In Bielefelds Lokalen läuft der Betrieb unter strengen Corona-Bedingungen wieder an
Das Ende der Durststrecke

Bielefeld (WB). Fast acht Wochen gastronomiefreie Zeit war für viele Bielefelder im wahrsten Wortsinn eine Durststrecke. Das Abendessen außer Haus, der Espresso beim Italiener, der Cafébesuch als willkommene Unterbrechung des Einkaufsbummels – nicht wenige haben dieses Vergnügen in der Corona-Krise schmerzlich vermisst. Auf die Wiedereröffnung haben die Gastronomen aber offenbar mehr gebrannt als die Gäste: Die Resonanz am Montag war verhalten, bei nur zehn Grad blieben vor allem die Tische im Außenbereich leer.

Dienstag, 12.05.2020, 06:00 Uhr
Barkeeper Dawid Tabaczyk kann im 3Eck an der Ritterstraße nach dem Ende der Corona-Zwangspause endlich wieder die Gläser füllen. Foto: Bernhard Pierel

„Aber es gibt Reservierungen für die nächsten Tage“, sagt Daniela Werning, Geschäftsführerin von Wernings Weinstube am Alten Markt. Am Tag eins nach der Zwangspause sind einzelne Gäste und einige Paare im Lokal unterm Theater. „Sie verhalten sich sehr vorbildlich und verständnisvoll“, sagt Daniela Werning mit Blick auf die strengen Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Virus verhindern sollen : Im Eingangsbereich ist eine Maske zu tragen, sind Hände zu desinfizieren. Gäste müssen Name und Anschrift hinterlassen für den Fall, dass das Gesundheitsamt Infektionsketten nachvollziehen muss. Mitarbeiter der Weinstube geleiten die Gäste zum Platz, um sicherzustellen, dass sie sich nicht an einen Tisch setzen, der nach dem Besuch vorheriger Gäste noch nicht desinfiziert wurde.

Zahl der Plätze mehr als halbiert

Die Geschäftsführerin sieht es als größte Herausforderung, die Besucher zu lenken, wenn das Wetter auch im Außenbereich Andrang beschert. Absperrungen sollen dann sicherstellen, dass sich Besucher nicht einfach irgendwo hinsetzen. Drinnen wie draußen hat sich die Zahl der Plätze auf insgesamt 66 mehr als halbiert, um Gäste auf den notwendigen Abstand zu halten. Umso wichtiger sei es, dass das Wetter bald auch die Plätze draußen füllt. Denn bei reduzierter Tischzahl bleiben Umsätze aus, während Personal- und Mietkosten unverändert hoch bleiben.

Aus diesem Grund machen auch nicht alle Gastronomen mit. Werning befürchtet, dass die Öffnung auch für sie teurer sein könnte, als das Lokal geschlossen zu halten: „Wir tasten uns langsam ran, probieren aus und beobachten.“

Andreas Büscher, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Ostwestfalen und Betreiber des Hotels Büscher in Quelle, geht davon aus, dass die Gastronomen unter Corona-Einschränkungen nur 20 bis 40 Prozent der üblichen Umsätze erzielen. Ibrahim Sulu vom 3Eck an der Ritterstraße befürchtet, dass das nur wenige Wochen lang durchzuhalten ist. Er hofft, ebenso wie Dehoga-Chef Büscher, auf weitere staatliche Unterstützung für die Branche.

Fürs 3Eck habe es bislang 25.000 Euro gegeben – bei mehr als 40.000 Euro Verlust während der Pause. Die hatte man genutzt, um zu renovieren. Nun stehen Tische weiter auseinander, sind an jeder zweiten Tischreihe die Stühle entfernt worden, um Gäste auf Abstand zu halten. Trotz geringerer Einnahmen ist Ibrahim Sulu zufolge der Personalaufwand derzeit besonders hoch, weil jemand die Gäste am Eingang in Empfang nehmen muss, um auf Einhaltung der Hygiene-Vorschriften zu achten, weil nach jedem Gast der Tisch und die Speisekarte, selbst der Kugelschreiber, mit dem Personendaten einzutragen sind, desinfiziert werden.

Hoffen auf schöneres Wetter

Getränke- und Speisekarten sind von Tischen verschwunden und werden von den Mitarbeitern bei Bedarf gebracht, um nur das anschließend zu reinigen, was tatsächlich angefasst wurde. Aus demselben Grund stehen keine Salz- und Pfefferstreuer auf den Tischen, sondern sind die Gewürze auf Anfrage in Portionstütchen erhältlich.

Auch im 3Eck sind am Montag nur wenige Gäste zu sehen. Statt bis zu 60 Tische in der Mittagszeit sind es rund zehn, an denen die Mitarbeiter Besucher bewirten. „Wir hoffen auf die nächsten Wochen“, sagt Sulu – und auf Verständnis der Gäste. Am ersten Tag seien Besucher an der Tür umgedreht, weil sie auf dem Weg zum Tisch Mundschutz tragen sollten. Man müsse sich wohl erst an die neuen Regeln gewöhnen. Weil auch an der Ritterstraße die Außengastronomie wichtiger Bestandteil des Geschäftes ist, hofft das 20-köpfige Team auf wärmeres Wetter.

Kommentare

Stephan Sander  wrote: 12.05.2020 18:15
Das Ende der Durststrecke
Ja! Endlich wieder Bier Zapfen. Jedoch hat der Kollege es mit der Maske nicht so ernst genommen.
Villeicht hat Er die Maske nur für das Foto heruntergezogen????
Auf der Titelseite vom 12.05.2020 zapft er immernoch.
Und die Maske immernoch unterm Bart.
Die Hygieneregeln scheint man doch noch nicht verinnerlicht zu haben.
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