Founders Foundation, Garage 33, Denkwerk: Start-ups widerstehen der Krise „ganz gut“
Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf

Bielefeld/Paderborn/Herford (WB). Den Start-ups fehlt derzeit der Kontakt zu Kunden und Geldgebern – aber auch zu den Mitstreitern im sogenannten Coworking-Space. Trotzdem ist die Szene bislang vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Das jedenfalls ist der Eindruck in den Hotspots der Gründerszene in OWL bei der Founders Foundation in Bielefeld, der Garage 33 in Paderborn und dem Denkwerk in Herford.

Freitag, 15.05.2020, 03:28 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 05:02 Uhr
Foto: Schwabe

Jannis Johannmeier ist in Bielefeld gerade dabei, Trailblazers (deutsch: Wegbereiter) zu gründen. Die bereits sechs Beschäftigten wollen Unternehmen, die in der digitalen Welt zu Hause sind, Zugang zu denen verschaffen, die sich in den neuen Themen nicht so auskennen. „Zum Glück“, sagt er, „haben wir schon einige Kunden.“ Dazu zählen neben der Founders Foundation, in der Johannmeier zuvor als Pressesprecher arbeitete, Schüco, Valuedesk und das Projekt Open Innovation City Bielefeld. Diese Projekte ließen sich, als Corona das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland lahmlegte, auch vom Homeoffice managen. Auch der Kontakt zu den Außenstellen von Trailblazers in Berlin und Hannover klappe „ganz gut“. Dagegen sei die Gewinnung neuer Kunden ohne das persönliche Gespräch derzeit kaum möglich. Auch wenn viele Gründer bisher gut durch die Krise gekommen seien: Sehr lange dürfe sie nicht andauern.

Das bestätigt auch Oliver Flaskämper, Gründer unter anderem des Denkwerks in Herford, Investor sowie Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Er berichtet, dass die Gründer in Herford nur etwa die ersten ein, zwei Wochen zu Hause geblieben seien. Danach hätten sich die Büros im Denkwerk wieder langsam gefüllt – auf etwas mehr Abstand und ohne das vorher übliche gemeinsame Frühstück. Während es seit kurzem wieder ein Frühstücksangebot gebe, sei die Sauna im Denkwerk natürlich noch geschlossen. Flaskämper glaubt, dass Coworking-Arbeitsplätze nach dem derzeitigen „Dornröschenschlaf“ sogar stärker gefragt sein werden: „Home­working ist, wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, eine Zeit lang ganz nett. Aber auf Dauer brauchen die Menschen auch den sozialen Kontakt.“

Während etwa die Anbieter von Online-Marktplätzen auch in der Krise gut zu tun hätten, hätten andere zu kämpfen. Das hänge stark von der Zielgruppe ab, sagt Flaskämper. Wenn diese, wie beim Start-up Zahnarzthelden die Zahnärzte, selbst von der Krise betroffen seien, sei derzeit kaum Umsatz zu erwirtschaften. Ein anderes Problem sei der Zugang zu Risikokapitalgebern, die in der Krise vorsichtig geworden seien.

Im Gegensatz zum Denkwerk sind in der Garage 33 in Paderborn derzeit noch alle Arbeitsplätze ins Homeoffice verlegt. „Wider Erwarten geht das aber sehr gut“, sagt Artur Hartel, Wirtschaftswissenschaftler in Paderborn und Gründungscoach bei Tech­UP, der Verbindungsstelle von Garage 33 zur Universität. Vergleichsweise gut stünden diejenigen da, die schon Kunden hätten und jetzt verstärkt an den Projekten arbeiteten. Es gebe ja gute Programme für Videokonferenzen; er selbst habe inzwischen sechs oder sieben auf seinem Computer installiert. Nur, hier bestätigt Hartel die Aussage von Johannmeier, die Gewinnung von Neukunden sei derzeit kaum möglich.

Hartel, der an der Uni Paderborn Erstgespräche mit gründungswilligen Studenten führt, sieht gute Chancen, dass die Start-up-Kultur in OWL nach der Corona-Krise bald wieder zu neuer Blüte erwacht. Nie habe er bisher mehr Anfragen gezählt als im März 2020. Im April habe es zwar, nicht zuletzt auch wegen der Osterferien, einen Rückgang gegeben: „Aber das war alles andere als ein Einbruch.“ Aus finanzieller Sicht wichtig sei die Verlängerung laufender Gründungsstipendien des Landes NRW um weitere drei Monate gewesen. Trotzdem werde die Lage schwierig, wenn sich die fundamentale Krise noch länger als drei bis sechs Monate hinziehen werde.

Bei der Founders Foundation in Bielefeld, die Gründer im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung schult und begleitet, hat am Donnerstag die zweite Phase der Neustarts begonnen. Nach Angaben von Geschäftsführer Sebastian Borek sind nun 50 Prozent der Büroarbeitsplätze wieder besetzt. Der vorgeschriebene Abstand auch auf den Wegen im Haus sei sichergestellt. Plakate weisen auf die geänderten Verhältnisse humorvoll hin. So müsse auf den typischen Founders-Gruß – Faust auf Faust – verzichtet werden; „Der neue Gruß ist ein Lächeln.“

Nach Angaben Boreks sind es die Gründer gewohnt, Schritt für Schritt vorzugehen und bei Veränderungen oder Herausforderungen zeitnah zu reagieren: „Die Art und Weise, wie die Politik jetzt agieren muss, ist in der DNA der Start-ups schon verankert.“ Aktuell gebe es in der Founders Foundation, niemanden, der vom Coronavirus infiziert sei. Auch sei kein Unternehmen – „Stand jetzt“ – in der Existenz bedroht. Einige profitierten sogar. Dazu gehöre das Start-up Semalytics. Es durchforscht für Pharmaunternehmen mit Hilfe künstlicher Intelligenz das Internet nach Angaben zu bestimmten Krankheiten.

Borek geht davon aus, dass nach der Corona-Krise die Zahl der Neugründungen steigen wird – „genauso wie nach dem Platzen der Dot.com-Blase und nach der Finanzkrise“. Die von der Founders Foundation veranstaltete Konferenz „Hinterland of things“ hat sich in OWL und darüber hinaus zum Treffpunkt von Start-ups und mittelständischen Investoren entwickelt. Das nächste Mal soll sie am 18. Februar 2021 im Bielefelder Ringlokschuppen stattfinden. „Der Termin steht weiter“, sagt Borek. Das Thema, schon vor ein paar Monaten gewählt, könnte angesichts der Corona-Krise nicht aktueller sein: Resilienz – Widerstandsfähigkeit.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7409964?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Maskenpflicht in NRW auch im Unterricht
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker