Flugplatz Windelsbleiche: Bielefelder Initiative beklagt Ankunft des Tönnies-Jets in der Feiertags-Pause
Unmut über späte Landung

Bielefeld  (WB). Die Landung eines Jets des Tönnies-Konzerns auf dem Flugplatz Windelsbleiche außerhalb der zulässigen Zeiten hat jetzt Anwohner auf den Plan gerufen. In einem Schreiben an den Oberbürgermeister beklagt die Bürgerinitiative Landeplatz Senne, dass das in Windelsbleiche stationierte Flugzeug Karfreitag um 13.28 Uhr gelandet war – feiertags seien Starts und Landungen aber zwischen 13 und 15 Uhr untersagt.

Mittwoch, 27.05.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 15:50 Uhr
Die Jets des Tönnies-Konzerns sind auf dem Flugplatz Windelsbleiche stationiert. Foto: Thomas F. Starke

Gerhard Reckmann, Sprecher der Initiative, spricht von einer „rücksichtslosen Vertragsverletzung“, zumal Geschäftsführer Carsten Köhne vom ansässigen Luftfahrtunternehmen Gullwing Aviation, dem der Betrieb des Jets obliege, gleichzeitig Technischer Betriebsleiter des Flugplatzes ist, Lars Oliver Geertz als Geschäftsführer der Flughafen Bielefeld GmbH zugleich regelmäßig als Pilot am Steuer des Tönnies-Fliegers sitze.

Für die Stadt Bielefeld ist der Fall erledigt, weil der Flugplatz sein Bedauern bereits ausgedrückt habe, heißt es in einer Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Die Nutzer des Platzes seien bemüht, Regelungen möglichst einzuhalten, es seien aus den vergangenen 15 Jahren nur wenige Abweichungen bekannt.

Auch Lars Oliver Geertz wollte den konkreten Flug auf Anfrage nicht kommentieren. Der Flugplatz-Chef weist indes darauf hin, dass es immer mal zu Verspätungen bei Abflug- und Ankunftszeiten kommen kann, was auf technische Gründe oder das Wetter zurückzuführen sein kann.

Verfahren ist noch nicht abgeschlossen

Aus diesem Grund haben Stadt und Flughafen GmbH 2017 ein Verfahren angestoßen, um Ausnahmen zu den bislang geregelten Luftbewegungen möglich zu machen. Ein 2003 vereinbarter so genannter Mitbenutzungsvertrag zwischen der Stadt Bielefeld als Eigentümerin des Platzes und der Flughafen GmbH regelt die Zahl der jährlichen Flüge ebenso wie die Start- und Landezeiten.

Aus Sicht der Geschäftsführung könnte ein Kontingent von insgesamt 50 Starts und Landungen pro Jahr vereinbart werden, die auch außerhalb der üblichen Zeiten erlaubt wären. Geertz hält die Änderung auch mit Blick auf die Auslastung des Flugplatzes für vertretbar: Erlaubt sind demnach 22.000 Starts und Landungen von Motorflugzeugen jährlich, 2019 waren es tatsächlich 14.500.

Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, laut Büro des OB wird eine Änderung des Mitbenutzungsvertrags „derzeit nicht weiter verfolgt“. Die Bürgerinitiative vermutet, dass es keine politische Mehrheit für eine entsprechende Änderung des Vertrags gebe und drängt OB Pit Clausen, dessen Einhaltung durchzusetzen.

Kommentare

Katrin Heb.  wrote: 28.05.2020 00:16
Leider muss ich als ehemalige Fliegerin zustimmen
Ich lebe mit meiner Familie seit fast 20 Jahren im Endanflug des Flugplatz. Wir selber sind seid über 30 Jahren Segelflieger (nicht in der Senne) und kennen die üblichen Abläufe solcher Verkehrslandeplätze.
Wir haben nie verstanden warum in den letzten 2 Jahrzehnten zu den unmöglichsten Zeiten, selbst "nachts" die Flieger hier über der Siedlung reinlanden durften, so dass man senkrecht im Bett saß und die Kinder erschrocken wach wurden.
Ich halte es alleine aus Sicherheitsgründen für unhaltbar im Dunkeln mit den Jets hier reinzulanden, denn diese brauchen jeden Meter der Landebahn und müssen daher extrem tief über die Häuser anfliegen. Oftmals trennen nur wenige Meter immergleiche ansässige Flieger und die Bäume des Nachbarn.
Man muss einfach ehrlich sein und verstehen, dass diverse Unternehmer/ Geldgeber einfach die Hebel in der Hand haben und die Politik davon abhängig ist.
Bernhard Eßer  wrote: 27.05.2020 23:37
Bitte Alternativen benennen
Flüge sind minutengenau planbar: Slots und Routen werden zugewiesen, Wind und Wetter machen Umplanung nötig. Alternativen? Den Landung nach Paderborn umlagern um dann um 15.00 Uhr einen weitern unnötigen Flug durchzuführen? Bis 15.00 sinnlos in der Luft kreisen? (Kerosin Reserve wird meist mit 30 Min. kalkuliert! ) Mit gestaffelten Landegebühren kann man Termintreue fördern - nur landen lassen muss man sie schon.
Marco Müller  wrote: 27.05.2020 23:25
Empörung fehl am Platz
Ich kann mich meinen Mit-Kommentatoren nur anschließen.

Dass ostwestälische Unternehmen Düsenjets am Flugplatz Bielefeld stationiert haben, zeugt von der starken Wirtschaftskraft der Region. Von dieser profitieren wir alle, jetzt und in Zukunft! Möchten die Teilnehmenden der Initiative lieber in einem strukturschwachen Gebiet leben? Dort gäbe es diese "Probleme" vermutlich nicht - dafür aber andere wie zum Beispiel mangelnde Perspektiven, kaum Arbeitsplätze usw.

Und: Gerade während der Corona-Krise ist es am Himmel so ruhig geworden, dass es wahrscheinlich überhaupt erst möglich wurde, die Aufmerksamkeit auf den Tönnies-Jet zu lenken. So ein Anflug ist in kürzester Zeit ja auch wieder beendet...
Heinz  wrote: 27.05.2020 21:36
Realsatire?!
Einfach köstlich der Artikel. Witzig, dass der OB tatsächlich geäntwortet hat.
Sebastian Keller  wrote: 27.05.2020 14:27
Deutschland verkommt zur Verbotskultur
Es macht mich unsäglich traurig, wenn ich so einen Artikel lesen muss.

Wegen einer einzigen Landung, die nicht innerhalb der üblichen Öffnungszeiten stattfindet, wird hier agiert, als wäre es der Weltuntergang.

Jegliche Verhältnismäßigkeit fehlt hier meines Erachtens. Ja, es gibt Übereinkünfte, und ja, an die halten sich die betroffenen Parteien ja schließlich auch weitestgehend. Prozentual ausgedrückt ist diese eine Landung außerhalb der Öffnungszeiten genau 0,0068% der tatsächlichen und nur 0,0045% der maximal möglichen Landungen pro Jahr. Das ist statistisch schon gar nicht mehr erfassbar.

Leider wird so eine (Be)-Klagementalität immer opportuner. Parteien wie die SPD und allen voran die Grünen machen es uns ja täglich vor. Verbote, Verbote, Verbote. Statt vernünftiges, menschliches Miteinander und etwas Verständnis füreinander.

Kommt es nur mir so vor, dass Bürgerinitiativen sich häufig aus Menschen rekrutieren, die sich total in "Ihre Sache" verrannt haben? Deren einziger Lebensinhalt es ist, sich aufzuregen?

Solche Initiativen kann ich nicht ernst nehmen. Ihnen fehlt m.E. jegliche Kredibilität. Damit schaden sie sich aber eher selbst, als in Ihrer Sache etwas zu bewegen.

Thomas Endriss  wrote: 27.05.2020 13:37
Sonst haben die keine Probleme?
Bei solch einer Meldung kann ich über die "Bürgerinitiative" nur den Kopf schütteln. Wenn die Leutchen keine anderen Probleme haben, als nach EINER Landung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten ein Fass aufzumachen, dann kann man eigentlich nur gratulieren! Mann, geht es uns doch gut in Deutschland, wenn so eine Nichtigkeit ein Aufreger ist.
Unfassbar, diese Kleinkrämerei...
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