Bielefelder Umweltbetrieb beseitigt Nester des Eichenprozessionsspinners – bislang 28 Fälle
Mit dem Staubsauger gegen Nester

Bielefeld (WB). Lange Jahre galt Bielefeld als „gallisches Dorf“, das nicht vom Eichenprozessionsspinner befallen war, während rundum Kommunen mit dem Nachtfalter zu kämpfen hatten. Im vergangenen Jahr aber gab es die ersten Fälle, und in diesem Jahr, sagt Ole Malik vom Umweltbetrieb, sind schon 28 Nester an Eichen bestätigt. Seit zwei Wochen saugen Mitarbeiter des Umweltbetriebes sie von den betroffenen Bäumen ab, am Donnerstag hatten sie Eichen rund um das Cinemaxx im Visier.

Freitag, 05.06.2020, 08:05 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 09:04 Uhr
Gut geschützt und mit einem Asbeststaubsauger rückt Sascha Berg dem handtellergroßen Nest des Eichenprozessionsspinners zu Leibe. Privat ist er schon in Kontakt mit den Brennhärchen der Raupe gekommen, hatte aber nur eine Hautrötung. Foto: Thomas F. Starke

„Die Klimaerwärmung begünstigt das Auftreten der Eichenprozessionsspinner“, sagt Malik. Und nach dem warmen Sommer des vergangenen Jahres war klar, dass der Falter gehäuft auftreten würde. „Der August war ideal für den Schwarmflug.“ Er ist die Balz- und Paarungsgelegenheit, nach der die Weibchen 100 bis 150 Eier in den Kronen von Eichen ablegen. Bis April dauert die Ruhephase, dann beginnt das Larvenstadium. Und dann werden die Mitarbeiter des Umweltbetriebes aktiv und rücken Nestern zu Leibe.

Denn die feinen Härchen der Raupe im dritten Larvenstadium sind Brennhaare, die sich leicht lösen und mit dem Wind davon getragen werden. Kommen sie mit der Haut in Kontakt, können sie allergische Reaktionen auslösen. Die reichen von einer Rötung bis zu deutlichen Pusteln. In seltenen, schweren Fällen können sie einen Schock auslösen. Werden die Härchen eingeatmet, können Bronchitis und Asthma auftreten, gelangen sie ins Auge, kann es zu Bindehautentzündungen kommen.

„Lernen, mit dem Eichenprozessionsschwärmer zu leben“

„Deshalb saugen wir alle Nester ab, die sich in der Nähe von Kitas oder Schulen befinden oder an häufig benutzten Wegen“, erklärt Malik. Bei wenig intensiver Nutzung werden Warnschilder aufgestellt, und haben die Falter ihre Nester an Eichen mitten im Wald oder entlang von Landstraßen, werden sie erst recht verschont – was so ausdrücklich auch der Leitfaden des NRW-Ministeriums für Natur und Landwirtschaft vorsieht.

„Letztlich ist es so, dass wir angesichts der höheren Temperaturen lernen müssen, mit dem Eichenprozessionsschwärmer zu leben“, sagt Malik. Zudem: Bleiben Nester erhalten, rufen sie durchaus Fraßfeinde wie Kuckuck, Pirol oder Schlupfwespen auf den Plan. „Die Falter gehören eben zum Ökosystem.“

Innerstädtisch allerdings schauen Malik und seine Kollegen genau hin. „Wir gehen die Bäume ab, in dem im Vorjahr Nester waren und diejenigen, die uns von Bürgern gemeldet werden“, erklärt Malik. Muss ein Nest entfernt werden, werden die betroffenen Eichen mit einem gelben Punkt markiert. Da die meisten Nester höher im Baum sind, rückt der Umweltbetrieb mit einem Hubsteiger an. Speziell ausgebildete Fachleute wie Sascha Berg saugen dann – ihrerseits geschützt durch „volle Montur“ – die Nester mit einem Asbestsauger ab. Das Ganze wandert dann in die Verbrennung.

Nester bei der Stadt melden

Ansonsten aber warnt Malik Privatleute ausdrücklich davor, die Nester auf eigene Faust abzuflämmen. „Dann verteilen sich die Härchen in einer großen Hitzewelle wie ein Atompilz.“ Und natürlich sollte man weder Nester noch Larven berühren.

Wer also meint, das Nest des Eichenprozessionsspinners entdeckt zu haben – es besteht durchaus die Chance der Verwechslung –, sollte sich bei der Stadt melden, idealerweise über die Bielefeld-Service-App. Dort gibt es einen Mängelmelder, auf dem mit einer virtuellen Stecknadel der genaue Standort einer betroffenen Eiche zu lokalisieren ist. „Unter Umständen kann man auch ein Foto hochladen, daran können wir oft schon sehen, ob es wirklich ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner ist oder etwa Gespinstmotten sich eingenistet haben.“ Die Nester der Prozessionsspinner, erklärt Malik, können fünf Zentimeter Durchmesser haben oder sich, wenn viele ineinander gewachsen sind, über einen Meter erstrecken. „Das größte, das wir bislang hatten, war so groß wie ein DIN-A4-Blatt.“

Ausdrücklich allerdings ist der Umweltbetrieb nur für Bäume auf öffentlichen Flächen zuständig, nicht für Eichen in Privatgärten, betont Malik. „Privatleute müssen sich an Unternehmen für Baumpflege oder Schädlingsbekämpfung wenden, die haben in der Regel auch zertifizierte Mitarbeiter.“

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