Bluttat nach Haftentlassung: Gericht will den Fall analysieren
„Justizpanne“ wird geprüft

Bielefeld (WB/hz). Es ist ein Fall, der sieben Tage nach der Tat weiter für große Fassungslosigkeit sorgt. Fünf Wochen nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft soll am Donnerstag der vergangenen Woche ein polizeibekannter Intensivtäter (18) in Bielefeld einen 17-Jährigen mit Messerstichen tödlich verletzt haben.

Freitag, 08.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 06:14 Uhr
Eine Gedenkstätte erinnert an den Toten. Foto: Heinze

Der 18-Jährige saß vom 31. Oktober bis zum 26. März ausdrücklich mit der Begründung hinter Gittern, dass vom jungen Mann wegen der Vielzahl seiner Delikte Wiederholungsgefahr ausgehe.

Ob der Haftbefehl von der Jugendrichterin zu Recht aufgehoben wurde, obwohl die Staatsanwaltschaft sechsmal Anklage gegen den polizeibekannten Intensivtäter erhoben hatte, das will die Bielefelder Justiz nun intern überprüfen. Amtsgerichtsdirektor Jens Gnisa kündigte an, der Fall solle im neunköpfigen Präsidium analysiert werden.

Amtsgerichtdirektor spricht von „üblichem Verfahren“

Gnisa stellte sich eine Woche nach der Bluttat nochmals ausdrücklich vor die Jugendrichterin. Weil der polizeibekannte Intensivtäter bislang nicht vorbestraft sei und noch nie vor Gericht stand, sei die Richterin davon ausgegangen, dass gegen den 18-Jährigen eine Bewährungsstrafe verhängt werde. Damit sei auch der Haftbefehl aufzuheben, zumal das Jugendgefängnis „ausgesprochen positiv“ über den Verlauf der U-Haft berichtet habe. „Das ist ein übliches Verfahren“, sagte Gnisa.

Auch wenn das Amtsgerichts-Präsidium befindet, dass die Richterin nicht richtig gehandelt hat, drohen keine Konsequenzen. „Richter treffen ihre Entscheidungen unabhängig. Die Entscheidung der Richterin ist hier mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ergangen“, heißt es vom Gericht.

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