Friederike Vogt, Bert-Ulf Prellwitz, Peter Struck und Nele Bürmann (Aidshilfe) Foto: Starke

Der „CSD“ geht zurück auf den ersten Aufstand Homosexueller gegen Polizeiwillkür in der Christopher Street in New York am 28. Juni 1969 und hat sich als Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Inter-Personen und queeren Menschen (LSBTIQ) etabliert. Auch die Bielefelder Szene und alle Unterstützer feiern diesen Tag im Juni mit einer Demo, mit Parade, Straßenfest, Party und Kulturwoche. Eigentlich. „Weil das in diesem Jahr nicht geht, müssen wir anders ein Zeichen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zu setzen“, sagt Struck.

Denn Akzeptanz ist noch lange nicht erreicht. Struck zitiert aus einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur, die europaweit Betroffene befragt hat. In Deutschland haben 16.000 Menschen an der Studie teilgenommen. „36 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal wegen ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Belästigung erfahren. Und 13 Prozent haben deswegen in den vergangenen fünf Jahren körperliche oder sexuelle Übergriffe erlebt.“ Von diesen 13 Prozent sind wiederum nur 13 Prozent zur Polizei gegangen. „Das heißt, dass massive Übergriffe nicht registriert und verfolgt werden.“ Besonders stark betroffen sind zudem, so die Studie, Trans- und Inter-Menschen.

Um Solidarität zu bekunden, Sichtbarkeit herzustellen und für Toleranz einzustehen, soll Bielefeld am 13. Juni Flagge zeigen: Bürger, Parteien, Initiativen, Behörden und Geschäftsleute sollen die Regenbogenflagge an Gebäuden anbringen. Wer eine benötigt, kann sich bei Friederike Vogt von der Gleichstellungsstelle melden, noch hat sie Flaggen auf Lager (friederike.vogt@bielefeld.de).

Zudem werben Bie Queer und die CSD-Vorbereitungsgruppe im Stadtgebiet mit 350 Plakaten mit drei Motiven für Solidarität und Diversität. Und am 13. Juni, 15 Uhr, wenn eigentlich das CSD-Straßenfest beginnen würde, werden digitale Grußbotschaften ins Netz gestellt (www.biequeer.de). Schließlich soll am 18. Juni unter Einhaltung der Corona-Regeln in der Ravensberger Spinnerei ein Fachtag stattfinden. Thema: die Versorgungsdefizite von LSBTIQ.

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