Haftbefehl gegen Schülerin aus Bielefeld aufgehoben
Mordversuch: 14-Jährige nach Bayern verlegt

Bielefeld (WB). Eine 14 Jahre alte Schülerin aus Bielefeld, die seit Ende April wegen versuchten Mordes an einer 15-Jährigen hinter Gittern saß, ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. „Sie lebt jetzt in Bayern in einer geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung” sagt Staatsanwältin Claudia Bosse, die die Ermittlungen leitet.

Dienstag, 02.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 05:02 Uhr
Polizisten und Sanitäter stehen vor dem Haus, in dem die Schülerin niedergestochen wurde. Foto: Müller

Die beiden Mädchen, die eine 9. Klasse der Gertrud-Bäumer-Realschule besucht haben sollen, hatten sich am Abend des 26. April im Keller eines Mehrfamilienhauses getroffen – möglicherweise, um sich nach einem Streit auszusprechen. Die Mordkommission geht davon aus, dass die Jüngere dort zu einem Messer griff und immer wieder zustach . Die Waffe soll die 15-Jährige etwa ein Dutzend mal in den Rücken und in die Brust getroffen haben.

Rechtsanwalt Peter Rostek aus Bielefeld vertritt das Opfer. „Das Mädchen konnte schon vor einiger Zeit wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Es kann sich den Angriff allerdings überhaupt nicht erklären.” Auch für Strafverteidiger Baris Devletli aus Bad Oeynhausen, der die 14-Jährige verteidigt, ist der mutmaßliche Mordversuch „nicht nachvollziehbar”, wie er sagt. „Nach meiner Kenntnis waren die beiden Mädchen seit langer Zeit die besten Freundinnen. Meine Mandantin, die bis vor einiger Zeit eine Musterschülerin war, sagt, sie könne sich nicht erinnern, was an jedem Abend passiert sei.” Sie habe das Messer auch nicht zu dem Treffen mitgebracht. „In dem Haus war eine Baustelle, da lagen Werkzeuge herum.” Das Messer habe Handwerker möglicherweise dazu gedient, Zementsäcke zu öffnen.

Das Mädchen wurde inzwischen vom Kinder- und Jugendpsychiater Johannes Völler aus Marsberg untersucht, der sein Gutachten allerdings noch nicht fertiggestellt hat.

Zu Verlegung der 14-Jährigen nach Bayern sagt Staatsanwältin Claudia Bosse, im Jugendstrafrecht stehe der Erziehungsgedanke vor der Bestrafung. Deshalb sei es nicht förderlich gewesen, das Mädchen weiter in der Untersuchungshaft zu lassen. Es sei nicht einfach gewesen, eine entsprechende geschlossene Einrichtung für das Mädchen zu finden.

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