Bielefelds erste Autokonzerte im Brackweder Gleisdreieck
Live-Musik – aber aus dem Radio

Bielefeld (WB/sas). Die Schwestern Lina und Elea sind Fans von „Frank und seinen Freunden“. Als der Robotersong ertönt, drücken sie ihre Begeisterung aus: Sie hupen laut und lang. Denn ihr Klatschen könnte Frank auf der Bühne nicht hören. Schließlich sitzen die Mädchen in Papas Auto – beim Autokonzert im Brackweder Gleisdreieck.

Dienstag, 02.06.2020, 09:00 Uhr
Kleine Plüsch-Zappeltiere vom großen Zappeltier gab es für Pia (links) und Emma, die mit Mama Nicola zum Konzert von Frank und seinen Freunden angereist waren. Und weil es schwierig ist, im Auto Applaus zu spenden, haben sie eben gehupt. Foto: Bernhard Pierel

Veranstalter des ungewöhnlichen Events an den Pfingsttagen war der Bielefelder Christian Jungeilges. „Eigentlich habe ich eine Firma für Veranstaltungstechnik. Aber Veranstaltungen finden derzeit nun einmal nicht statt. Da bin ich auf die Idee gekommen, selbst etwas auf die Beine zu stellen.“ Und so gab es Live-Musik von der Bühne, bei der die Musiker zu sehen und über das Autoradio zu hören waren – wie eben Frank aus Osnabrück, der sein Zappeltier mitgebracht hatte.

Im Repertoire hat er zwar auch Partysongs für die Großen, Samstagnachmittag aber richtete er sich an sein junges Publikum, sang von zwei kleinen Wölfen, der Gummibärenbande oder den Kindern vom Süderhof. Und statt Applaus gab es für ihn ein Hupkonzert oder wurde die Warnblinkanlage eingeschaltet. Und an den Stellen, an denen die Kinder sonst mit den Armen schwenken, haben sie eben den Scheibenwischer betätigt.

„Das ist eine völlig neue Erfahrung“

„Vor drei Monaten hätte ich noch gesagt, dass es das nicht gibt. Das ist eine völlig neue Erfahrung“, resümierte der Künstler. „Die Zeit ist eben so. Aber auf Dauer wäre das nichts.“ Knapp 200 Autos hätten vor der Bühne Platz gefunden, bedauerlich für Jungeilges war, dass nur etwa 25 Eltern mit ihren Kindern gekommen waren. „Vielleicht muss sich so etwas erst herumsprechen“, meinte er.

Am Abend spielten dann die „Emsperlen“ auf – vor noch weniger Publikum. Die allerdings, die gekommen waren, hatten ihr Vergnügen – wie etwa Familie Wallas aus Schloß Holte, die die geringe Resonanz eigentlich nicht verstehen konnte: „So eine tolle Band.“ Die Wallas wurden sogar eigens von der Bühne aus begrüßt. „Die Emsperlen haben vor 13 Jahren bei unserer Hochzeit gespielt“, erzählten Daniela und René Wallas. Nun waren sie mit ihren Töchtern Stella und Carla gekommen, um sie teilhaben zu lassen.

Mehr los war dann am Sonntagabend bei der Autodisco mit den DJs auf der Bühne: 110 Autos waren bereits angemeldet, erzählte Veranstalter Jungeilges. „Darauf haben sich die Leute lange gefreut. Da wird im Auto mitgewippt und gesungen.“ Tickets gab es für alle Konzerte und die Disco vorab im Internet, eine Abendkasse wurde nicht geöffnet. Ob es eine Wiederholung der Autokonzerte gibt, ist für Jungeilges noch nicht ausgemacht. „Der Aufwand war doch recht groß, wir mussten mit vielen Ämtern sprechen. . .“ Vielleicht gibt es eine Neuauflage der Disco. Und „nach Corona“ möglichst eine Open-Air-Veranstaltung. „Wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt.“

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