13.400 Mädchen und Jungen dürfen in Bielefeld wieder in die Kitas – Betrieb eingeschränkt
Und was ist, wenn ein Kind sich infiziert?

Bielefeld (WB). Es ist richtig, dass Ingo Nürnberger genau das anspricht, was vor lauter Euphorie schnell vergessen werden kann. Der Sozialdezernent sagt: Mit der Öffnung der 147 Bielefelder Kitas gehen wir bewusst ein Risiko ein – so sehr sich Eltern, Kinder und Mitarbeiter über den Beginn des eingeschränkten Regelbetriebs in den Kitas ab Montag auch freuen mögen. Denn was ist, wenn sich ein Kind ansteckt und dadurch möglicherweise Oma und Opa in Gefahr geraten? Nicht auf alle Fragen gibt es Antworten.

Freitag, 05.06.2020, 06:53 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 09:06 Uhr
Am Montag startet der eingeschränkte Regelbetrieb in den 147 Bielefelder Kitas. Über die Planungen informieren die Vertreter der vier Träger. Von links: Georg Epp (Jugendamt), Walter Fette (Der Paritätische), Ute Eberlein (ev. Kirchenkreis), Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Thorsten Klute (AWO/nicht auf dem Foto). Foto: Thomas Starke

 

Welche Regeln müssen Eltern beachten?

Alle Eltern, die ihre Kinder bringen, müssen einen Mundschutz tragen, ebenso die Kita-Mitarbeiter und Externe wie Handwerker. Im laufenden Betrieb werden nicht alle Erzieher dauerhaft eine Maske tragen. Dort, wo räumlich möglich, werden die Kinder an die Eingangstür gebracht und dort wieder abgeholt. Die Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Die Kinder bleiben in ihren Gruppen und essen dort auch. Die wichtigsten Hygieneregeln lauten: Viel Händewaschen, viel Vorsicht, auf das Zähneputzen wird aber verzichtet.

 

Was bedeutet der eingeschränkte Regelbetrieb?

Zwar dürfen alle der etwa 13.400 Kinder wieder in die Kitas und Kindertagespflegestellen, aber der Betrieb ist eingeschränkt. In der Regel werden die Mädchen und Jungen zehn Stunden/Woche weniger betreut als vereinbart. Für Eltern aus systemrelevanten Berufen (Pflege, Polizei, Stadtwerke, Erzieher o.ä.), die ihre Kinder zuletzt in der Notgruppe zum Teil bis zu 45 Stunden hatten, stehen ab Montag nur noch 35 Stunden Betreuung zur Verfügung. Das ist für viele Eltern ein großes Problem. Knapp 4000 Kinder waren zuletzt „notbetreut“. Die Kitas versuchen, individuelle Lösungen zu finden. Beispielsweise können die Stunden auf weniger Tage verteilt werden, damit Eltern ihrem Beruf nachkommen können.

 

Wie viel Personal steht in den Kitas zur Verfügung?

Etwa 70 bis 90 Prozent der Mitarbeiter wird im Dienst sein. Die Kita-Träger entscheiden eigenverantwortlich, ob bzw. in welcher Funktion Personal eingesetzt wird, das zur Corona-Risikogruppe gehört. Wer aufgrund des Alters oder einer Vorerkrankung dazu zählt und deshalb nicht arbeiten kann oder möchte, muss ein ärztliches Attest vorlegen. Ganz genau wissen die Kitas derzeit noch nicht, wieviel Personal ab Montag genau bereit stehen wird. Eine Frist zur Abgabe des Attests vor Kita-Wiederbeginn gab es nicht. In den städtischen Kitas werden 92 Prozent der Erzieher zur Verfügung stehen. Schwieriger ist die Situation in den 43 evangelischen Kitas. Aufgrund der Altersstruktur und Vorerkrankungen stehen hier in jeder vierten Einrichtung weniger als 60 Prozent der Erzieher zur Verfügung. Es werden Hilfskräfte benötigt.

 

Wie groß ist der Bedarf an Hilfskräften, um das Personaldelta zu beseitigen?

Bezogen auf alle 147 Kitas und dem Gesundheitsamt werden laut Sozialdezernent Ingo Nürnberger etwa 50 bis 60 Hilfskräfte benötigt. Aber bislang sind sowohl deren Finanzierung sowie der Ablauf und die Rahmenbedingungen unklar. „Wir warten auf das Land NRW“, kritisiert Ingo Nürnberger. Werden 60 Kräfte eingesetzt, entstehen Kosten in Höhe von 450.000 Euro pro Monat. Spätestens wird Personal benötigt, wenn die Kitas laut Land am 1. September zum vollen Regelbetrieb zurückkehren sollen.

 

Werden alle Kinder wieder zurückkehren?

Überwiegend ja, aber nicht alle. Entweder, weil Eltern besorgt sind oder aus anderen Gründen. Bei Kindern mit zum Teil schwersten Behinderungen, die zur Risikogruppe gehören, müssen individuelle Lösungen gefunden werden. In den städtischen Kitas wird mit einer Rückkehrerquote von 87 Prozent gerechnet.

 

Wie lange fällt der Kita-Beitrag weg?

Auch im Juli sollen Bielefelds Kita- und OGS-Eltern keine Beiträge zahlen müssen, möglicherweise auch nicht im August. Dafür macht sich die Politik stark. Eine Beschlussvorlage dazu ist in Arbeit. Das Land NRW und die Kommunen hatten sich darauf geeinigt, dass Eltern für die Monate Juni und Juli nur den halben Kita-Betrag zahlen sollten. Wenn Bielefeld ganz auf Kita-Beiträge verzichtet, bedeutet dies, dass die Stadt auf höheren Kosten sitzen bleibt. Der Verzicht auf die Beiträge führt für die Stadt zu Mindereinnahmen von 1,1 Millionen Euro für die Kitas und 100.000 Euro für die Kindertagespflege. Hinzu kommen noch 400.000 Euro für die Offenen Ganztagsschulen. Gesamtsumme: 1,6 Millionen Euro.

 

Was ist, wenn ein Kind sich infiziert?

Wenn ein Kind mit dem Virus infiziert ist, werden alle Kita-Kinder nach Einverständniserklärung der Eltern von den Mitarbeitern im Gesundheitsamt getestet. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Nach zwei Tagen sollen die Ergebnisse feststehen. Hat ein Kind Symptome, wird erst dieses Kind getestet. Nur wenn es „positiv“ ist, folgt der „Massentest“. Ist ein Kind erkältet, wird nicht automatisch getestet. Ingo Nürnberger rät Eltern, nicht bei jedem kleinen Niesen oder Heuschnupfensymptomen gleich in Panik zu verfallen. Wenn im Herbst aber die Erkältungszeit beginnt, könnte die Frage „Corona oder normale Erkältung“ zu einem Problem werden.

 

Gab es zuletzt Kinder, die sich infiziert haben?

Ja, in den städtischen Kitas gab es drei, vier Fälle – ebenso vereinzelt in anderen Kitas. Die Symptome waren gering. Betroffene Kinder kamen in Quarantäne. Die Ansteckung anderer Kinder blieb aus.

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