Gläubiger ziehen anderen Investor dem Städtischen Klinikum Bielefeld vor
MVZ-Übernahme scheitert erneut

Bielefeld (WB). Das Städtische Klinikum Bielefeld steigt nun doch nicht in die wirtschaftlich angeschlagene dermatologische Ärztegemeinschaft an der Otto-Brenner-Straße ein, um das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als neues Tochterunternehmen zu übernehmen. Der Rat hatte der Beteiligung im April bereits zugestimmt, sogar die Umbenennung in „Medizinisches Versorgungszentrum Teuto des Klinikum Bielefeld GmbH“ auf den Weg gebracht. Der Gläubigerausschuss im Insolvenzverfahren hat dem zweiten Anlauf des städtischen Klinikums, das MVZ zu übernehmen, aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Dienstag, 12.05.2020, 11:00 Uhr
Zum zweiten Mal ist das Städtische Klinikum damit gescheitert, das MVZ an der Otto-Brenner-Straße 114 zu übernehmen. Die Gläubiger bevorzugen einen anderen Investor. Foto: Peter Bollig

Wie Stadtkämmerer Rainer Kaschel in einer Vorlage für die nächste Ratssitzung am Donnerstag schreibt, hatte das Klinikum dem Insolvenzverwalter ein Sanierungskonzept vorgelegt, die Gläubigerversammlung habe sich aber für das Konzept eines anderen Bewerbers entschieden und das Angebot der Städtischen Kliniken somit nicht angenommen.

Interessent wird nicht benannt

Gravierende Unterschiede zwischen den beiden Angeboten habe es nicht gegeben, sagt Rechtsanwalt Dr. Holger Theurich, Verfahrensbevollmächtigter der Ärztegemeinschaft im Insolvenzverfahren, auf Anfrage. Das andere Sanierungskonzept sei „wirtschaftlich besser“ gewesen. Ziel sei es vor allem, den Fortbestand des MVZ mit den Ärzten und weiteren Mitarbeitern zu gewährleisten. Wer der Interessent ist, wollte Theurich auf dessen Wunsch hin nicht sagen. Denn auch dazu soll es noch eine abschließende Entscheidung geben. „Es ist aber kein Klinikum“, sagte der Verfahrensbevollmächtigte.

Damit sind nunmehr zwei Kliniken mit dem Übernahmeversuch gescheitert. Wie berichtet, hatten sich das Klinikum Lippe und die Ärztegemeinschaft bereits über eine Übernahme verständigt. Die Bezirksregierung Detmold lehnte aber ab, nachdem das Bielefelder Klinikum, das damals ebenfalls Interesse bekundet und mit der Ärztegemeinschaft verhandelt hatte, sowie niedergelassene Ärzte Widerspruch einlegten, weil sie eigene Interessen gefährdet sahen.

Insolvenzplan ist in Arbeit

Das Städtische Klinikum und die Ärztegemeinschaft traten daraufhin erneut in Verhandlungen ein, die Holger Theurich zufolge trotz vorangegangener gegenseitiger Vorwürfe „fair und offen“ geführt worden seien. Am Ende entschied die Gläubigerversammlung aber anders. Im Zuge des Insolvenzverfahrens werde derzeit ein Insolvenzplan ausgearbeitet und in Kürze dem Gericht vorgelegt. Abschließend soll die Gläubigerversammlung dem Plan zustimmen.

In der Ärztegemeinschaft an der Otto-Brenner-Straße mit dermatologischem Schwerpunkt waren zuletzt 41 Mitarbeiter beschäftigt, darunter elf Ärzte. Sie versorgen rund 30.000 Patienten. Der Betrieb läuft trotz des Insolvenzverfahrens weiter.

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