Die Vorbereitungen in Bielefeld laufen – Im Jahr 2022 soll alles fertig sein
Jahnplatz-Umbau: Am 1. Juli beginnt die Hauptbauphase

Bielefeld (WB). Für Sascha Homburg vom Büro für Lichtplanung Envue Homburg ist der Jahnplatz so etwas wie Bielefelds Wohnzimmer. Und so ein Wohnzimmer werde erst so richtig heimelig, wenn es ganz unterschiedliche Beleuchtungsquellen gebe. Sein Beleuchtungskonzept für Bielefelds zentralen Platz hat er am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss des Rates vorgestellt und dafür allgemeinen Zuspruch erhalten. Zentraler Punkt: Die Leuchten hängen an einer Seilüberspannung, auf Masten wird verzichtet.

Donnerstag, 07.05.2020, 12:35 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 15:09 Uhr
Mathias Richtering (links) und Marko Zellin bereiten einen Kanal-Roboter für seinen Einsatz im Untergrund vor. Er untersucht den über hundert Jahre alten Mischwasserkanal, der anschließend mit einem Schlauch neu ausgekleidet wird. Foto: Thomas F. Starke

Grabungen mit heißem Dampf

Ob den Wohnzimmer-Vergleich beim Jahnplatz alle teilen, sei einmal dahin gestellt. Auf alle Fälle ist er ein quirliger Platz und wird nun bis 2022 zur Baustelle. Damit ab 1. Juli die Hauptbauphase starten kann, haben jetzt weitere vorbereitende Arbeiten begonnen, die auch über den Platz hinausgehen. „In einem Inlinerverfahren wird der über hundert Jahre alte Mischwasserkanal in der Alfred-Bozi-Straße erneuert“, sagt Michael Haver vom städtischen Umweltbetrieb (UWB). Zwischen Friedenstraße und Klosterstraße und auch auf dem Jahnplatz selbst wird ohne graben zu müssen ein mit Kunstharz getränkter Schlauch in den Kanal gezogen und mit Wasserdampf ausgehärtet. Erst einmal wird der Kanal mit einer mobilen Kamera untersucht. Die Schachteinstiege werden saniert – auch ohne Grabungen, aber unter Einsatz von heißem Dampf. Passanten, so Haver, dürften sich deshalb in nächster Zeit nicht über aufsteigende Dampfwolken wundern. Ein bisschen New Yorker Bronx in Bielefeld.

Der Jahnplatz bei Nacht: So soll das neue Beleuchtungskonzept wirken. Illustration: Envue Homburg

Der Jahnplatz bei Nacht: So soll das neue Beleuchtungskonzept wirken. Illustration: Envue Homburg

Arbeiten bis zum 5. Juni ausgesetzt

Mit dem Jahnplatz-Umbau verschwindet endgültig auch ein Stück Stadtgeschichte. Der längst unterirdische Stadtgraben, dessen Ursprünge noch auf das mittelalterliche Bielefeld zurückgehen, wird verdämmt. Die Firma Dommel, ein Spezialunternehmen aus Hamm, wird 700 Kubikmeter Dämmmaterial in die Schächte einbringen. „Auf eine Tonne Dämmmaterial kommen rund 600 bis 700 Liter Wasser“, erläutert Benedikt Stentrup von der Firma Dommel. Die Mischung, ähnlich wie flüssiger Beton, wird über die Schächte in den Stadtgraben verfüllt und muss dort dann aushärten.

Die Arbeiten sind bis zum 5. Juni angesetzt. „Dabei kann es zu Verkehrsbehinderungen kommen“, sagt Dirk Vahrson vom städtischen Amt für Verkehr. Nur eine Fahrspur werde abschnittsweise je Richtung zur Verfügung stehen. Und wegen des hohen Wasserbedarfs kann es passieren, dass über die Fahrbahn eine Wasserleitung gelegt werden muss.

Auch die Stadtwerke setzen ihre vorbereitenden Arbeiten rund um den Jahnplatz fort. Stromleitungen an der Alfred-Bozi-Straße werden saniert. Dafür muss auch in der Elsa-Brändström-Straße jeweils eine Fahrbahn gesperrt werden. Fernwärmearbeiten, Wasserleitungssanierung und die Verlegung von Stromleitungen im Bereich Herforder Straße dauern voraussichtlich noch bis Ende Mai, vor dem Stadtwerke-Kundenzentrum noch bis Ende Juni.

Stimmen das Vorgehen ab: (von links) Johannes Leewe, Alexander Garen und Jürgen Jäger.

Stimmen das Vorgehen ab: (von links) Johannes Leewe, Alexander Garen und Jürgen Jäger. Foto: Thomas F. Starke

Bis 2022 fertig

„Uns kommt zugute, dass es wegen Corona zurzeit deutlich weniger Verkehr in der Bielefelder Innenstadt gibt“, sagt Dirk Vahrson und hofft gleichzeitig, dass die Pandemie die ab 1. Juli laufenden Haupt-Bauarbeiten nicht beeinflusst. Denn da bleibt es bei dem engen Zeitplan. Bis 2022 muss der Jahnplatz fertig und abgerechnet sein. Das hatte Planungsdezernent Gregor Moss am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss noch einmal betont, nachdem zuletzt Fristverlängerungen im Gespräch waren. Die Ausschreibung für den Platzumbau konnte unterdessen erfolgreich abgeschlossen werden. Im Juni sollen die Auftragsvergaben erfolgen.

Für die Jahnplatz-Beleuchtung kann die Vergabe später erfolgen. Sie wird den Schlusspunkt des Projektes setzen. Die Seilüberspannung knüpfe an eine lange Tradition für den Platz an. Schließlich gibt es die schon, seit dort die erste Straßenbahn verkehrte. Die künftige Beleuchtung soll auch eine lichtgestalterische Verknüpfung zwischen der Bahnhofstraße und der Altstadt herstellen. Sie wird auch „inszenierende Elemente“ beinhalten, so Planer Sascha Homburg. Neben Weißlicht ließe sich auch farbiges Licht schalten – weiß-blau nach einem Arminia-Sieg, als besonderes Farbelement bei Veranstaltungen wie den Nachtansichten oder dem Weihnachtsmarkt. Und auch die Jahnplatz-Uhr, die bisher nachts im Dunkel untertaucht, soll künftig ins rechte Licht gesetzt werden.

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