Anspruch der Bundespolizei auf die Catterick-Kaserne hat Auswirkungen auf Trasssenverlängerung
Stadtbahn-Planung vorerst angehalten

Bielefeld (WB). S eit Jahren laufen die Planungen für eine Stadtbahn-Verlängerung nach Hillegossen. Nachdem die ehemalige Catterick-Kaserne vorerst von der Bundespolizei genutzt werden soll und damit nicht kurzfristig für die Entwicklung von Wohnen und Gewerbe zur Verfügung steht, haben die Stadt und die Verkehrsbetriebe Mobiel die Vorbereitungen für eine Stadtbahntrasse weiter in den Bielefelder Osten nun jedoch vorerst gestoppt.

Montag, 11.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 15:04 Uhr
Aktuell gibt es Varianten für eine Stadtbahnverlängerung nach Hillegossen. Favorit der Planer ist die Weiterführung der Linie 2 von Sieker aus über die Detmolder Straße.

Wirtschaftlichkeit unklar

Der Grund: Die Verlängerung der Stadtbahn nach Hillegossen sei maßgeblich mit der zukünftigen Nutzung des Kasernengeländes verbunden, erklärt Olaf Lewald, Leiter des städtischen Amts für Verkehr. Denn Grundlage für die Planung ist, wie viele Menschen künftig auf dem 34 Hektar großen Gelände wohnen und arbeiten, die dann potenziell auch die Stadtbahn nutzen. „So lange es also zu der Art der Bebauung und Nutzung keine Klarheit und damit keine belastbare Aussagen zu der Wirtschaftlichkeit gibt, können wir auch keine belastbare Vorschläge für die Stadtbahn machen“, so Lewald. Zumal die Wirtschaftlichkeitsberechnung auch ein wichtiger Faktor für die Förderung der Stadtbahnverlängerung sei.

Hinzu komme, dass der Abschlussbericht des externen Büros, das in die Planungen mit einbezogen wurde, noch nicht vorliege. Darin werde auch die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Trassenvarianten bewertet. Lewald: „Diesen Bericht müssen wir ohnehin abwarten.“

Sobald verbindliche Informationen vorlägen, werde die Planung wieder aufgenommen. „Wir haben das Projekt auf keinen Fall zu den Akten gelegt, ganz im Gegenteil. An der Stadtbahnverlängerung nach Hillegossen haben wir und Mobiel weiter sehr großes Interesse“, betont Lewald.

Vorbereitungen laufen weiter

Laut Sven Dodenhoff, im städtischem Bauamt für die Konversion der ehemaligen Kasernen in Bielefeld zuständig, laufen die Vorbereitungen für die Neuplanung der Areale selbst unterdessen allerdings weiter.

Und die Bundespolizei will das Catterick-Gelände, wie berichtet, nur befristet als Ausbildungszentrum nutzen. Mehrfach hat das Bundesinnenministerium mitgeteilt, dass dort nur bis Mitte 2024 angehende Bundespolizisten geschult werden sollen – und dass dafür auch nur ein Teil der Kasernenfläche benötigt werde, hatte Ministeriums-Sprecher Björn Grünewälder Ende April mitgeteilt.

Für den Bau einer Stadtbahn bis nach Hillegossen sind zwei grundsätzliche Varianten denkbar: Eine Weiterführung der Stadtbahnlinie 2 von der bisherigen Endhaltestelle Sieker aus oder eine Verlängerung der Linie 3 von ihrem derzeitigen Endpunkt Stieghorst-Zentrum aus. Dafür haben die Planer – auch in mehreren Bürgerdialogen – vier Strecken herausgearbeitet, die genauer unter die Lupe genommen werden sollen.

Vier Trassen im Gespräch

Dazu zählen zwei Trassenführungen, die an der jetzigen Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 3 in Stieghorst ansetzen und zwei, bei denen die Stadtbahn als Verlängerung der Linie 2 von Sieker aus nach Hillegossen führt: über die Osningstraße und den Lipper Hellweg oder geradeaus über die Detmolder Straße.

Die Trasse über die Detmolder Straße ist dabei bislang diejenige, die die Planer auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit bevorzugen – und die dann direkt an der Catterick-Kaserne entlang führen würde. Der Nachteil: Sie würde auch die meisten Einschränkungen für den Autoverkehr bedeuten, da es auf der Detmolder Straße dann voraussichtlich an vielen Stellen nicht bei zwei Fahrspuren in jede Richtung bleiben könnte.

Bis die Stadtbahn tatsächlich bis nach Hillegossen fahren wird, wird es aber noch viele Jahre dauern.  Der Zeithorizont, von dem die Planer bislang ausgehen, sollte er sich nicht durch die Neuerungen verschieben: 2030.

Kommentare

Ein Siekeraner  wrote: 15.05.2020 17:05
Wird bis dahin eh' wieder alles umgeschmissen
Hätte die Politik nicht jahrzehntelang geschlafen, wäre die Linie 3 schon längt in Hillegossen angekommen! "Belastbare Aussagen zu der Wirtschaftlichkeit" gab es schließlich schon.
Und ja, die "armen" Einwohner des Neubaugebietes hätten dann ganze 500m (!!!) zur Haltestelle "Stieghorst Zentrum" laufen müssen. Oder den Bus nehmen - da die Buchten jetzt weg sind, ist's doch egal, wo man die Schilder hin stellt.
Aber nein, irgendwie muss man ja die letzte tatsächlich nutzbare Hauptstraße in der Gegend auch noch kaputt kriegen. Oder wenigstens ohne Not für Jahre unbenutzbar machen.
Man kann nur hoffen, dass die nun verfügbare Zeit auch genutzt wird, um zur Abwechslung mal im Vorfeld mit Bund und Land die Rahmenbedingungen zu klären.
Durch das ewige hin- und herschieben des Schwarzen Peters bei OWD und Brackweder/Paderborner Str. könnte man bei der Stadt nun so langsam wissen, mit wem man dort reden muss...
...aber dafür kann dann ja dann der nächste (oder übernächste?) Stadtrat sorgen.
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